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Reisetipp: Wandern am Eifelsteig

Foto: Björn Nehrhoff von Holderberg
Wehrhafte Burgen, alte Klöster, das römische Trier, die Kaiserstadt Aachen: Entlang des Eifelsteigs ist große Kultur zu erleben – und dazwischen immer wieder große Natur: einsame Flusstäler, beeindruckende Wälder und alte Vulkanlandschaften.
Auch im Kleinen zeigt sich grandiose Natur. | Foto: Björn Nehrhoff von Holderberg
Auch im Kleinen zeigt sich grandiose Natur. | Foto: Björn Nehrhoff von Holderberg

Vor einer Stunde noch stand ich an der Porta Nigra, dem knapp 2000 Jahre alten Stadttor von Trier, bewunderte das römische Amphitheater, den riesigen Dom und beobachtete das rege Treiben auf dem Marktplatz. Und mir war, als sei ich mitten im alten Rom. Nun steige ich einsam unter brennender Sonne auf mächtigen Sandsteinfelsen hoch hinauf, bis das geschwungene Band der Mosel weit unter mir liegt. Doch allzu lang darf der erste große Fernblick heute nicht zum Verweilen verführen, denn die Sonne wird immer unbarmherziger. Dankbar über den Schatten tauche ich nur wenig später ein in die dichten Mischwälder mit ihren uralten Esskastanienriesen, fortan begleitet vom würzigen Duft der Fichtennadeln.

Schon der Auftakt des Eifelsteigs ist wie ein Markenzeichen: Der Wanderweg verbindet Kultur und Natur in grandioser Weise. Von Trier an der Mosel windet er sich auf 313 Kilometer Länge nach Norden und folgt dabei oft den Flüssen, die sich tief in die baumlosen Hochflächen der Eifel eingeschnitten haben, bis nach Aachen. Ich habe mir allerdings »nur« die ersten 133 Kilometer bis nach Gerolstein vorgenommen.

Später, tief im Wald, wartet bereits wieder so ein Beispiel für die Nähe zwischen Natur und Kultur: der gewaltige Sandsteindom der Genovevahöhle. Archäologen haben hier bis zu 30 000 Jahre alte menschliche Siedlungsspuren nachgewiesen – der Name der Höhle steht jedoch mit einer weit jüngeren Begebenheit in Verbindung. Einst soll hier die wegen angeblicher Untreue verstoßene Pfalzgräfin Genoveva Unterschlupf gefunden haben. Ganze sieben Jahre lang, bis ihr Ehemann von ihrer Unschuld erfuhr und sie erlöste. Ich bleibe jedoch nicht so lange, denn ich will noch vor Einbruch der Dunkelheit den Ort Kordel erreichen.

Einst ein Vulkan, heute ein Badesee. | Foto: Björn Nehrhoff von Holderberg
Einst ein Vulkan, heute ein Badesee. | Foto: Björn Nehrhoff von Holderberg

Kurz vor dem Ziel reihen sich die Wasserfälle des Butzerbachtals wie Orgelpfeifen hintereinander am Wegesrand auf. Inmitten dieser Waldidylle wirken die plätschernden Silberstreifen wie Vorhänge, hinter denen sich eine Zauberwelt verbergen mag. Welche Naturschauspiele sich bereits auf der ersten Etappe des Steigs offenbaren! Aber sie sind auch ein bisschen erarbeitet: In Kordel stecken mir immerhin 600 Höhenmeter in den Beinen. Da hat man sich das Einkehren in einer zünftigen Wirtschaft redlich verdient.

In den nächsten Tagen verschwindet der Steig mitunter tief im Wald, wo ich meckernden Eichelhähern begegne, scheue Rehe beobachte und einen Bussard beim Rupfen seiner Beute ertappe. Immer wieder komme ich an herrschaftlichen Bauwerken vorbei, in denen sogar übernachtet werden kann. Mittelalterlich geht es hinter den dicken Mauern und eleganten Türmen der Wehranlage der Burg Bruch zu. interessant ist auch eine Pause im Kloster Himmerod. Wer mag, kann hier mit den Mönchen essen und beten oder einfach den Hauch der Geschichte hinter den Klostermauern spüren.

Weites Land wie in Skandinavien

Oft folgt der Weg Bach- und Flusstälern, wo umgestürzte und von Moos bewachsene Bäume in den Wasserlauf ragen, nur um ein paar Kilometer weiter eine Anhöhe zu erklimmen und Fernblicke in eine Natur zu gewähren, wie man sie in dieser Weite eher in Skandinavien vermuten würde. In so einem ständigem Auf und Ab geht es an der Lieser entlang, bis ich irgendwann die spektakulären Doppelburgen von Manderscheid erreiche, die von prunkvollen Siegen, aber auch von schmachvollen Niederlagen der ehemaligen Bewohner künden.

Hinter Daun wartet schließlich das Land der Vulkane. Überall erheben sich Krater ehemaliger Vulkanausbrüche. Der letzte ereignete sich allerdings bereits vor 11 000 Jahren. Die einst Feuer speienden Krater haben sich im Laufe der Zeit mit Wasser gefüllt und werden Maare genannt. Doch unter ihren tiefblauen Oberflächen lauert es immer noch: Irgendwann werden die Vulkane wieder ausbrechen, da sind sich die Wissenschaftler einig. Bis dahin darf jedoch gebadet werden.

Kurz vor meinem Ziel Gerolstein erklimmt der Eifelsteig den 647 Meter hohen Nerother Kopf. Oben angekommen werde ich wieder einmal belohnt mit einem weiten Blick über eine vielgestaltige Mittelgebirgslandschaft mit Blumenwiesen, Feldern und Wäldern. In der Ferne türmen sich dunkle Wolkenbänke und kurz vor Gerolstein erwischt mich ein heftiger Regenguss. Immerhin wäscht er die Wanderstiefel gleich sauber. Ich nehme mir vor, bald die übrigen 180 Kilometer des Steigs zu gehen – schließlich warten noch der Nationalpark Eifel, das Hohe Venn und in Aachen das Grab von Karl dem Großen.

 

4-Seasons Info

Große Natur, große Kultur

Eifelsteig, Karte Auf 313 Kilometer Länge bietet der Eifelsteig äußerst abwechslungsreiches Wandern. Wem das nicht genug ist: An den Steig docken zahlreiche Partnerwege an.

 

  • Allgemein
    Der Eifelsteig ist in 15 Tagesetappen mit Längen zwischen 14 und 25 km unterteilt. Die meisten Wanderer starten in Aachen und bewegen sich von Nord nach Süd. Der Weg ist aber in beide Richtungen sehr gut ausgeschildert.
  • Übernachten
    Die Übernachtungsmöglichkeiten reichen von Campingplätzen bis zu Fünf-Sterne-Hotels. Viele Häuser arbeiten im Verbund und transportieren das Gepäck für Individualwanderer. Am Eifelsteig und seinen Partnerwegen haben sich Gastgeber zusammengeschlossen, die sich Wanderern in besonderer Weise verpflichtet fühlen. Eine Übersicht der Gastgeber findet man unter www.eifelsteig.de. Pauschalangebote sind über die Eifel Tourismus GmbH buchbar.
  • Infos und Karten
    Karten über den Steig bietet etwa der Eifelverein an, www.eifelverein.de. Infos zum Wanderweg und über die Region gibt es bei der Eifel Tourismus GmbH, www.eifel.info, Tel. 06551/965 60, auf der Internetseite www.eifelsteig.de und bei Rheinland-Pfalz Tourismus, Tel. 0261/915 200, www.wanderwunder.info.
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