Skitouren-Spezial: Kaufberatung für Einsteiger
Ich fahre Alpinski und will mal auf Skitour gehen. Was brauche ich dafür alles?
Neben der entsprechenden Wetterlage, kalkulierbaren Lawinenverhältnissen und gutem Orientierungssinn im Gelände benötigt man natürlich die richtige Ausrüstung. Für die ist Globetrotter zuständig, für alles andere braucht man viel Wissen und Erfahrung. Heißer Überlebenstipp: Schließen Sie sich anfangs einer geführten Skitour an.
Die großen Berge liegen nicht eben vor der Haustüre Dresdens. Warum hat Globetrotter trotzdem eine Skitourenabteilung?
Die Kunden, die zu Globetrotter nach Dresden kommen, wohnen zwar etwas weiter weg von den Alpen, brauchen aber natürlich auch die richtige Ausrüstung für ihr Hobby. Und zum Trainieren und Kondition tanken eignen sich das Erzgebirge, der Harz oder das Sauerland hervorragend – dank der oft sehr guten Schneeverhältnisse dort. Daher sind wir für nord- und mitteldeutsche Verhältnisse im Skitourensegment auch überdurchschnittlich gut aufgestellt. Ein kleines, aber feines Sortiment deckt alle Bereiche des alpinen Skitourengehens ab. Unsere traditionelle Stärke liegt aber naturgemäß im nordischen Skisport.
Befassen wir uns zuerst mit den Brettern, die für die Skifahrer die Welt bedeuten: Welche Unterschiede gibt bei Tourenski?
Wir unterteilen den Tourenski-Markt in drei Segmente. Erstens: Aufstiegsorientierte Ski für Leichtgewichtsfreaks, Skitourenrennen oder alpine Skidurchquerungen. Diese Ski sind extrem leicht, dafür muss man bei der Abfahrt Abstriche bei den Fahreigenschaften in Kauf nehmen. Zweitens: Allrounder bzw. Allmountain-Ski. Diese klassischen Ski sind für Aufstieg und Abfahrt gleichermaßen gut geeignet und haben rund 78 Millimeter Breite unter der Skibindung. Diese Ski machen je nach Charakter, Taillierung und Härte auch auf der Piste Spaß. Und drittens: Abfahrtsorientierte Geländeski – die Freerider. Mit diesen breiten und schweren Ski gewinnt man bergauf keinen Blumentopf, bergab sind sie aber – mit der richtigen Bindung und den passenden Boots – über jeden Zweifel erhaben.
4-Seasons Info
Der richtige Ski
Aufstieg versus Abfahrt: Jeder Skitourengeher steht vor der gleichen Frage: Ist mir der Aufstieg oder die Abfahrt wichtiger? Erstere wählen einen möglichst leichten und vergleichsweise schmalen Ski, Zweitere greifen eher zu einem breiteren und schwereren, dafür auch stabileren Modell. Für alle, die sich nicht entscheiden können, bieten sich sogenannte »Touren-Allrounder« oder »Allmountain-Ski« als guter Kompromiss an.
Der »Baltero« von Dynafit (oben)für Einsteiger leicht zu fahren, bietet aber auch ambitionierten Tourengehern Herausforderung. Ideal für Skialpinisten und die »Haute-Route« ist der »Seven Summits«.
Stimmt es, dass gute Ski nach wie vor aus Holz gebaut werden – wie vor 100 Jahren?
Jawohl! Trotz Hightech-Materialien wie Carbon und Titanal ist Holz nach wie vor erste Wahl für hochwertige Ski. Als lebendiges Material sorgt ein Holzkern in Kombination mit modernen Kunststoffverbundmaterialien oder Metalllegierungen für viel Dynamik bei geringem Gewicht.
Hart oder weich: Was ist besser?
Das kann man so einfach nicht sagen. Man muss zwei Achsen im Ski unterscheiden: Flex und Torsionsfestigkeit. Der Flex sagt etwas darüber aus, wie gut sich der Ski durchbiegen lässt. Die Torsionsfestigkeit beschreibt das Verhalten des Skis, wenn man ihn in Längsrichtung verdreht. Weiche Ski schwimmen im Tiefschnee besser auf und lassen sich kraftsparender steuern. Sie sind aber bei eisigen Verhältnissen nicht so kantenstabil. Hier funktionieren harte Ski besser, weil ihre Kanten besser greifen. Man braucht aber mehr Kraft und Technik, um harte Ski aufzukanten.
Der Trend geht seit einigen Jahren immer mehr zu mächtig breiten Ski. Vor fünf Jahren waren 80 Millimeter Mittenbreite nur für Spezialisten, heute ist das Standard. Die breitesten Bretter haben heute über 100 Millimeter um die Taille. Welchen Vorteil bringen diese fetten Planken?
Sicher sind diese Ski im Aufstieg, vor allem bei steilen Traversen, nicht optimal. Sobald es aber guten Powder hat, lassen sie die Abfahrt zum unvergesslichen Erlebnis werden. Breite Ski schwimmen im Tiefschnee besser auf und sind einfacher zu fahren – auch bei Bruchharsch oder windverpresstem Schnee. Aber auch bei den breiten Ski gilt: Jedes Modell hat seinen eigenen Charakter. Nichts geht über gute Beratung!
Einmal im Jahr fahre ich mit Familie zum Pistenskilauf in die Alpen, möchte aber auch manchmal mit meinen Freunden auf Skitour gehen. Ich suche also eine Ausrüstung für alles. Was soll ich nehmen?
Ich würde mich für einen Allmountain-Ski mit 78er-Mitte, Kurvenradius zwischen 15 und 20 Meter- und Holzkern, stabilisiert mit einer Titanaleinlage, entscheiden. Das ist sicher nicht der leichteste Ski, bietet dafür aber auch ordentliches Fahrverhalten auf der Piste. Meine Empfehlungen: der »Aztec« von Scott, der »Seven Summits« von Dynafit oder der Tourenklassiker »Shuksan« von K2. Als Skistiefel wäre ein abfahrtsorientierter Vierschnaller wie der »Zzero 4« oder der »Zzeus« von Dynafit ideal, der auf der Piste, aber auch im Harsch oder Sulz eine gute Figur abgibt. Für maximale Sicherheit, guten Einstiegskomfort und viel Fahrgefühl empfehle ich als Bindung die neue »Eagle« von Fritschi. Sie hat einen verbesserten, komfortableren Drehpunkt beim Gehen, bietet den einfachen »Step-in«-Einstieg einer Pistenbindung und sie sorgt durch die leichte Standerhöhung für eine gute Kraftübertragung auf die Kante – auch auf einer härteren oder gar eisigen Piste.
Bleiben wir beim Thema Skitouren-bindung: Globetrotter hat Dynafit- und Fritschi-Systeme im Sortiment. Wo liegen da die Unterschiede?
Das »TLT«-System von Dynafit steht für »Tour Light Tec«: Auf das absolute Minimum reduzierte Technik und minimales Gewicht bei maximalem Gehkomfort. Durch die Inserts im Schuh ist der Drehpunkt nah am Vorderfuß platziert. Die flache Position des Schuhs über dem Ski, also ohne Standerhöhung, ermöglicht eine direkte Kraftübertragung auf das Steigfell und damit einen sicheren Aufstieg auch im steilsten Gelände. Neben dem optimalen Drehpunkt überzeugt die Dynafit-Bindung vor allem durch ihr fersenfreies System: Im Gegensatz zu Rahmenbindungen, wo man mit jedem Schritt den schweren Rahmen samt Fersenautomat mit anheben muss, liftet man bei der TLT nur den Schuh. Die TLT-Bindung ist die leichteste Bindung auf dem Markt – mit großem Abstand! Von Fritschi kommt die klassische Rahmenbindung mit komfortablem Einstieg und sicherer Auslösung. Die Modelle »Freeride«, »Experience« und »Eagle« lösen im Vorderbacken auch aktiv seitwärts aus. Der überarbeitete Drehpunkt der nagelneuen »Eagle« sowie die leicht zu bedienende Steighilfe machen sie zur echten Komfortbindung, allerdings ist sie um einiges schwerer als die Dynafit.
4-Seasons Info
Eine feste Bindung
Drum prüfe, wer sich ewig bindet: Wer vor dem Shopbesuch schon genau weiß, wo seine Vorlieben und Wünsche liegen, findet im Fachgeschäft viel schneller seinen Traumpartner. Das gilt nicht nur für Ski, sondern auch für die Bindung. Gewichtsfetischisten, Ski-Alpinisten und aufstiegsorientierte Tourengeher kommen um die Dynafit »TLT Radical« (unten im Bild) kaum herum. Komfortbewusste, Genießer und Sicherheitsfanatiker greifen zur neuen »Eagle 10« (oben im Bild) von Fritschi Diamir.
Alternative für Könner: die Telemarkbindung mit Kabelzug und auch bei der Abfahrt freier Ferse. Telemarken, die 150-jährige Urform des Skifahrens, erlebt in den letzten Jahren eine kleine Renaissance. Telemarkers Motto: Frischer Neuschnee ist einfach zu wertvoll für feste Bindungen!
Wer greift nun zur Dynafit und für wen ist eine Fritschi die bessere Wahl?
Das ergibt sich natürlich aus dem, was die beiden Systeme am besten können: Die superleichte Dynafit-Tourenbindung ist die perfekte Wahl für alle Skialpinisten und Skitourenrennläufer, für Skiexpeditionen, Durchquerungen und lange Tagestouren mit vielen Höhenmetern. Jeder, der sie einmal gegangen ist, möchte sie nie mehr missen. Dagegen ist die Fritschi ideal für Skitoureneinsteiger, Genusstourengeher und Variantenfahrer mit kurzen Anstiegen von der Gipfelstation. Und für alle, die nur ein einziges Skiset für Piste, Variante und Tour wollen.
Eine Tourenbindung muss in schwierigem Gelände oder bei Sprüngen einiges aushalten. Ist die filigrane Dynafit TLT überhaupt stabil genug für Freerider?
Mich als sportlichen Skifahrer hat sie noch nie im Stich gelassen. Ich fahre sie auf einem Freerider mit einer 95er-Mitteltaillierung – und das taugt!
Auf was muss man bei der Einstellung der Skitourenbindung achten?
Der sogenannte »Z-Wert« muss an Fahrer, Gewicht und Fahrkönnen angepasst werden. Das geschieht durch Messung des Körpergewichts oder des Tibiakopfdurchmessers am Knie. Wir passen die Bindung gleich im Laden an den Kunden an. Allerdings kann sich die Auslösehärte durch komplizierte Schneeverhältnisse oder einen schweren Rucksack auch mal verschieben. Dann ist feinfühliges Fahren angesagt ...
Nun zu den Schuhen: Wenn ich mir neue Tourenski kaufe, brauche ich dann auch neue Tourenstiefel oder passen meine alten Alpinstiefel in die Tourenbindung?
Das hängt von der Bindung ab. Es gibt Bindungen wie die von Fritschi, die prinzipiell für Pistenschuhe passen. Aber damit hat man wenig Spaß. Ein alpiner Skischuh bietet kaum Flex, er ist für den Aufstieg viel zu hart und man braucht viel mehr Kraft, um auf den Berg zu kommen. Auf Skitour entspricht die Abfahrtszeit nur einem Bruchteil der Aufstiegszeit – gerade bergauf ist also ein spezieller Skitourenstiefel weit mehr als die halbe Miete. Der Sport heißt ja schließlich »Skitourengehen« und nicht »Skitourenfahren«.
Wie genau unterscheiden sich Skitouren- von Pistenstiefeln?
Zunächst durch den weicheren und ausgeprägteren Flex sowie einen Aufstiegs- und Abfahrtsmodus. Zudem besitzen sie eine vorgeformte Gummiprofilsohle, die beim Gehen, z. B. beim Aufstieg ohne Ski zum Gipfel oder in leichten Kletterpassagen, viel Grip und damit Sicherheit bietet. Die meisten Modelle sind – abhängig vom jeweiligen Tourenstiefelsegment – auch auf geringes Gewicht getrimmt und besitzen eine Schale aus PU oder Pebax, das kälteunempfindlich ist, also auch bei Minusgraden weich bleibt.
4-Seasons Info
Skischuh-Berater
Der perfekt passende Schuh ist wichtiger als der Ski! Denn mit einem suboptimalen Ski kommt man immer irgendwie runter, mit einem unpassenden Skitourenschuh aber geht (im wahrsten Wortsinn) meist nichts mehr. Schließlich bildet der Skistiefel das Bindeglied zwischen Mensch und Schnee. Vorsicht: Viele Skifahrer kaufen Skischuhe zu groß. Folge: Die Füße suchen verzweifelt Halt und Kontrolle und verkrampfen kläglich. Sind die Schuhe zu klein, werden Blutgefäße abgedrückt, die Füße werden kalt, gefühllos oder schmerzen höllisch.Nichts geht also über eine Beratung vom Profi. Der verkuppelt Sie mit dem idealen Tourenpartner – und passt die immer beliebteren Thermo-Innenschuhe an Ihre Füße an.
Trotzdem gibt es beim Gewicht ziemliche Unterschiede. Wenn es auch leicht geht, warum sollte ich mir dann einen bleischweren und klobigen Freeride-Schuh zulegen?
Du bist von den 2000 Höhenmetern im Anstieg doch schon etwas »angeknackst« und stehst mit deinen »Ultrasuper-Leichtschuhen« am Rand einer 40 Grad steilen und vereisten Flanke. Da freust du dich garantiert, wenn der Schuh möglichst stabil ist und die Kraft bestmöglich auf die Kante überträgt. Auch im Schuhbereich gilt wie bei den Ski: Für jede Zielgruppe gibt es passende Schuhe. Für Skitourenrennläufer und für Unternehmungen, bei denen primär Höhenmeter oder Gipfel zählen oder die mehrere Tage dauern, sollte der Schuh so leicht wie möglich sein. Ansonsten empfiehlt sich ein stabiler Drei- oder leichter Vierschnaller als guter Kompromiss. Bin ich ein Freerider, der den beschwerlichen Aufstieg nur wegen der rauschenden Abfahrt in Kauf nimmt und durch Steilwände und Couloirs runterkachelt, dann nehm ich einen harten, kompakten Vierschnaller, der einem sportlichen Alpinstiefel ähnelt.
Was muss man beim Kauf berücksichtigen?
Ähnlich wie bei Bergschuhen gilt: Der Skitourenstiefel muss absolut perfekt passen. Wichtig sind ausreichend Platz in der Zehenbox, um bei Kälte Erfrierungen vorzubeugen, und ein fester Fersensitz für den Aufstieg, um Blasen zu verhindern. Der Stiefel sollte »nah am Fuß« sitzen, um optimale Kraftübertragung zu gewährleisten. Dreischnaller sind eher aufstiegsorientiert, da sie meist leichter und mit mehr Flex ausgestattet sind. Sie sind auch gut für Leute mit stark ausgeprägter Wadenmuskulatur. Vierschnaller bieten mehr Stabilität und bessere Kraftübertragung in der Abfahrt.
Beim Kunststoffskischuh kann ich nicht überprüfen, wie viel Platz ich vorne habe. Wie merke ich, ob der Schuh passt?
Bei der Anprobe bringt man am besten die eigenen Lieblingsskisocken und eventuell vorhandene Einlegesohlen mit in den Laden. Wir haben aber natürlich auch jede Menge Probiersocken hier. Den Innenschuh nimmt man zum Anziehen aus der Schale und schnürt ihn gut zu. Hier kann man prüfen, wie viel Platz man im Zehenbereich hat. Optimal ist etwa ein Zentimeter. Wenn man dann mit dem angezogenen Innenschuh in die Schale einsteigt, sollte man im Stand und beim normalen Gehen nicht vorn anstoßen. In der Abfahrtsposition rutscht man im Schuh nach hinten. Wenn man dann den Außenschuh eng schnallt, merkt man, ob einem grundsätzlich die Form des Schuhs passt. Er darf auf keinen Fall den Fuß insgesamt einengen.
Schnürschuh oder Thermo-Innenschuh?
Ein Schnür-Innenschuh ist okay, er will aber wie ein Bergschuh eingetragen werden. Zudem ist die Schnürung beim Anziehen etwas umständlicher. Thermoverformbare Innenschuhe sind leichter und ersparen langes Eintragen, sie werden direkt beim Kauf individuell an den Fuß angepasst. Der spezielle Schaum ist sehr warm und damit auch schwitzig. Bei Frühjahrsskitouren kann das etwas unangenehm sein, dafür sind Thermo-Innenschuhe bei großer Kälte natürlich top. Schnürschuhe haben den Vorteil, dass sie stabiler sind und meist eine verstärkte Laufsohle haben. Man kann mit ihnen also abends in der Hütte rumlaufen.
Skitourenstiefel sehen sehr martialisch aus. Wofür sind die ganzen Schnallen, Drehknöpfe, Schalter und Schrauben?
Die ultraleichten Aluschnallen haben eine Feinjustierung und je ein oder zwei weit zu öffnende Schnallen, um den Gehkomfort zu erhöhen. Per Kipphebel lässt sich der Schaft in eine Aufstiegs- und Abfahrtsposition bringen. Der Abfahrtsmodus erlaubt meist sogar zwei verschiedene Vorlagen. Seitlich lässt sich oft das Canting einstellen, der Schaft kann also feinjustiert werden, um O- oder X-Beinstellungen auszugleichen. Das können wir – wenn gewünscht – gleich im Laden anpassen.
Passen überhaupt alle Skitourenstiefel auf alle Bindungen?
Alle Skitouren- und Alpinskistiefel passen in alle Skitouren-Rahmenbindungen von Fritschi und Silvretta. Die Dynafit-Low-Tec-Bindung (TLT-System) erfordert spezielle Dynafit-Inserts im Schuh. Diese sind allerdings nicht nur in den Dynafit-Schuhen zu finden, sondern auch an vielen Modellen von Garmont und Scarpa. Dynafit verbaut jetzt die weiterentwickelten »quick-step-in«-Inserts, die einen leichteren Einstieg ermöglichen.
Kann ich mit meinen nagelneuen Skitourenskischuhen eigentlich auch meine alten Pistenski benutzen?
Davor rate ich ab. Die Gummiprofilsohle verändert nämlich die Auslösewerte der Alpin-Sicherheitsbindung.
4-Seasons Info
Sicherheit hat im Gelände Vorfahrt
Auf Skitouren hat man neben schlechtem Wetter und Gletscherspalten vor allem eines zu fürchten: Lawinen. LVS, Sonde und Schaufel dürfen daher niemals fehlen.
Das Wichtigste vorneweg: Keine Sicherheitsausrüstung minimiert das Lawinenrisiko! Der Verzicht auf eine Skitour bei hoher Lawinengefahr und bei persönlicher Unsicherheit ist die beste Methode, sich und andere nicht in Gefahr zu bringen. Abseits der präparierten Pisten gilt es, die Schneesituation und die damit verbundenen Gefahren richtig einzuschätzen. Vor allem Neuschnee, Wind und große Temperaturwechsel sorgen für ein erhöhtes Lawinenrisiko.
Selbstverständlich sollte es sein, den aktuellen Lawinenlagebericht nicht nur zu kennen, sondern auch richtig interpretieren zu können. Dieses Wissen kann man sich über Touren- bzw. Lawinenkurse aneignen. Bei den Globetrotter-Skitourentagen Anfang Januar (nähere Infos auf Seite 30) gibt‘s interessante Vorträge wie »Notfall Lawine« des DAV-Experten Dieter Stopper, aber auch viele praktische Übungen im Schnee.
Doch nun zur Sicherheitsausrüstung für Tourengeher. In jedem Fall gehören ein funktionierendes LVS-Gerät an den Körper und Sonde und Metallschneeschaufel in den Rucksack. LVS ist die allgemein übliche Abkürzung für Lawinenverschütteten-Suchgerät. Damit ist es möglich, eine unter Schneemassen begrabene Person zu orten. Mehr nicht. Aber es ist natürlich die Voraussetzung, um die Person dann auch ausgraben zu können. Mit digitalen Drei-Antennen-Geräten wie dem »Pieps DSP« ist auch eine schnelle Suche nach mehreren Verschütteten möglich. Trotzdem muss man die Suche draußen im Schnee immer wieder üben, um schnell zum Ziel zu kommen. Im Ernstfall zählt jede Sekunde, es geht um Leben oder Tod. Das LVS trägt man übrigens immer am Körper und unter der äußeren Bekleidungsschicht.
Ohne LVS keine Ortung, ohne Schaufel keine Rettung! Die Schaufel sollte aus Alu sein, um auch bei nassem Frühjahrsschnee und gepresstem Lawinenschnee graben zu können. Blätter aus Plastik gehen dabei gerne mal zu Bruch.
Viele glauben, auf eine Sonde verzichten zu können, wenn sie ein LVS-Gerät dabeihaben. Falsch! Nur mit der Sonde kann man einen Verschütteten auch in größerer Tiefe punktgenau orten. Das spart viel Zeit, die man zum Schaufeln noch dringend benötigt. Eine Sonde ist meist 240 cm lang und besteht aus leichtem und stabilem Alu.
Im Fachhandel gibt es neben LVS-Geräten, Sonden und Schaufeln noch zusätzliche Sicherheitsausrüstung wie Lawinenairbag, Avalung oder Lawinenball. Diese Systeme vergrößern die Überlebenschancen, nachdem (!) man von einer Lawine erfasst wurde. Insofern sind sie zwar nützliche Hilfsmittel, aber Verletzungen wie etwa Genickbruch sind trotzdem möglich. Keines dieser Systeme reduziert jedoch das Lawinenrisiko. Die beste Überlebensstrategie ist und bleibt, erst gar nicht in eine Lawine hineinzugeraten!
Jetzt haben wir viel von der Abfahrt geredet, auf Tour geht‘s aber großteils um den Aufstieg. Was braucht man dafür?
Ohne Stöcke und Steigfelle geht gar nichts. Prinzipiell kann man zwar mit normalen Skistöcken auf Tour gehen, aber besser sind größere Teller, um im Tiefschnee nicht zu versinken. Praktisch sind Teleskopstöcke, die man für extrem steile Tragepassagen oder den Gipfelgrat in der Länge anpassen kann. Das Fell war früher tatsächlich ein Fell: von Seehunden. Heute sind sie (also die Felle, nicht die Seehunde) meist aus einem Mix aus Mohair und Nylon. Man hakt sie an der Skispitze ein und klebt sie auf den Skibelag. In der Steigphase nach vorne gleitet das Fell über den Schnee, in der Abdruckphase nach hinten richten sich die Fellhaare auf und verhindern ein Zurückrutschen. Das Fell sollte optimal zu den Taillierungsmaßen des Skis passen, nur die Stahlkanten sollten für sichere Hangquerungen frei bleiben. Viele Felle kann man selbst auf die Geometrie des eigenen Skis zuschneiden. Ein hochwertiges Fell nimmt wenig Feuchtigkeit auf und trocknet schnell.
Was ist empfehlenswerter: Steigfelle mit oder ohne Endhaken?
Bei langen Touren, Durchquerungen oder Touren mit viel Auf- und Abfellen empfiehlt sich ein Fell mit Endhaken. Wenn der Kleber nicht mehr so gut haftet, weil er z. B. nass geworden ist, dann stabilisiert zumindest noch der Endhaken ein wenig.
Wenn das Fell nicht mehr gut klebt, kann man dann den Kleber erneuern oder muss man gleich ein neues teures Fell kaufen?
Wer auf sein Fell achtgibt, der hat lange Freude daran. Wichtig ist, das Fell nach Gebrauch zu trocknen, aber nicht auszutrocknen. Fremdkörper haben auf der Kleberseite nichts zu suchen. Tannennadeln, Dreck und Sand sind der Tod für jeden Kleber. Wenn der Kleber dann irgendwann wirklich nicht mehr hält, kann man ihn abziehen und selbst neuen Kleber auftragen.
Welches Zubehör muss noch mit auf Tour?
Skistopper sind zusammen mit einem Tiefschneeband nach einem Sturz im Powder sehr hilfreich, um den Ski wiederzufinden – und zwar vor dem nächsten Frühling. Mit dem guten alten Fang-riemen kann der Ski zwar nie verloren gehen, aber die Verletzungsgefahr, vor allem am Kopf, ist durch herumwirbelnde Ski beim Sturz sehr groß. Und wer mit Fangriemen in eine Lawine gerät, hat ganz schlechte Karten: Die Ski wirken nämlich dann als Anker und ziehen einen nach unten. Also Finger weg von Fangriemen! Unverzichtbar für Frühjahrsskitouren sind Harscheisen.
Für was brauche ich Harscheisen?
Salopp gesagt sind es Steigeisen für die Ski. Sie ermöglichen Aufstiege per Ski überall dort, wo das Steigfell nicht mehr greift und man zurückrutscht. Bei harten, steilen, eisigen Verhältnissen geben Harscheisen eine Extraportion Sicherheit.
4-Seasons Info
Das muss in den Rucksack
Trinken, trinken, trinken! Am besten Sie haben eine Isoflasche mit warmem Tee dabei. Das gehört noch in den Rucksack: Verpflegung, Erste-Hilfe-Set, Notfall-Handy, Hardshell-Jacke, Wechselwäsche, Ersatzhandschuhe, Sonnencreme, Ski- oder Sonnenbrille, Multitool und Tape. Und natürlich die komplette Sicherheitsausrüstung!
Jetzt weiß ich alles über die richtige Hardware fürs Tourengehen. Jetzt zur Software: Taugt mein altes Pistenoutfit? Oder brauche ich extra Skitourenbekleidung?
Der Pistenstyle ist zu warm. Anfänger lassen sich von kühlen Temperaturen morgens gerne dazu verleiten, zu viel anzuziehen. Da kommt man bloß schnell ins Schwitzen. Das Motto auf Skitour: atmungsaktiv, atmungsaktiv, atmungsaktiv! Mit dem »Zwiebelprinzip«, bestehend aus Unter-wäsche, Midlayer und Außenschicht sorgt man immer dafür, dass Temperatur und Klima stimmen. Wer dann im Rucksack noch eine leichte Daunen- oder Primaloftjacke für die Gipfelrast dabeihat, ist fein raus. Vor allem eine spezielle Tourenhose ist Gold wert. Die muss bequem, gut zu belüften für den Aufstieg und ausreichend warm für die Abfahrt sein. Ein Schneefang am Beinabschluss sorgt dafür, dass kein Schnee in den Skistiefel kommt.
Erfahrene Skitourengeher wechseln am Gipfel ihre Garderobe. Sollte man immer ein Wechsel-Shirt dabeihaben?
Es gibt schnell trocknende Unterwäsche aus leichten Synthetik-Fasern, die durch die restliche Körperwärme bei der Pause am Körper schnell trocknet. Mein Tipp: »Pro Zero extrem« von Craft. Baumwolle hat am Berg überhaupt nichts verloren. Abends auf der Hütte sind ein frisches Baumwoll-T-Shirt und frische Socken aber allseits willkommen!
05. Dezember 2011, Interview: Joachim Stark
- Anmelden oder Registrieren um Kommentare zu schreiben

























