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Pro Shell – Die GOREvolution

Foto: Gore-Tex
Das Bessere ist der Feind des Guten – sogar bei Gore-Tex. Auf die ungemein erfolgreiche XCR-Membran folgt eine neue Generation, die noch komfortabler, robuster und leichter sein will: Gore-Tex Pro Shell. Schon im Herbst kommen die ersten Jacken in die Läden. 4-Seasons wollte wissen, wie die neue Produktklasse funktioniert.
Vollausstattung für harte Trips: die Axon Pro von Millet. | Foto: Millet
Vollausstattung für harte Trips: die Axon Pro von Millet. | Foto: Millet

Dass die Messlatte so hoch liegt, daran ist W. L. Gore selbst schuld. Seit Jahrzehnten ist Gore-Tex erste Wahl gegen Schweiß und Regenwasser. Marktführer Gore ruhte jedoch nicht, sondern entwickelte die Membran-Familie immer weiter und kontrollierte streng die korrekte Weiterverarbeitung durch die besten Hersteller der Sportbranche. In den letzten Jahren stand besonders Gore-Tex XCR (»eXtended Comfort Range«) für die Referenzklasse der Outdoorbekleidung.

Wenn man nun ein derart bewährtes und bekanntes Material wie XCR durch eine neue Produktklasse ersetzt, dürfte es dafür nur einen Grund geben: die Gewissheit, dass das Nachfolgeprodukt deutlich mehr kann und die Kunden überzeugen wird. Was also bietet Gore-Tex Pro Shell, das neue Flaggschiff? Werfen wir einen Blick in die Welt der Funktionstextilien – keine Panik, das ist spannender, als es klingt ;-)

 

 

 

Funktion von innen: das Micro Grid-Futter

Dampf ablassen: Die neuen Pro Shells »atmen« erstklassig. | Foto: W. L. Gore
Dampf ablassen: Die neuen Pro Shells »atmen« erstklassig. | Foto: W. L. Gore

Ein Funktionslaminat besteht aus einem Verbund von Außenstoff, Membran und Futter. Für die neue Generation setzte Gore beim Innenmaterial an: Bislang musste als Futter aus technischen Gründen Trikot-Stoff verwendet werden, also ein gestricktes Material. Gegenüber gewebten Stoffen hat Strick entscheidende Nachteile: Die Schlingenkonstruktion ist voluminöser, schwerer, weniger stabil – und behindert zudem den optimalen Wasserdampfdurchgang. Für die Lamination (die Verbindung der Lagen) braucht man wegen der Dreidimensionalität des Stricks mehr Bindemittel, um das Futter an der Membran zu fixieren. Und will man ein Gestrick leichter machen, geht das sofort auf Kosten der Robustheit. Ein gestricktes Futter stößt also an natürliche Grenzen.

Bei Webstoffen hingegen bieten moderne Fasern mittlerweile bahnbrechende Möglichkeiten für extrem leichte, aber dennoch sehr robuste Stöffchen. Bei den neuen Pro Shells hat Gore das bisherige Trikot-Innenfutter durch ein hauchfeines Polyamid-Gewebe ersetzt: den »Micro Grid Backer«. Micro Grid wird mit minimalem Materialeinsatz auf eine Gore-Hochleistungsmembran laminiert. Als Außenmaterial für Pro Shells steht eine große Bandbreite der besten und robustesten Gewebe bereit, die die moderne Textilindustrie zu bieten hat.

Offenbarung für Ausrüstungsfreaks

Preisgekrönt: Haglöfs holte mit dem Spitz Q Jacket den ISPO Outdoor Award 2007. | Foto: Haglöfs
Preisgekrönt: Haglöfs holte mit dem Spitz Q Jacket den ISPO Outdoor Award 2007. | Foto: Haglöfs

Neben den konstruktionsbedingten Vorteilen gewebter Ware verbucht das Micro Grid-Futter weitere Pluspunkte: Der Kunde darf sich auf eine höhere Lebensdauer der Bekleidung freuen, weil das robustere Futter typische Stresspunkte (z. B. unterm Rucksackgurt) entlastet. Ästheten begrüßen das dezente Dunkelgrau des Futters – Kragen und Ärmel werden weniger schnell »speckig«. Zudem erleichtert die glatte Oberfläche das Überstreifen.

Eine echte Offenbarung ist Micro Grid für grammzählende Ausrüstungsfreaks: Dank des dünnen Futters kommen Gore-Tex Pro Shells mit einer minimalen Nahtzugabe (der feine Stoffstreifen, der bei der Naht übersteht) aus, manche Hersteller arbeiten mit sagenhaften 1,6 mm. Die Tapes zur Versiegelung der Nähte sind in der Regel nur 13 mm schmal, bei Gewichtswundern wie der Arc’teryx Alpha LT Jacke (360 Gramm) sogar nur 8 mm.

Auch wer sich weniger für technische Features begeistert, profitiert von Gore-Tex Pro Shell: Künftig ist Funktionsbekleidung nicht nur leichter und robuster, sondern auch wesentlich weicher, besser packbar und sogar schicker – sie kommt fast ohne sichtbare Nähte aus.

 

Geschmeidigkeit statt Pappkarton

Für Gipfel, Treks und Powder: Exum von Marmot. | Foto: Marmot
Für Gipfel, Treks und Powder: Exum von Marmot. | Foto: Marmot

Die erstaunliche Gewichtsersparnis durch Micro Grid und schmale Tapes wurde von Gore – zumindest teilweise – »reinvestiert«: nämlich in die Außenmaterialien. Manch alter Outdoor-Hase wird sich noch an die ersten Drei-Lagen-Jacken erinnern: unkaputtbar, aber teilweise steif wie Pappkarton. Das führte dazu, dass man leichtere Außenstoffe verarbeitete, die allerdings auch empfindlicher waren. Für die neuen Gore-Tex Pro Shells können auch schwere Qualitäten verwendet werden, weil das Micro Grid-Futter genug Geschmeidigkeit mitbringt und so der »Pappkarton-Effekt« verhindert wird.
Unterm Strich sind Gore-Tex Pro Shells dennoch leichter als die Vorgänger aus XCR: Im Schnitt bringen sie 10 % weniger Gewicht auf die Waage. Diese Quadratur des Kreises – mehr Stabilität bei weniger Gewicht – macht etwa die Axon Pro von Millet vor: Hardcore-Qualität (Pro Shell Titanium, Verstärkungen aus Pro Shell Khumbu), Vollausstattung, wasserdichte Zipper – und das bei 658 Gramm Gesamtgewicht.

Bei der Atmungsaktivität, also der Fähigkeit, Schweiß in Form von Wasserdampf nach außen abzutransportieren, punktet Pro Shell ebenfalls: Die relevanten RET-Werte liegen zwischen 2,5 und 5,0 – und damit in der höchsten Bewertungsklasse mit dem Prädikat »extrem atmungsaktiv«. Der Widerstandsfähigkeit der neuen Pro Shell-Konstruktion ist es zu verdanken, dass die exzellenten Eigenschaften selbst nach vielen hundert Touren- und Waschmaschinen-Stunden nicht nachlassen.  

 

Die Hersteller sind beeindruckt

Wunderwaffe Pro Shell: die Alpha LT von Arc'teryx wiegt nur 360 Gramm. | Foto: Arc'teryx
Wunderwaffe Pro Shell: die Alpha LT von Arc'teryx wiegt nur 360 Gramm. | Foto: Arc'teryx

Wie so oft steckt hinter einem schlüssigen und überzeugenden Ergebnis verdammt viel Arbeit. Dazu Dan Cauthorn von W. L. Gore: »Es ist komplexer, als es auf den ersten Blick aussieht, ein gesamtes System auf neue Komponenten umzustellen wie bei den Pro Shell Produkten. Die richtige Balance von Leichtigkeit und Robustheit hat unsere Textiltechniker lange beschäftigt. Micro Grid bietet so viele neue Möglichkeiten, dass man hier schnell die Linie verlieren kann. Wir arbeiteten eng mit unseren Konfektionären zusammen, um Produktionsprobleme zu vermeiden. Aber der Zeit- und Arbeitsaufwand zahlt sich aus: Pro Shells bilden eine völlig neue Kategorie für anspruchsvolle Anwender im Sport.«

Besagte Konfektionäre, also die Outdoor-Hersteller, die aus Pro Shell Bekleidung machen, sind die eigentlichen Kunden von W. L. Gore. Wenn sie von einem Material nicht überzeugt sind, kaufen sie es nicht. Doch die Profis zeigen sich beeindruckt: Mike Blenkarn, Produktentwickler bei Arc’teryx und einer der kritischsten Köpfe der Branche: »Für mich war die Einführung von Gore-Tex XCR vor einigen Jahren der größte Meilenstein in meinen 35 Jahren als Entwickler. Jetzt bin ich wirklich erstaunt, was die neuen Futterstoffe leisten. Wir können mit entsprechenden Oberstoffen extrem leichte Jacken, aber auch super-robuste bauen – die trotzdem rund 10 % leichter sind als ihre Vorgänger aus XCR. Gore ist mit den Pro Shells noch einmal massiv weitergekommen.«

Bildergalerie: Gore-Tex Produkte im Überblick

Apropos XCR: Bei Gore-Tex Schuhen und Handschuhen ist die bewährte XCR-Technologie noch ohne Alternative und bleibt Outdoorern und Sportlern erhalten. Und für alle, die in der großen Gore-Tex-Familie zuletzt etwas die Übersicht verloren haben, ordnet die Company ihre Materialien neu ein (siehe unten). Gore-Tex Pro Shell Bekleidung kommt zur Herbst/Winter-saison 2007 auf den Markt; Globetrotter Ausrüstung hat bereits High-End-Jacken von Marmot, Haglöfs, Millet und Arc’teryx im Sortiment. Die GOREvolution hat begonnen.

 

4-Seasons Info
 

Kraftfutter: Gore-Tex Pro Shell im Prüflabor

 

»Guaranteed to keep you dry« steht auf jedem Gore-Tex-Produkt. Mit aufwändigen Prüfverfahren sorgt die Firma dafür, dass dieses Versprechen auch gehalten wird. Die Hardcore-Tests in den hauseigenen Labors zeigen sehr deutlich die Vorzüge von Micro Grid gegenüber dem früheren Futter.

 
Pflichttest: Sturmtief im Regenturm
Pflichttest: Sturmtief im Regenturm

Nass: der Regenturm
Im berühmt-berüchtigten Gore-Regenturm im bayerischen Feldkirchen müssen alle Gore-Tex Pro Shell-Laminate eine intensive Sturmsimulation mit Regen von oben und horizontalem Wasserbeschuss überstehen. Dabei darf keine Feuchtigkeit ins Innere dringen.

 
 
 
Deutlich zu erkennen: schmale Nahtbänder und mehr Geschmeidigkeit beim neuen Micro Grid (rechts). | Foto: W. L. Gore
Deutlich zu erkennen: schmale Nahtbänder und mehr Geschmeidigkeit beim neuen Micro Grid (rechts). | Foto: W. L. Gore

Heftig: der Nass-Knicktest
Hier wird das Material in festgelegten Zyklen ununterbrochen im Wasser geknickt und gescheuert. Nach jedem Zyklus wird die Wasserdichtigkeit geprüft. Damit bekommt man einen Anhaltspunkt, wie lange das Material im tatsächlichen Gebrauch wasserdicht bleibt. Alle Gore-Tex Laminate sind auch nach 500 Stunden dieser Dauerbelastung noch dicht.

 

 

Abrieb? Nein danke! Wenn das alte Futter (rechts) beim Martindale-Test kapituliert, sieht Micro Grid noch aus wie neu. | Foto: W. L. Gore
Abrieb? Nein danke! Wenn das alte Futter (rechts) beim Martindale-Test kapituliert, sieht Micro Grid noch aus wie neu. | Foto: W. L. Gore

Gemein: Martindale-Test
Um die Abriebfestigkeit zu testen, wird das Material beim Martindale-Test unter erheblichem Druck immer wieder gegen verschiedene Materialien gerieben. Hier erweist sich Gore-Tex Pro Shell als extrem haltbar: Die Außenseite überlebt mehr als 20.000 Scheuerzyklen, die Innenseite mit der neuen Gore Micro Grid Futter-Technologie 10.000 Zyklen. Sogar den gefürchteten Abriebtest gegen Velcro (Klettverschluss-Material) meistert sie ohne Blessuren.
 

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