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Schweizer Schwergewicht – die Mammut Story

Foto: Archiv Mammut
Vor 146 Jahren eröffnete Kaspar Tanner im schweizerischen Seon eine Seilerei. Er ahnte wohl kaum, dass er damit den Grundstein für einen der größten und meist geschätzten Outdoor-Hersteller legte: Mammut.
 

Kaspar Tanners Seile kamen zunächst in der Landwirtschaft zum Einsatz. Dann aber eröffnete sich schlagartig ein neuer Markt. Ein paar adlige Engländer begannen, aus purem Vergnügen Berge zu besteigen. Der Alpinismus war geboren und fand zahlreiche Anhänger. In den 1860ern fielen »unbezwingbare« Gipfel wie das Matterhorn gleich reihenweise, die Aktiven organisierten sich in eilig gegründeten Alpenvereinen. Die Seile aus Seon waren von Anfang an dabei – und wurden mit den stetig steigenden Anforderungen weiterentwickelt. In den 1920ern kamen die ersten statischen Hanfkletterseile, nach dem Zweiten Weltkrieg Bergsport-Seile aus synthetischen Fasern.

 

»Stark wie ein Mammut«

Soft Shell-Bestseller im Globetrotter-Programm: Mammuts Ultimate Pro Jacket. | Foto: Archiv Mammut

Der Familienbetrieb der Tanners hieß damals eidgenössisch-nüchtern Seilerwaren AG, später firmierte man um zur Arova Lenzburg AG. Der einprägsame Name Mammut kam 1943 ins Spiel. 12 Jahre später erlebte der ausgestorbene Ur-Elefant seine wahre Wiedergeburt – als Namenspatron des Alpinseils Everest-Mammut. Das Seil, »stark wie ein Mammut«, entwickelte sich zu einem Hauptumsatzträger. Dann eroberte das robuste Rüsseltier auch den Firmennamen: erst in der Arova-Mammut AG, schließlich reinrassig als Mammut AG. Ein kluger Schritt: Heute erwartet der Kunde beim Anblick des Mammut-Logos durchdachte Outdoor-Ausrüstung von sprichwörtlicher Schweizer Qualität. Und er bekommt sie auch.

Der Weg vom Seil-Spezialisten zum Bergsport-Vollsortimenter, der sogar elektronische High-Tech-Geräte für die Lawinenrettung herstellt, war aber nicht vorgezeichnet. Entscheidend für den Erfolg waren zwei Komponenten: »Zum einen verfügte man als Traditions-Unternehmen über das handwerkliche Fachwissen. Zum anderen wurde schon immer mit besonderer Hartnäckigkeit geforscht und entwickelt«, sagt Dean Polic, Marketingleiter Deutschland. Mammut ruhte sich nicht auf dem Status quo aus, sondern suchte nach neuen Wegen. So stellte man 1976 die ersten Duodess-Seile vor, bei denen jeder Nylonfaden auf der kompletten Seillänge garantiert durchgehend und knotenfrei war – eine Revolution auf dem Markt.

 

Mammut als Erfinder der Soft Shell

Der Vater der Soft Shell: Albert Wenk 1965 und 2007. | Foto: Archiv Mammut

Mammut baute seine Produktpalette geduldig, aber systematisch aus. In den 1970ern produzierte man bereits Schlafsäcke, Zelte und technische Alpinbekleidung. 1978 kamen die Altitude-Jacken und -Hosen auf den Markt, gefertigt aus einem neuartigen Material namens Gore-Tex. Durch die Verwendung des damals noch unbekannten Laminats, das in den folgenden Jahrzehnten die Outdoor-Welt erobern sollte, demonstrierte Mammut gleich zu Beginn seine Pionierrolle im Bekleidungssektor.

Ebenfalls im Fokus der jungen Sportbekleidungsmarke: eine neue Stofftechnologie, die auf die perfekte Mischung von Komfort und Funktion abzielte. Inzwischen ist dieses Konzept unter dem Stichwort »Soft Shell« weltweit in aller Munde, doch auf die Ricola-Frage nach der Grundidee (»Wer hat‘s erfunden?«), dürfte die Ricola-Antwort (»Die Schweizer!«) auch hier die richtige sein. Gehen wir doch mal 25 Jahre zurück …

Die Alpen, Mitte der 1980er Jahre. Wanderer und Bergsteiger tragen einheitlich Kniebundhosen aus Wolle oder Cord. Als besonders »funktionell« erwiesen sich die klassischen Beinkleider bei Nässe und Kälte: Sie sogen sich eifrig mit Feuchtigkeit voll, um dann wie nasse Betttücher oder als gefrorene Eislappen am Unterleib zu hängen. Die Alpinisten waren nicht begeistert, kannten aber eben nichts anderes. Besonders ausgeprägt war die Abneigung gegen Wollhosen bei Albert Wenk, einem passionierten Bergler. Ihm hatten es die elastischen Keilhosen der Skifahrer angetan und er bastelte – mit der Schwiegermutter an der Nähmaschine – an einer Umsetzung für den Bergsport. Wenks erste Versuche waren ein Fortschritt, aber noch nicht ausgereift. Als er jedoch bald darauf von Mammut als Produktentwickler engagiert wurde, brachte er seinen Wunschzettel mit: Leicht, angenehm auf der Haut, schnell trocknend, winddicht, atmungsaktiv und robust – so sollte sie sein, die optimale Alpinhose. Und natürlich bi-elastisch, also dehnbar in Quer- und Längsrichtung, um dem Zwicken und Zerren ein Ende zu bereiten.

Für die Berge und vom Feinsten: Mammut steht für Sicherheit und Spitzenqualität. | Foto: Archiv Mammut

Mitstreiter für die Mission Bergsporthose fand Mammut beim Schweizer Textilhersteller Schoeller, der sich als »Stretch-Spezialist« einen Namen gemacht hatte. Mitte der 80er schließlich wurden die ersten Prototypen zum Testen an Kletterprofis ausgegeben. Der Rest ist Geschichte: Die Vorzüge der Mammut/Schoeller-Hosen sprachen sich herum wie ein Lauffeuer. Spätestens als die legendäre Mammut-Hose Chamonix herauskam, gaben selbst konservative Bergsteiger ihre Wollhosen in die Altkleidersammlung.

Die intensive Partnerschaft der Schweizer Unternehmen Mammut und Schoeller besteht bis heute. Die Anforderungen ans Material sind dieselben geblieben, doch wurde Albert Wenks Wunschliste unter dem Namen »Soft Shell« griffig zusammengefasst. Schoeller gilt heute als führender Soft Shell-Spezialist, Mammut als ältester und größter Soft Shell-Hersteller auf dem Markt. Dass das auch die Kunden so sehen, unterstreichen zahlreiche Branchenpreise (wie die Auszeichnung »Gear of the Year« der Zeitschrift outdoor), die regelmäßig nach Seon vergeben werden.

 

Ajungilak, Raichle und Toko kommen an Bord von Mammut

Seile fertigt Mammut nach wie vor in Seon. Der deutsche Markt wird von Memmingen aus betreut (Dean Polic im Showroom). | Foto: Archiv Mammut

Über die Jahrzehnte hinweg hat sich Kaspar Tanners Seilerei zum Branchenriesen entwickelt. Die Firma Mammut macht der Imposanz ihres Namens alle Ehre, das Sortiment umfasst neben Bekleidung Schlafsäcke, Rucksäcke und Alpin-Ausrüstung. Kontinuierlich hat man spezialisierte Marken in die »Mammut Sport Group AG« geholt. Einer der ersten Neuzugänge war 2001 das norwegische Schlafsack-Traditionsunternehmen Ajungilak (Gründung 1855). Dazu stießen mit der Toko AG ein Skiwachs- und Pflegeprodukt-Profi, 2003 der Bergsportschuster Raichle und im vergangenen Jahr der Lampenexperte Lucido.

Die Zentrale mit über 200 Mitarbeitern sitzt nach wie vor in Seon, wo bis heute anspruchsvolle Produkte wie Kletterseile oder der Barryvox (ein preisgekröntes Lawinenverschüttetensuchgerät, kurz LVS) »made in Switzerland« gefertigt werden.

Doch auch die vor 20 Jahren gegründete deutsche Tochtergesellschaft mit Sitz in Memmingen hat gut zu tun: 90 Mitarbeiter wickeln den Vertrieb für die gesamte EU ab. Sie betreuen den wichtigen deutschen Markt und garantieren zum Beispiel die Bearbeitung von Kundenreklamationen binnen fünf Werktagen. Den Standort Deutschland stärken auch der neue Mammut-Store in Kempten und demnächst die großzügige Präsentation der Produktpalette bei Globetrotter Köln.

 

Mammut: Vom Hersteller zum Ausbilder

Alpine Kompetenz: Mit Mammut sicher am Schreckhorn. | Foto: Archiv Mammut

Die Entwicklung und Produktion von erstklassiger Ausrüstung sind jedoch nicht alles. Mammut sieht den Berg als Ganzen und engagiert sich auch in den Bereichen Naturschutz, Spitzensport, Ausbildung und Sicherheit. Ein Projekt, das dem Mammut-Team besonders am Herzen liegt, zielt auf einen sozialen Bergsport-Tourismus in Kirgisistan. Das zentralasiatische Land mit seiner einzigartigen Gebirgslandschaft wurde in den letzten Jahren zum populären Reiseziel, doch war man dort kaum auf Tourismus vorbereitet. So türmte sich an den beliebtesten Orten der Müll, in den Basislagern war sauberes Trinkwasser knapp und schwere Unfälle häuften sich – wegen mangelnder Kenntnisse der Guides und unzureichender Befestigung der Routen. Mammut unterstützt nun die Ausbildung von einheimischen Bergführern nach internationalen Richtlinien. Kletterrouten wurden professionell gesichert, die beliebten Klettersteige am Khan Tengry Pik mit neuen Fixseilen ausgestattet.

Zur ganzheitlichen Denkweise passt auch das jüngste Kind im Stall: die Mammut Alpine School. Geführt von Reiner Taglinger bietet die Bergschule ein Ganzjahresprogramm mit Kursen in Fels und Eis, außerdem geführte Touren in den schönsten Gebirgen der Welt. Reiner Taglinger kletterte schon als Jugendlicher am El Capitan im Yosemite und stand mit 21 auf Cerro Torre und Fitz Roy. Seit Jahren ist er Ausbildungsprofi und schult zudem den Bergführer-Nachwuchs.

Aber was bringt dieses Engagement einem Ausrüstungs-Hersteller? »Durch die Mammut Alpine School stehen wir in ständigem Kontakt mit unseren Kunden, das ist ungemein wertvoll«, freut sich Dean Polic. Auch die Gäste und Kunden der Bergschule profitieren von dem neuen Konzept: Sie können kostenlos Mammut-Produkte testen, auch Besichtigungen der Produktion in Seon sind geplant. Dort, wo vor 146 Jahren ein gewisser Kaspar Tanner eine kleine Seilerei eröffnete.

Mehr zu Mammut unter www.mammut.ch
 

 
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