Mit dem Fahrrad um die Welt – Teil 6
Der Abschied aus China fiel nicht schwer: Regen, 6°C, schlechte Luft, graue Bilder, erbarmungsloser Verkehr — die letzten Kilometer im Reich der Mitte waren für Andreas und Johanna kein Vergnügen. Umso schöner dann die Ankunft in Vietnam: Als die beiden über den Grenzfluss rollen, scheint die Sonne und gerade einmal ein paar Minuten im Land, sind Andreas und Johanna schon Millionäre: Im Portemonnaie befinden sich ab sofort keine Yen, sondern Dong.
Was bleibt, sind die Probleme mit der Kommunikation. Auch mit Hilfe einer junger Vietnamesin, die ein paar Worte Englisch spricht, will es Johanna nicht gelingen, die fremden Laute über die Lippen zu bringen. »In einem Wort mit drei Buchstaben soll ich meine Stimme heben, senken, verschlucken und hopsen lassen — keine Chance!«
Weihnachten verbringen Andreas und Johanna in Hanoi — mit Bier und Cola in einem Straßencafé. Silvester und Weihnachten haben hier wenig Bedeutung. Es scheint, als sei jeder der 6,5 Millionen Einwohner der Haupstadt auf Mofas unterwegs — Mütter auf dem Sozius halten schlafende Kinder, während die Väter zügig durch das Gewirr aus Zweirädern, Touristen mit roten Zipfelmützen und Straßenhändlern manövrieren.
Bildergalerie: Mit dem Fahrrad um die Welt – Südostasien
»Falang, Falang!«
Nach 15.426 Fahrradkilometern geht es nach Laos — das bisher ärmste Land auf Andreas' und Johannas Reise. Doch trotz der Armut strahlen die Menschen hier eine entspannte Zufriedenheit aus. Auch wenn die Menschen überall freundlich sind — die beiden Deutschen, die mit rotem Staub bepudert durch das Land radeln bleiben immer »Falang«, Fremde. Einmal kratzt eine alte Frau sogar an Johannas Bein um zu schauen, ob der Mensch unter dem Staub nun rot oder weiß ist.
In Kambodscha wartet das größte sakrale Bauwerk der Welt, die Tempel von Angkor Wat auf Andreas und Johanna. Die überwältigende Architektur, die die Khmer vom 9. bis ins 13. Jahrhundert im Zentrum ihres Reiches erbauten, um den buddhistisch geprägten Göttern eine Heimat zu geben, verleitet zum Erzählen von großen Abenteuern und fantastischen Geschichten. Doch für Entdeckergefühle braucht es eine lebhafte Phanstasie: Der Urwald ist gezähmt, die Ruinen herausgeputzt und täglich drängen sich etwa 5500 Menschen durch die Tempel. Trotzdem — Angkor Wat ist und bleibt ein beeindruckender Ort.
Was kommt als nächstes?
Auch nach inzwischen 336 Tagen und 16.614 Kilometern auf dem Rad sind Andreas und Johanna hungrig auf mehr:
»Ein wenig Geld haben wir noch auf unseren Sparbüchern und auch die Neugierde auf die Welt spüren wir noch. Daher pedalen wir auch 2012 weiter. Bis der Kontinent Asien zu Ende ist und es mit dem Rad einfach nicht mehr weiter geht, ist die Route nicht schwer zu erahnen. Danach wollen wir in die Vulkane Indonesiens spucken und dann, ja dann wartet ein neuer Kontinent. Welcher es sein wird, wissen wir selbst noch nicht mit Sicherheit. Regenzeiten, Jahreszeiten, Gebirgszugüberquerungen — was wollen wir nicht verpassen und was wird entbehrlich sein? Die große Freiheit, das wird auch auf dieser Reise wieder deutlich, ist nur eine schöne Wahnvorstellung unseres großartigen Gehirns.«
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03. Februar 2012, Text: Philip Baues, Johanna Brause
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