Nordisk by nature
Ort: Quickborn, Firmenlogo: Eisbär, Chef: Helge Bollerslev. Das klingt nach der norddeutschen Filiale eines skandinavischen Herstellers für warme Daunendecken. Doch in der offiziellen Firmierung »Nordisk Freizeit Bollerslev GmbH« klingt schon durch: Nordisk bietet vor allem Produkte für freizeitbegeisterte Natursportler. Dazu gehören vor allem Zelte und Schlafsäcke, aber auch Rucksäcke, Kocher und ein großes Zubehör-Programm wie Packsäcke, Thermosflaschen oder Isomatten. Und Nordisk hat Erfolg: Allein im letzten Jahr konnte der Umsatz um 50 Prozent gesteigert werden – und das ohne Bekleidung im Produkt-Portfolio, dem Zugpferd der letzten Jahre in der Outdoorbranche.
»Von Freaks allein kann man nicht leben«
Doch wer sind die Kunden, die der Firma zu diesem Wachstum verhelfen? Eigentümer Helge Bollerslev nennt sie »Soft-Outdoorer« und meint damit Wanderer, Radler oder Paddler, die nicht den ultimativen Kick suchen, sondern die Natur genießen wollen. »Und für die bieten wir Produkte mit einem realen Preis-Leistungs-Verhältnis. Man muss sich nur in den großen Outdoor-Shops umsehen: Neben teurem Hightech findet man immer mehr preiswerte Produkte, denn nur so erreicht man jene, die zum ersten Mal Outdoor-Ausrüstung kaufen. Von Freaks alleine kann man nicht leben.« Und so werden zum Beispiel 3-Personen-Tunnelzelte für 120 Euro oder Kunstfaserschlafsäcke für 75 Euro angeboten. Trotzdem wurmt es die Firma, dass so mancher Kunde nur auf den Preis der Produkte schaut und sogleich einen Billigimporteur vermutet, nach dem Motto: »Bei dem Preis kann es ja nichts Gutes sein«. Denn Bollerslev legt Wert darauf, dass man keine Billigmarke ist – im Gegenteil: »Wir wollen nicht billig sein, sondern Qualität preisbewusst gestalten«. So hat man zum Beispiel im Test von Komfort-Schlafsäcken im outdoor-Magazin mit dem »Fiber Space 185« den begehrten Stempel »Kauftipp« erhalten. Und der Benzin-Kocher »Nova« vom schwedischen Hersteller Optimus, dessen Produkte man schon seit Jahren importiert, erhielt den begehrten »Editors Choice Award« des amerikanischen Magazins Backpacker. Auf solche Auszeichnungen ist man ein Stück weit stolz, zeigt es doch, dass man den direkten Vergleich mit namhaften Herstellern nicht scheuen muss.
Dabei gibt es die Produkte unter dem Nordisk-Eisbär-Label erst seit 1991. Aber Nordisk hat zwei Trümpfe: eine große Tradition und einen gewieften Kaufmann, den Dänen Helge Bollerslev.
»Nordisk-Chef an Mitarbeiter: Helge, ich brauche dich«
Der Reihe nach: 1901 wurde in Kopenhagen die »Nordisk Fjer« gegründet, eine Firma, die sich auf Daunenprodukte spezialisierte. In den sechziger Jahren entstand daraus die »Nordisk Freizeit GmbH«. Es dauerte weitere zehn Jahre, bis Helge Bollerslev zur Firma kam. Der gelernte Diplom-Kaufmann arbeitete zunächst in der Oberbekleidungsbranche, machte unter anderem in Herren-Sakkos und Damen-Mänteln und zog für seinen Arbeitgeber nach Quickborn. Hauptlieferant war die »Nordisk Textil-Weberei«, eine Untergruppe von Nordisk Fjer. Damals gehörte auch die schwedische Marke Caravan zu Nordisk, und die war stark im Kommen. Der damalige Direktor sagte eines Tages: »Helge, ich brauche dich.« Bollerslev zögerte, denn einen großen Nachteil gab es: Caravan saß in Seevetal, Bollerslev in Quickborn – »und da liegen ja Welten dazwischen« – genauer gesagt: 50 Kilometer weiter gen Süden, was für den Dänen 50 Kilometer mehr Entfernung zu seiner Heimat bedeutete.
Doch des Direktors Wunsch wurde erfüllt, Helge stieg bei Caravan ein und führte die Marke zu großen Erfolgen. Zusammen mit Fjällräven rollte Caravan damals den Markt auf. Das »Keb«-Zelt oder der »Navarak«-Schlafsack wurden Inbegriffe skandinavischer Outdoorkunst. Doch als gelernter Kaufmann ahnte Bollerslev schon damals, dass teuren High-End-Produkten wie jenen von Caravan nicht die Zukunft gehört. Anfang der neunziger Jahre wurde Caravan schließlich an Ajungilak verkauft, Bollerslev machte sich anschließend mit »Kugler Wildlife« einen Namen: Top-Schlafsäcke, in Deutschland produziert. Doch die Fertigungskosten waren zu hoch. 1991 schlug dann seine Stunde: Er übernahm die Firma Nordisk Freizeit.
»Da sollten Barcodes drauf sein, waren aber keine«
Mittlerweile beschäftigt er gut zehn »super Mitarbeiter«, wie er sie nennt – ein kleines Team, flexibel, locker, und mit Spaß und Energie bei der Sache. Letzteres brauchen sie mitunter, wie zum Beispiel vor drei Jahren: Ein dänischer Kunde bestellte 17.000 Rucksäcke. Die Lieferung ging direkt aus der chinesischen Produktionsstätte nach Dänemark. Bollerslev: »Natürlich muss da immer ein Barcode drauf sein. War aber keiner.« Also produzierte man schnell 17.000 Barcodes und fuhr mit dem gesamtem Team nach Dänemark. Zwei Tage und Nächte wurde geschuftet, jede einzelne Kiste ausgepackt, Barcode drauf und wieder zu.
Auch sonst wird Teamwork groß geschrieben. Mindestens die Hälfte der Mitarbeiter arbeitet ständig an der Produktentwicklung. Die Ideen kommen dabei aus den verschiedensten Quellen: Die meisten Mitarbeiter sind selbst aktive Outdoorer; paddeln, segeln, angeln oder biken. Händler und gesponserte Sportler geben Anregungen, und auch Kommentare von Endverbrauchern fließen in die Produktpolitik ein. Neben Schlafsäcken gehören heute vor allem Zelte zu den tragenden Säulen. Die Verkaufsrenner sind das »Tunnel III«-Zelt und die »Economy«-Schlafsack-Linie, die – der Name deutet es an – mit attraktiven Preisen lockt. In der Sprache der Kaufleute nennt man so etwas »Anfangspreislage« – wohl gemerkt bei Qualitätsausrüstung. Denn schaut man sich die Kollektion näher an, dann wird ersichtlich, dass Nordisk auch bei der Auswahl der Materialien auf Qualität setzt: Bei Daunenschlafsäcken reicht diese bis zu 93/7er Gänsedaune mit einer Fillpower von über 650 cuin, Kunstfasersäcke werden mit Polarguard 3D oder Thermolite Extreme gefüllt, bei Rucksäcken kommt DuPont Cordura zum Einsatz – alles Materialien, die auch die vermeintliche Hightech-Konkurrenz verarbeitet, allerdings zu anderen Preisen anbietet. Aber es gibt im Sortiment eben auch die einfacheren Varianten. Da kostet dann ein Camping-Zelt nur 40 Euro oder ein großer Trekkingrucksack schlappe 80 Euro.
»Sind wir vielleicht zu günstig«
So sind die Preise der Nordisk-Produkte Fluch und Segen zugleich: Fluch, weil viele Kunden bei solchen Preisen auf den ersten Blick einen Ramschladen vermuten, Segen, »weil Händler die höheren Preise vieler anderer Marken gar nicht argumentieren können«, schmunzelt Geschäftsführer Werner Blömer.
Nach den Gründen befragt, wie es Nordisk schafft, die Preise so niedrig zu halten, muss Blömer weit ausholen – und doch sprudeln nur Stichworte hervor: kleines Team, geringe Kosten, hoher Einsatz der Mitarbeiter, langjährige, zum Teil freundschaftliche Verbindungen zu den Produzenten, Flexibilität, Kreativität, konsequentes Ausmisten von nicht rentablen Produkten – und natürlich die schiere Menge: Nordisk produziert mittlerweile über 300.000 Schlafsäcke im Jahr. Bei solchen Dimensionen kann man auch bei Markenlieferanten die Preise ordentlich drücken, »wenngleich wir vielleicht unsere Produkte zu günstig anbieten«, gibt Helge Bollerslev zu bedenken.
Das schnelle Wachstum war ohne Globetrotter Ausrüstung nicht denkbar. »Wir brauchten von Anfang an einen starken Partner«. Zum einen sind die Mitarbeiter von Globetrotter stark in die Produktentwicklung der Nordisk-Palette einbezogen, zum anderen fertigt Nordisk mittlerweile die Schlafsäcke der Globetrotter-Hausmarke »Four Seasons«, und aus den geschäftlichen Kontakten sind schnell Freundschaften entstanden.
Deutschlandweit findet man Nordisk-Produkte in gut 300 Läden. Dazu gehören Outdoor- und Sporthändler, Camping-, Bike- und Motorrad-Geschäfte wie der größte Motorradzubehör-Händler Detlev Louis. Vertrieben werden die Produkte auch in Skandinavien, Kanada und Ungarn. »Und wir hoffen, dass in Zukunft weitere Kunden unsere Leistung zu schätzen wissen und in Anspruch nehmen«, blickt Werner Blömer optimistisch nach vorne.
Zu den neuesten Entwicklungen gehört das Multitalent »Six-Pack«, eine Mischung aus Doppelschlafsack, Reisedecke und Mumienschlafsack, die genau jene freizeithungrigen Kunden anspricht, von denen Nordisk sich auch in Zukunft Erfolge verspricht, die »Soft-Outdoorer« eben. Und doch wandelt man immer auf dem Grat zwischen Billiganbieter für die einen und preiswertem Qualitätshersteller für die anderen. Dieses Jahr stattet man gar als Haupt-sponsor eine ganze Himalaja-Expedition aus – »das sind sicher nicht die Kunden, von denen wir zukünftig großes Wachstum erwarten, aber es zeigt doch, dass einige davon großes Vertrauen in die Qualität und Funktionalität unserer Produkte stecken.« Und das ist Nordisk mindestens so wichtig wie günstige Preise.
4-Seasons Info
Die Nordisk-Mitarbeiter
... und was können wir für Sie tun?

1. Helge Bollerslev, Eigentümer. Schon lange in der Branche, allseits bekannt, meistens geschätzt, von manchen gefürchtet (eher selten). Ehrlicher, zuverlässiger und geschickter Kaufmann.
2. Sascha Dieball, Prokurist und Einkäufer. Jung, kreativ, offen für Neues mit sehr guten Kontakten und Gespür fürs Machbare.
3. Kai Harms, Einkäufer, junger Familienvater, Fußballer und perfekter Teamplayer, ideenreich mit Praxisbezug.
4. René Kuhns, Verkauf. Angesehen bei seinen Kunden eher als Freund denn als Verkäufer, baut stetig seinen Umsatz erfolgreich aus, bei bestehenden wie bei neu gewonnenen Kunden.
5. Elisabeth Höppner, die gute Seele der Firma. Kümmert sich um alles und genießt bei den Kunden einen enorm guten Ruf. Der Beweis, wie wichtig Freundlichkeit und Verbindlichkeit auch am Telefon ist. Morgens die Erste und abends meistens die Letzte.
6. Sabine Jacobi, Buchhaltung. Macht uns Reisenden öfter mal das Leben schwer, von wegen Abrechnungen, Belege, Steuern und so.
7. Jan Braemer, Lager. Unser »Neuer«, findet sich bereits gut zurecht und sorgt für Kundenzufriedenheit, indem Lieferungen schnell und zuverlässig erledigt werden.
8. Dieter Winkler, Chef des Lagers, Nordisk-Urgestein sorgt mit Ruhe und Umsicht für einen reibungslosen Ablauf in seinem Reich. Spezialist für Kocher-Reparaturen und daher Pyromane von Berufs wegen.
9. Werner Blömer, Geschäftsführer. Ehemals bei Ajungilak, versteht einiges von Schlafsäcken, Rucksäcken und Bekleidung. Erbsenzähler, wenn es um Qualität, Service und Kunden geht. Wird meistens dann sauer, wenn sich mal wieder ein Kunde nicht zu seinem Glück zwingen lässt.
15. Januar 2002, Text: Jürgen Kurapkat












