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Naturfotograf Michael Poliza: »Regeln muss man auch mal brechen ...«

Süße Tierbabys sind erlaubt (Seeelephant, South Georgia). | Foto: Michael Poliza
Vor sechs Jahren erschien der Bildband »Africa« – und katapultierte einen Hamburger Geschäftsmann über Nacht in die Champions League der Naturfotografen. Ein erstaunlicher Auftritt. Aber auch nicht erstaunlicher als die anderen Stationen im Leben des Michael Poliza.

4-Seasons: Michael, im Jahr 2006 sorgte dein erster Bildband »Africa« für ungläubiges Staunen, am allermeisten bei den renommierten Naturfotografen. Keiner kannte dich. Man tuschelte von einem Schauspieler, Weltumsegler und Computer-Millionär, der jetzt auf Wildnisfotograf macht – und irritierenderweise tatsächlich Weltklassebilder abliefert …

Michael Poliza (lacht): Da wurde einiges durcheinandergeworfen. Richti­g ist: Ich habe in jungen Jahren geschauspielert und war danach in der Compute­rbranche ziemlich erfolgreich – bis ich das Business hinwarf. Dann segelte ich drei Jahre um die Welt und landete schließlich in Südafrika, wo ich sieben Jahre blieb – ohne finanzielle Reserven übrigens. In dieser Zeit entstanden die Fotos für »Africa«. Als der Bildband erschien, war ich schon lange kein Schauspieler oder Millionär mehr.

 
»Abends konnte ich die Fotos des Tages anschauen und es am nächste­n Morgen besser mache­n. So war meine Lernkurve relativ steil.« | Foto: Michael Poliza

Aber du bist tatsächlich mal ein Kinderstar gewesen?

Meine Eltern hatten in Hamburg ein Restaurant mit Barbetrieb, ganz in der Nähe der Fernsehstudios. Unter den Gästen waren viele Aufnahmeleiter, Produzenten und Regisseure. Einer von denen war scharf auf meine Schweste­r und meinte wohl, der Weg zur Schwester führe über den Bruder – jedenfalls bot er mir eine Komparsenrolle an. Ich war damals zehn oder elf Jahre alt und bin dann in das System reingerutscht. Insgesamt habe ich in fast 80 Produktionen mitgewirkt. Mit 17 spielte ich meine letzte Rolle, den jungen Walter Kempowski in »Tadellöser & Wolff« – das war natürlich ein schöner Abschluss.

 

Warum beendet denn ein 17-Jähriger eine Filmkarriere?

Bis dahin lief das unter Spaß. Aber ich hatte nie die Ambition, wirklich Schauspieler werden zu wollen. Das ewige Warten und Klinkenputzen war nicht mein Ding, zudem ist bei den Erwachsenen-Rollen die Konkurrenz ungleic­h stärker. 1975 habe ich also freiwillig aufgehört – und diese Phase meines Lebens in schöner Erinnerung.

 

Und zehn Jahre später warst du dann Computer-Millionär?

Das war ebenfalls durch die Umstände begünstigt. Für Technik hatte ich mich schon länger interessiert und mir zum Beispiel von der Schauspielgage einen programmierbaren Taschenrechner gekauft – einen HP 55, damals das Nonplusultra. Den musste man in 1500 Schritten programmieren – und kaum hattest du ihn ausgemacht, waren alle Programmschritte auch schon wieder weg.

Flamingo-Flughafen am Turkana-See, Kenia. | Foto: Michael Poliza
Dann ging ich in die USA, erst ganz normal als Austauschschüler nach Texa­s, später dann als Informatik-Student nach Oklahoma. Zurück in Hambur­g konnte ich in ein Werkstudenten-Programm bei IBM einsteigen, für 6,34 Mark die Stunde. Dort habe ich an einem Softwareprogramm rumgebastelt und war offenbar schneller als die internen Entwickler. So wurde man auf mich aufmerksam. Die »Deutsche Grammophon« fragte, ob ich ein Programm für sie schreiben könnte. Mit viel Herzklopfen verlangte ich 50 Mark pro Stunde – sie schauten etwas mitleidig und boten mir 75 Mark. Für einen 19-Jährigen war das natürlich super. Der nächste Job bracht­e dann wieder nur zwei Mark die Stunde, weil ich mich bei der Zeitplanung ordentlich verrechnet hatte. Geld war bei mir aber nie die treibende Kraft, die Arbeit musste vor allem Spaß machen.

 

Und trotzdem wurdest du sehr erfolgreich, auch finanziell?

Nicht trotzdem, sondern deswegen! Mit dem Spaß kommt das Können, mit dem Können der Erfolg und mit dem Erfolg das Geld. Daran glaube ich bis heute. Ein paar Jahre lang bin ich auf dem Motorrad durch Hamburg gebraus­t, immer von Kunde zu Kunde. Ich fragte Freunde, ob sie nicht in meine Freelancer-Firma einsteigen wollten. Als ich Mitte 20 war, hatten wir schon 120 Leute. Der finanzielle Durchbruch kam dann mit den Heim­computern. IBM war ein Spezialist für Großrechner mit 27.000 Mitarbeitern – aber keiner von denen wusste, wie das mit diesen neuen PCs funktionierte. Ich kannte die Probleme und Strukturen bei IBM wirklich gut, also entwickelten wir ein Konzept, wie unsere Firma IBM helfen könnte. Wir bekamen tatsächlich den Vertrag – und berieten nach ein paar Monaten 25 von insgesamt 35 IBM-Großkunden. Parallel handelten wir auch mit Computer­teilen, starteten die ersten Abholmärkte und so weiter …

 

Bildergalerie: KENYA - Streifzug durch Michael Polizas neuen Bildband

 

Und du bist mit Bill Gates und Co. herumgejettet …  

In den 80er-Jahren war die Computerbranche weit weniger schick als heut­e. Bill Gates kannten nur Insider. Er kam – in der Economy Class – und knüpfte für Microsoft Kontakte, so lernte ich ihn kennen. Einmal bekamen wir zur Münchner Computermesse »Systems« keine Hotelzimmer mehr und übernachteten in einer bayerischen Pension im Doppelzimmer. Auf dem Weg zur Messe habe ich ihm noch die Schuppen vom Jackett gewischt …

 

So idyllisch war das Business vermutlich nicht immer?

Richtig. Viel Hektik, viel Zeitdruck. Wir arbeiteten oft bis in die Nacht, sind dann in eine Kneipe – und arbeiteten dort weiter. Schnell für ein Meeting nach San Francisco fliegen, das wurde irgendwann normal. Ich war gerade 26 Jahre alt und musste mit Millionen jonglieren. Meine Mitarbeiter saßen in Boston, München und Hannover. Es begann mich zu belasten. Irgendwann kam ein sehr lukratives Angebot und ich verkaufte meine Anteile …

 
Afrika à la Poliza: Der wahre König der Löwen. | Foto: Michael Poliza

… und wurdest Naturfotograf?

Nein, ich arbeitete weiter! Mit Achim Flebbe gründete ich die Kinokette Cinemax­x. Dann wollte ich mir beweisen, dass die IBM-Geschichte nicht nur Glück gewesen war – und gründete noch mal eine IT-Firma. Angefangen haben wir als Großhandel im PC- und Mac-Bereich, dann kamen ein Software-Publisher und eine Internetfirma dazu, die zum Beispiel die erste Lufthansa-Webseite entworfen hat. Dann noch eine SAP-Beratungsfirma … Als ich 31 war, wollte ich meine Freundin beeindrucken und bin mit ihr sechs Wochen um die Welt geflogen, alles First Class. Irgendwann gestand sie mir, dass sie viel lieber mit mir zum Zelten gegangen wäre. Da habe ich dann ein bisschen doof geschaut – aber die Nachricht durchaus begriffen.

 

Was war die Nachricht?

Die Frage, ob mich diese Art von Leben nachhaltig glücklich macht. Nach langem Nachdenken musste ich mit »Nein« antworten. Nur weil ich etwas kann, muss es mich nicht glücklich machen. Der enorme Leistungsdruck hatte mir zugesetzt und ich wollte eigentlich viel lieber wieder losziehen und die Welt erkunden.

 
König der Büffel? Drei Karminspinte tun zumindest so. | Foto: Michael Poliza

Den Job hinschmeißen und reisen – davon träumen viele, aber die wenigsten trauen sich. Was hast du getan?

Erst kam so eine Art Zwischenlösung. Ich zog mich weitgehend aus dem Unternehmen zurück und delegierte viel. Dann holte ich meine Kameras raus – Fotografieren und Filmen waren bis dahin nur Hobby – und fuhr nach Australien, um Walhaie zu sehen. Ich hatte von Rodney Fox gehört, einem Hai-Experten, der Touren anbot. Sein Boot war voll, aber mit einer gewissen Hartnäckigkeit ergatterte ich einen Schlafplatz auf dem Schiffsboden. Ich besorgte also Unterwasser-Equipment und filmte einfach drauflos. Zuhause konnte ich das Material sofort an VOX verkaufen: »Sanfte Riesen. Walhaie vor der Küste Australiens«. Ich war begeistert – das ging ja ganz einfach! Natürlich erwies sich das später als Trugschluss, die Walhaie waren ein kommerzieller Glückstreffer gewesen.

 

Also doch keine Doppelkarriere als tierfilmender Businessman?

Ein paar Jahre lief das parallel. Neun Monate im Jahr war ich in Hamburg, drei Monate auf Reisen, zum Beispiel im Hochland von Papua-Neuguinea. Ich pflegte Hobbys wie Tauchen und Wandern. Aber es wurde immer klarer, dass das nicht genügte. 1996 entschloss ich mich, alles zu verkaufen, mir ein Schiff zuzulegen und aufzubrechen.

 

Mehr Videos aus der Reihe »South Africa« unter www.4-seasons.tv/michael_poliza

Das ist sicher toll, mit prallem Konto einen Dauerurlaub zu planen …

… dachte ich auch. Leider hatte ich mein Geld in Aktien angelegt, die in den Keller rauschten. Jeden Tag wurde mein Traumschiff 30 Zentimeter kürzer. Irgendwann war es dann zu kurz. Aufgeben wollte ich aber nicht, also habe ich den Dauerurlaub umgeplant in ein richtiges Projekt, mit Medien, Sponsore­n und allem Pipapo. Das Konzept dieser »Starship Millennium Voyag­e«: Ein Boot erkundet drei Jahre lang die versteckten Paradiese der Erde und berichtet – dank neuester Technik – live.

 
König der Breitmaulnashörner? Wird gerade geklärt. | Foto: Michael Poliza

Und das hat funktioniert?

Irgendwie hab ich einen guten Moment erwischt. Als Erstes nahm ich das Magazin »Stern« als Medienpartner an Bord, dann gewann ich Microsoft, Telekom, Sony, Olympus, WWF, Deutsche Luft- und Raumfahrt und noch ein paar als Sponsoren. Ich bekam so um die sechs Millionen Mark zusamme­n. Blöd war nur, dass ich dem »Stern« die Hälfte aller Sponsorengelder versprochen hatte. Die verdienten, ich zahlte am Schluss sogar drauf. Aber das war meine eigene Dummheit. Die Reise selbst war umso schöner: Wir besuchten wissenschaftliche Projekte und einsame Inseln. Wir durften mit dem eigenen Schiff durch die Galapagos-Inseln fahren. Und jeden Tag lieferte­n wir Berichte für die Website des »Stern«. Sozusagen einer der erste­n Blogs – auch wenn den Ausdruck damals keiner kannte.

 

Was ist aus dem Schiff geworden?

Nach der Rückkehr lag die »Starship« in Hamburg, aber ich konnte mir den Unterhalt nicht mehr leisten. Also habe ich sie verkauft – an den Hollywood-Schauspieler Gene Hackman. Wir sind zusammen noch ein bisschen durch die Bahamas geschippert. Vom Erlös habe ich mir ein Haus in Südafrika kaufen können, aber um meinen Lebensunterhalt musste ich mich selbst kümmer­n. Ich beschloss, es als Fotograf zu versuchen. Der »Stern« hatte eigen­e Fotografen auf die »Starship« geschickt, aber im Buch über die Tour waren 70 Prozent der Fotos von mir. Das hat alle überrascht, auch mich.

 
Humor ...

Naturfotografen sind in Südafrika nicht gerade Mangelware. Haben da Neulinge überhaupt eine Chance?

Es ging mir nicht darum, reich zu werden. Das schaffen nur ganz wenige – und die kommen definitiv nicht aus dem Computerbereich. So was macht sich in einer Fotografen-Vita gar nicht gut. Aber ich lernte in Kapstadt Leute aus der Safari-Branche kennen, die mich ermunterten. Einem gehörten divers­e Camps in Namibia, Botswana, Zimbabwe, Malawi und Südafrika. Er sagte, ich könne so oft ich wolle kommen – und sollte halt ab und zu eine Foto-CD schicken. Das war ein super Deal für beide Seiten. In den ersten Jahren wurden meine Bilder hauptsächlich innerhalb Südafrikas benutzt, in der internationalen Fotografenszene kannte mich kein Mensch.

 
... Mut ...

Und dann kam dein Bildband »Africa«, über den alle staunten …

Dem renommierten deutschen Verlag teNeues legte ich eine dicke Mappe vor – und die waren begeistert! Meine Bedingungen – großes Buch, viele Bilder, wenig Text – wurden akzeptiert. Überraschenderweise lief »Africa« dann auch international sehr gut. Die »New York Times« hat wunderbar darüber berichtet, auch in Buenos Aires und Sydney wurden Lobeshymnen geschrieben. Das hat mich sehr ermutigt.

 
... Tod - Michael Polizas Bilder zeigen alles. | Fotos: Michael Poliza

Was, würdest du sagen, unterscheidet deine Fotos von anderen?

Ein großer Vorteil für mich war die Digitalfotografie: Abends konnte ich die Bilder des Tages anschauen und es am nächsten Morgen gleich besser mache­n. So war meine Lernkurve relativ steil und ich entwickelte schnell eine­n eigenen Stil. Ich wollte die Natur nicht nur dokumentieren, sondern etwas künstlerischer interpretieren und wiedergeben. Manchmal geht es darum, Bewegungen eindrücklich zu treffen – ohne anzuschneiden, nur aus speziellen Blickwinkeln. Dann gibt es wieder die Momente, in denen man Regeln bricht. In der Tierfotografie sollen zum Beispiel immer die Augen zu sehen sein, am besten mit einem Funkeln. Ich wollte das Majestätische eines Löwen auch mal ohne Augen zeigen. Und zwischendurch darf gerne ein süßes Elefantenbaby dabei sein, für die Mädels, damit habe ich kein Problem.

 

Dann folgte dein Fotoprojekt »Eyes over Africa« – wieder mit nie gesehene­n Bildern, komplett aus dem Hubschrauber fotografiert. Wenn die Millionen weg waren, wie hast du das finanziert?

Auch so eine glückliche Fügung. Ich fotografierte im Auftrag von Freunden ein Luxusresort auf einer südafrikanischen Insel und sprang dort, weil Not am Mann war, als Hotelmanager ein. Einer der Gäste, ein sehr betuchter Schweizer, fragte mich dann, ob ich »der Poliza« von der Starship-Expedi­tion sei. Er hatte das Buch gelesen. Wir freundeten uns an und schließlich verriet er seinen lang gehegten Traum – eine Helikopterreise von seiner Heimat­stadt Ascona bis zum Krüger-Nationalpark. Und: Er lud mich dazu ein! Ich überredete ihn, diesen Trip von drei auf acht Wochen auszudehnen. Und so sind wir diese Strecke geflogen, es war wirklich wunderschön.

 

Kann man das noch steigern?

In dieser Form wohl nicht. Ich wollte auch nicht als reiner Afrika-Fotograf wahrgenommen werden, deshalb habe ich mir danach die Antarktis vor­genommen. Allerdings hatte ich Probleme, meine geplanten 180 Motive für das nächste Buch zu finden. Pinguine, Wale, Robben und Eisberge. Nach 100 Fotos wurde es sehr mühsam. Daher beschloss ich, auch die Arktis einzubeziehen. Polarfüchse, Eisbären, Karibus, Walrosse … die haben dem Buch sehr gutgetan. Ich finde es sehr wichtig, dass der Betrachter Lust hat, weiterzublättern.

 
Das blaue Leuchten (Antarktis). | Foto: Michael Poliza

Apropos Betrachter: Art Wolfe, der wohl bekannteste Naturfotograf der Welt, hat knapp 10.000 Facebook-Fans. Du hast über 40.000 Fans, die auch sehr rege kommunizieren. Wie kommt denn das?

Positives Feedback habe ich immer schon viel bekommen. Die typische Mail: »Hallo Herr Poliza, ich bin mal wieder zwei Stunden in Ihrem Bildband versunken und wollte nur Danke sagen.« Aber was da inzwischen bei Facebook abgeht, kann ich auch nicht erklären. Gestern habe ich Bilder hoch­geladen, innerhalb von 90 Sekunden kamen 35 Likes und 8 Kommentare. Und wenn ich in die Statistik schaue: Viele Postings kommen aus Deutschland, den USA und Südafrika – aber die allermeisten aus Kenia. Ich habe noch nie ein Buch in Kenia verkauft!

 
Acht Wochen im Helikopter für »Eyes over Africa«. Eigentlich unbezahlbar – aber Poliza hatte wieder mal Glück (Natronsee, Tansania). | Foto: Michael Poliza

Inzwischen bist du wieder in Hamburg heimisch?  

Seit drei Jahren. Ich bin geborener Hamburger und die jahrzehntealten Freundschaften hier haben schon eine besondere Qualität. Und ich habe eine Galerie in der Jarrestraße aufgebaut, ein toller Ort, um meine Bilder im ganz großen Format auszustellen. Außerdem bin ich in zehn Minuten drübe­n bei Globetrotter, Equipment gucken oder auf einen Schnack mit Semi­h Serbes. Aber keine Sorge, ich werde kein Stadtindianer. Sechs bis sieben Monate pro Jahr bin ich immer noch unterwegs.

 

 

Stimmt es, dass du auch unter die Reiseveranstalter gegangen bist?

Meine jetzige Lebenspartnerin hat Kinder aus einer früheren Beziehung – und da habe ich eine Art Verantwortungshormon entwickelt. Ich schaute mich also nach weiteren Geldquellen um, denn Fotografen leben unstet – auch wirtschaftlich. Jetzt organisiere ich sehr individuelle und aufwändige Reisen. Safaris mit Hubschraubern und Heißluftballons zum Beispiel …

 

Das klingt nicht gerade nach Pauschalreise-Schnäppchen …

Definitiv nicht. Aber es gibt betuchte Menschen, die haben alles, nur keine Zeit. Ein paar Wochen durch Afrika zu tingeln, wie das viele Backpacker tun, ist für sie unmöglich. Sie wünschen sich eine kompakte, gut choreografierte Reise mit überraschenden Erlebnissen und einer bestimmten Mischung aus kalkuliertem Abenteuer und Luxus. Der Preis ist Nebensache. Das biete ich mit »Michael Poliza Experiences« an.

 
Neues Standbein: Poliza organisiert individuelle Traumtrips. | Foto: Michael Poliza

Wie läuft so eine Privatsafari à la Poliza ab?

Erst einmal fällt alles weg, was nervt: In Warteschlangen stehen, Formulare ausfüllen, auf Zimmerschlüssel aufpassen. Das organisiere ich alles weg. Dann Überraschungen: Du landest mit dem Ballon mitten in der Savanne – und da steht eine festlich gedeckte Tafel mit dem Abendessen! Ansonsten kein Anzeichen der Zivilisation. Die blenden wir komplett aus. Die Jeeps, die das Dinner gebracht haben, sind fünf Kilometer entfernt versteckt – und zwar so, dass man sie auch vom Ballon aus nicht gesehen hat. Dass das alles wie am Schnürchen klappt und gleichzeitig noch locker rüberkommt – gena­u das ist meine Stärke, das habe ich über Jahre gelernt. Im Computerbusiness, auf der »Starship«, bei afrikanischen Behörden. Und ein letzter Punkt, der mir sehr wichtig ist: Großzügigkeit!  

 

Du meinst, deine Gäste sollen ordentlich Trinkgeld geben?

Umgekehrt: Ich bin großzügig. Diese Reisen kosten sehr viel Geld, aber unterwegs läuft alles unter einer Art Pauschale. Will ein Gast ein Extra, zum Beispiel einen Heliflug statt einer Fahrt im Jeep, kriegt er es – ohne Zusatzkosten. Zum Abschied gibt’s ein iPad mit den Fotos der Tour. Da bin ich nicht kleinlich, schon weil ich dieses ständige Nachbezahlen selbst nicht leiden kann. Einmal musste ich kurzfristig zur Buchmesse und es gab nur noch ein Luxuszimmer im »Frankfurter Hof«. Ich wusste, das wird schweineteuer, okay – hätte ich halt früher gebucht. Aber dann sollte ich für 24 Stunden Internet noch 49 Euro extra bezahlen. Da geh ich nie wieder hin! Egal, wie wenig oder viel Geld jemand hat – nieman­d will abgezockt werden.

 

Draufblick: Nach dem ersten Regen der Saison suchen Elefanten nach schönem Matsch (Moremi Game Reserve, Botswana). | Foto: Michael Poliza
Was ist wichtiger: viel Geld oder viel Zeit haben?

Am wichtigsten ist, dass man seine Zeit richtig nutzt. Ich habe reiche Menschen kennengelernt, die mich um mein Leben beneiden. Ich sage dann: Du hast doch alles, hör einfach auf und mach, was du wirklich willst. Aber das verstehen sie nicht. Vor allem Männer definieren sich oft über ihren Beruf. Nimmt man ihnen den weg, wissen sie gar nicht mehr wohin. Sie trauen sich nicht an neue Sachen. Bevor sie sich von der alten Freundin trenne­n, soll schon die neue da sein. Bevor sie eine Tür hinter sich zumachen, muss schon eine andere auf sein. Ich bin ein Mensch, der die Tür zumacht und dann schaut, was passiert. Gibt man dem Leben die Chance, sich zu ent­wickeln, geschehen aufregende Sachen. Aber dazu muss man bereit sein.

 

Ist es wirklich so einfach?

Es ist nicht einfach! Es gibt auch Tiefs und Rückschläge, jede Menge. Für deine Persönlichkeit, für dein Ego, auch finanziell. Einige meiner früheren Mitarbeiter haben viel Geld verdient, weil sie mit ihren Aktien auf der passende­n Welle geritten sind. In der Zeit war ich halt auf Papua-Neuguinea schnorchel­n. Ich habe mich dann schon gefragt, ob ich das Richtige tue. Und ich habe herausgefunden: Ja, es ist genau das, was ich will.

 

Bildergalerie: Afrika, Arktis, Antarktis: Michael Polizas Bildbände

 

Schauspieler, IT-Unternehmer, Weltumsegler, Naturfotograf, Safari-Veranstalter – war’s das oder strebt Michael Poliza nach Neuem?

Im Moment arbeite ich an einem Bildband über Australien und halte Ausschau nach einem Sponsor für eine Helikopterreise durch China (lacht). Aber wer weiß. Es gibt drei Konstanten in meinem Leben: Die Begeisterung für Technik, die Freude am Reisen und einen gewissen Mangel an Zukunftsangst. Mal sehen, wo mich das noch hinführt.

 

4-Seasons Info
 

Mehr von Michael Poliza

 

Bildbände: Michael Polizas Fotobücher sind opulente XXL-Bildbände, in denen man regelrecht versinkt (Details unten).

Website: Unter www.michaelpoliza.com gibt’s Fotos, einen Blog, News zu Ausstellungen und eine Übersicht mit allen veröffentlichten Büchern.

Facebook: Auf Michaels Facebook-Seite trifft sich seine internationale Fan­gemeinde (aktuell über 42.000 Leute!), kommentiert Poliza-Bilder, viele User stellen eigene Bilder ein (www.facebook.com/Michael.Poliza.Photography).

Galerie: In der Hamburger Jarrestraße  42 a – nur 10 Minuten Fußweg von der Globetrotter-Filiale entfernt – betreibt Michael eine Galerie, die einen Besuch wert ist (geöffnet Di–Fr; 11–18 Uhr oder nach Vereinbarung, Tel. 040/27166949).Er selbst ist eher selten anwesend …

 

Buch-Highlights: »Eyes over Africa« (Globetrotter-Bestellnr. 20.79.07); »Africa« (zurzeit vergriffen), »South Africa« (16.99.76); »Kenya« (20.12.53); »Antarctic« (15.44.07); Preise zwischen 29,90 und 98 Euro.

 
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Kommentare

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Was für großartige, berührende Bilder.

Doch dann diese Sätze, die mich doch enttäuscht haben:
"Erst einmal fällt alles weg, was nervt: ... Das organisiere ich alles weg."
"Ansonsten kein Anzeichen der Zivilisation. Die blenden wir komplett aus."
Genau so, wie vermutlich im Geschäftsleben der Kunden. Die Folgen des eigenen Handelns auf die Natur und die Mitmenschen werden "weg-organisiert" und "ausgeblendet". So wird die Natur zur Eventbühne, die das entfremdete und durchorganisierte Leben aufpeppt.

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26 Februar 2012
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2 Jahre 8 Monate

Michaels Geschichte ist Leben extrem. Mit außergewöhnlicher Begabung und Kreativität
möchte er die volle Reichweite der dem Menschen möglichen Erfahrungen erleben.
Erfolg in der Gesellschaft und in materiellen Dingen hatte er, und begriff, dass das Glück
auf anderen Pfaden zu suchen ist.
Wer die Existenz verstehen will und auf der Suche nach der „WIRKLICHKEIT“ ist, hält sich besser von der sog. „Zivilisation“ fern, deren Machtelite mit Unterstützung der geistig ignoranten Mehrheit der Menschen globale Ausbeutung betreibt, die Natur vernichtet, Ethik vernachlässigt und die soziale Weiterentwicklung der Gesellschaft verhindert.

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26 Februar 2012
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2 Jahre 8 Monate

Ich glaube, dass mit dem Begriff Naturfotograf auch eine bestimmte Einstelllung zur Natur verbunden ist oder erwartet wird. Das kann ich bei Michael Poliza nicht finden. Er benutzt die Natur nur, um seine Ziele, sei es Abenteuer, Einkommen, Reiselust zu befriedigen. Er ist ein umtriebiger "Erfolgsmensch", der mit seiner Arbeit der Natur eigentlich nichts zurückgeben will.

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21 März 2012
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2 Jahre 7 Monate

Ich schließe mich meinen Vorrednern an: Zuweilen tolle Fotokunst, die eine gewisse Ehrfurcht und Respekt vor der (Schönheit der) Natur vermuten lassen und im Betrachter entstehen lassen. Im krassen Widerspruch dazu die Vermarktung der Ware unberührte Natur als Exklusivrecht für eine extrem reiche Minderheit unter Missachtung jeglichen Respekts für die Unversehrtheit der Wildnis und Naturschutz im Allgemeinen. Ein verlogenes Trauerspiel.