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Kaufberatung Winterbekleidung: Garantiert frostfrei

Foto: Jens Klatt
»Frieren muss kein Mensch nicht!«, sagt der Bayer in doppelter Verneinung. Patrick Ibron, Ausrüstungsberater bei Globetrotter München, erklärt uns das Thema Winterbekleidung aber gern noch etwas detaillierter.

Isolator für Camp und Weihnachtsmarkt: Daune. | Foto: Mountain Equipment
Isolator für Camp und Weihnachtsmarkt: Daune. | Foto: Mountain Equipment
Patrick, im Winter will ich in den Bergen, im Wald und auch auf dem Weg zur Arbeit nicht frieren. Was brauche ich?

Das hängt von dir ab. Wie kälteempfindlic­h bist du? Gehst du lieber auf Skitour oder zum Shoppen? Bewegst du dich eher sportlich – oder stehst du beim Eisangeln oder auf dem Weihnachtsmarkt herum? Die Produktpalett­e ist breit und die dickste Jacke nicht immer die wärmste.

 

Okay, fangen wir gemütlich an mit Eisangeln und Weihnachtsmarkt. Da kuschele ich mich in Daune, oder?

Als Kälteschutz bei wenig Bewegung ist Daun­e ein Geschenk der Natur, beim Verhältnis von Wärmeleistung zu Gewicht ist sie klar die Nummer eins. Schwitzt man aber viel, kann Daune feucht werden und verklumpen, dann wärmt sie auch nicht mehr. Deshalb nimmt man für schweißtreibende Aktivitäten wie Skitouren besser Synthetikfüllfasern wie PrimaLoft. Die wärmen noch im nassen Zustan­d einigermaßen und sind leicht zu wasche­n. Meine Daunenjacke kommt aber für die Pausen oder kalte Zeltabende immer mit auf Tour, sie wiegt ja kaum was.

 

Man sieht ja Leute mit teuren Daunen­jacken durch die Stadt laufen …

… und die sind clever! Ein schönes Beispiel, wie praktisch Outdoor-Klamotten im Alltag sein können. Kommst du aus dem geheizten Büro in die Kälte, ist dir in der Daunenjacke sofort warm. Zu Hause angekommen ziehst du die Jacke wieder aus – und fertig. Mit einem normalen Anorak geht das nicht, da ist dir unterweg­s erst mal kalt oder du musst noch zusätzlich­e Wärmeschichten an- und wieder ausziehen.

 
Trocken und warm – auch bei Stop & Go-Disziplinen wie Skifahren. | Foto: Michael Neumann
Trocken und warm – auch bei Stop & Go-Disziplinen wie Skifahren. | Foto: Michael Neumann

Woran erkenne ich denn eine gute Daunenjacke?

Bei der Füllung zählen Bauschkraft, Misch­verhältnis sowie Menge und Art der Daune. Gute Qualität kostet, lohnt sich aber. Am allerbesten ist 90/10-Gänsedaune mit 700 bis 800 cuin. Das heißt, dass den Daunen nur 10 % Federn beigemischt sind und ihre Bauschkraft hervorragend ist. Cuin steht für »Kubikzoll pro Unze« und beschreibt, wie stark die Daune sich ausdehnt. 700 cuin sind noch sehr gut, für den Weihnachtsmarkt reichen auch noch 600 cuin. Darunter sollte man nicht gehen.   

 

Und wenn die Werte alle stimmen, ist die Jacke super?

Auch die Konstruktion ist wichtig. Billigjacken haben oft viele Kammern mit durchgesteppten Nähten – da pfeift der Wind durch. Wesentlich besser sind H-Kammern, diese sorgen für eine gleichmäßige Isolationswirkung, weil sich Außen­stoff und Innenfutter nicht berühren. Kälte­brücken an der Bekleidung entdeckt man übrigens sehr gut mit der Wärmebildkamera in unserer Kältekammer, das kann jeder Kunde selbst testen.

 
Erstes Zwiebel-Gesetz: Die drei Schichten lassen sich an jede Temperatur und jede Aktivität anpassen. | Foto: Jens Klatt/outdoor-visions.com
Erstes Zwiebel-Gesetz: Die drei Schichten lassen sich an jede Temperatur und jede Aktivität anpassen. | Foto: Jens Klatt/outdoor-visions.com

Gut, wir werden sportlich: bergauf und berga­b in Wind, Schnee und Kälte …

Dann kommst du um das berühmte Zwiebel­system nicht herum: Die »Outdoor-Zwiebel« hat drei Lagen, die kombiniert ein Gesamtsystem ergeben, das sich je nach Aktivität anpassen lässt. Lage 1 ist die Funktionsunterwäsche, die für angenehmes Mikroklima auf der Haut sorgt. Lage 2 ist die Isolationsschicht und im Winter besonders wichtig. Sie hält warm und leitet den Schweiß weiter nach außen. Lage 3 ist die wind- und wasserdichte Schutzschicht. Bei großer Kält­e kann man die Lage 2 doppeln. Das ist das Schöne daran: Mit einer gut abgestimmten Zwiebelausstattung ist man für alle Jahreszeiten ausgerüstet.

 

Filme zu diesem Thema findet Ihr auf 4-Seasons.TV

 

Mal der Reihe nach. Lage 1 ist die Unter­wäsche. Da gibt es Kunstfaser und Merinowolle. Was ist besser?

Merinowolle empfehle ich für längere Touren sowie Mehrtagestouren ohne große Aktivitätsspitzen. Wolle nimmt den Schweiß sehr gut auf, wärmt auch noch in feuchtem Zustand und riecht selbst nach tagelangem Tragen kaum. Ander­s als Kunstfasern trocknet sie aber nicht so schnell. Jemandem, der schnell schwitzt oder anstrengende Aktivitäten plant, empfehle ich eher Synthetik. Müffelt zwar mehr, trocknet aber blitzschnell.

 
Zweites Zwiebel-Gesetz: Anpassen heißt Umziehen. Vor allem bei Pausen packt man sich warm und winddicht ein. | Foto: outdoor-visions.com/Stephan Glocker
Zweites Zwiebel-Gesetz: Anpassen heißt Umziehen. Vor allem bei Pausen packt man sich warm und winddicht ein. | Foto: outdoor-visions.com/Stephan Glocker

Lage 2 ist die Wärmeschicht. Da kommt man an Fleece nicht vorbei, oder?

Auch hier gibt‘s schon Merino-Teile, aber das gute alte Fleece regiert – zu Recht. Fleece ist leicht, warm, atmungsaktiv, pflegeleicht, schnell trocknend und kuschelig. Wir unterscheiden drei Wärmeklassen, die etwa dem Stoffgewicht pro Quadratmeter entsprechen: 100er, 200er und 300er. Das 300er ist am dicksten, wird aber bei intensiver Aktivitä­t oft als zu warm empfunden. Es ist ideal für bewegungsarme Vorhaben. Sollte es aktiver werden, rate ich zum 200er Fleece oder für die ganz kalten Tage zu einer Kombination aus 100er und 200er Fleece.

 

Gibt‘ bei Fleece Qualitätsunterschiede?

In den letzten Jahren wurde der Markt von verschiedensten Anbietern geflutet, so dass es mittlerweile viele Discounterprodukte gibt. Ich rate gerade bei Fleece dazu, für Qualität etwa­s mehr zu zahlen, da die Produkte eine weit höhere Lebensdauer haben. Bei Billig­fleece kommt es schnell zu Pilling, das sind diese unschönen Knötchen auf der Oberfläche. Oder die Fasern lösen sich an Stresspunkten wie den Ellbogen komplett auf. Wichtig sind bei Fleec­e auch körpernahe Schnitte, sonst geht viel Wärm­e verloren und der Feuchtigkeitstransport wird eingeschränkt. Am besten sitzt Stretch-Fleec­e, zum Beispiel Polartec Powerstretch.

 
Standesgemäßes Beratungsgespräch: mit Patrick in der Globetrotter-Kältekammer. | Foto: Jens Klatt
Standesgemäßes Beratungsgespräch: mit Patrick in der Globetrotter-Kältekammer. | Foto: Jens Klatt

Lage 3 schützt vor Wind und Wetter. Worauf muss ich da speziell im Winter achten?

Da der deutsche Winter oft Regen oder Schneeregen bringt, macht eine Hardshell mit wasserdichter Membran durchaus Sinn, vor allem in den Übergangsmonaten. Sobald die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt sinken, wird eine Membran aber eigentlich überflüssig. Für Schneeflocken reicht eine wasserabweisende Ausrüstung, die auch ein Softshell bietet; und wenn es richtig kalt wird, kann Schwitzfeuchtigkeit an der Innenseite einer Membranjacke sogar gefrieren. Das sind aber Probleme der Kältefreaks, für die meisten Leute ist eine Membranjacke genau das richtige.

 

Welche Membranen empfiehlst du?

Gore-Tex als der Platzhirsch mit dem größten Marktanteil, aber ander­e Mütter haben auch schön­e Membranen. Wir führen neben Gore auch eVent und Dermizax. Letzteres hat sich bei Kaikkialla, unserer Hausmarke, wirklich bewährt. Dann gibt es herstellereigene Membranen wie H2No von Patagonia oder MemBrain von Marmot – die sind auch sehr zuverlässig und funktionell. Statt mit ein­gebauten Membranen kann man Bekleidung auch mit günstigeren Beschichtungen wasserdicht und atmungsakti­v bekommen, allerdings können sich diese Beschichtungen abnutzen – das ist mehr was für Gelegenheitsanwender.

 
Wenn's richtig kalt wird: nordische Parkas. | Foto Tjahjadi Nurtantio
Wenn's richtig kalt wird: nordische Parkas. | Foto Tjahjadi Nurtantio

Mit dem Kyla Parka von Fjällräven und ähnlichen Modellen habt ihr sogar nordische Winterparkas im Programm. Kann man die bei uns denn überhaupt tragen?

Sobald man Sport treibt: definitiv nein! Dafür sind sie zu warm, zu schwer und zu wenig variabel. Trotzdem gibt es Menschen, die diese Teile lieben: Eine Kundin hat mir erzählt, dass sie sehr verfroren ist und morgens an der Bushaltestelle immer vor sich hin bibberte – bis sie sich den Parka zulegte.

 

Was taugen Softshells im Winter?

Ich bin ein absoluter Softshell-Fan! Softshells vereinen Isolations- und Schutzschicht zu eine­r leichteren und platzsparenden Version. Sie sind winddichter und wärmer als Fleec­e, weicher, dehnbarer und bequemer als Hardshells und – je nach Membran oder Webart – wasserabweisend oder gar wasserdicht. Da es bei Minusgraden selten in Strömen regnet, eignen sich Softshells ohne Membran perfekt für den Winter. Schneeflocken lassen sich auf einer imprägnierten Softshell-Jacke einfach abstreifen. Und mit einer guten Unterarmbelüftung sind sie auch bei schweißtreibenden Trips sehr angenehm zu tragen.

 

Beschränkt sich das Zwiebelprinzip denn nur auf den Oberkörper – oder taugt das System auch für die Beine?

Natürlich, und auch da ist man voll flexibel. Bei großer Kälte trägst du eine lange Funktions­unterhose, darüber Tights aus Powerstretch-Fleece und ganz außen eine Hardshell- oder Softshell-Hose. Ist es nicht ganz so kalt, lässt du einfach die Fleecehose im Rucksack. Kommt ein kurzer Aufstieg, öffnest du die Belüftungsreiß­verschlüsse der Lage 1 – wie bei den Jacken. Wer viel im Schnee sitzt und herumhüpft, zum Beispiel beim Iglubauen, sollte allerdings eine Hose mit Membran nehmen – sonst kann am Knie und Gesäß Feuchtigkeit durchkommen.

 
Sinnvolle Features: Hosen mit Haken, Jacken mit helmtauglicher Kapuze. | Foto: Jens Klatt
Sinnvolle Features: Hosen mit Haken, Jacken mit helmtauglicher Kapuze. | Foto: Jens Klatt

Mal eine blöde Frage: Warum haben eigentlic­h manche der Winterhosen unten so kleine Haken?

Blöde Fragen gibt es nicht! Du bist doch bestimmt auch schon mal im Schnee eingesackt und hattest danach nasse Socken? Häng einfach den Haken in die Schnürung der Schuhe, dann rutscht die Hose nicht mehr hoch, wenn du einsinkst. Besonders für Schneeschuhtouren und Winterwanderungen ist das ein sinnvolles Feature …

 

 

Gutes Stichwort: Schneeschuhwandern, Langlauf, Alpinski – von der körperlichen Belastung her sind diese Wintersportarten vollkommen unterschiedlich. Wasmheißt das für die Kleiderwahl?

Ich gehe im Winter gerne mit dem Snowboard auf längere Touren. Da der Aufstieg mit viel Schweiß verbunden ist und die Abfahrt meistens ordentlich auskühlt, wechsle ich auf dem Gipfel entweder die erste Lage oder trage Merinowolle. In den Pausen zieh­e ich eine Daunenjacke über. Beim Langlauf ist die Belastung konstant, daher trägt man am besten körpernahe, nicht zu dicke Kleidung, damit der Schweiß schneller vom Körper wegtransportiert werden kann. Und Alpin-Skifahren ist ein konstantes Stop & Go zwische­n Lift und Piste. Hier lohnt sich eine extra Isolierschicht für die kalten Minuten im Lift. Wie dick diese ist, hängt natürlich von den Temperaturen ab.

 
Am Kopf geht viel Wärme flöten. Deshalb: Mütze! | Foto: Jens Klatt
Am Kopf geht viel Wärme flöten. Deshalb: Mütze! | Foto: Jens Klatt

Okay, das Zwiebelprinzip habe ich kapiert. Haben wir was vergessen?  

Am meisten Wärme verliert man über den Kopf. Deswegen ist es wichtig, ihn sorgfälti­g zu verpacken. In der Stadt reicht je nach Kälte­empfinden eine Woll- oder Fleece-mütz­e. Auf Wintertour kommt man aber wieder aufs Zwiebelprinzip zurück: Nimm eine dünne Powerstretch-Balaclava, das ist eine Sturmmütze, die Hals und Kopf bedeckt. Darüber kommt eine Fleecemütze und zu guter Letzt die Kapuze der Jacke. Die Kapuz­e sollte gut sitzen, bei Kopfbewegungen mitdrehen und sich gut justieren lassen. Falls man oft mit Rad-, Ski- oder Kletterhelm unterweg­s ist, kauft man sich am besten gleich eine Jacke mit helmtauglicher Kapuze.

 

Fellmützen und auch Fellkragen an Jacken sind richtig »in«. Mode-Gag oder sinnvoll?

Schon die Inuit haben sich auf Fell als Kälteschutz verlassen. Heute nimmt man aber nicht mehr Polarfuchs oder Eisbär, sondern Kunstfell. Der Fellstreifen an Kapuze oder Mütze schützt auch Nase und Wangen, weil die feinen Härche­n Wind und Schnee abfangen.

 
Fäustlinge sind wärmer als Fingerhandschuhe. | Foto: Jens Klatt
Fäustlinge sind wärmer als Fingerhandschuhe. | Foto: Jens Klatt

Bleiben die Finger, die ja im Winter auch zu leiden haben. Meine Oma empfiehlt bis heute Fäustlinge ...

Die Wahl zwischen Fäustlingen oder Fingerhandschuhen ist eine Wahl zwischen Wärme und Praktikabilität. Fäustlinge halten besser warm, aber man kann halt schlecht mit ihnen greifen, das fängt schon beim Schnürsenkelbinden an. Wer einen Kompromiss will, ist mit einem dünnen Fingerhandschuh und einem gefütterten Fäustling darüber gut beraten – sowoh­l im Alltag als auch auf Tour. Die Finge­r sind warm verpackt und man ist trotzdem flexibe­l, wenn man den Fäustling kurz abstreift. Die größte Herausforderung für einen Handschuh ist übrigens eine Schneeballschlacht, weil man den Schnee förmlich ins Material presst. Da ist ein Handschuh mit Membran Pflicht! 

 
4-Seasons Info
 

Patrick Ibron, 23, hatte schon als Kind vom seinem Elternhaus am Starnberger See die Alpen fest im Blick. Seit Januar 2011 ist er bei Globetrotter München Spezialist für Funktionsbekleidung. Patrick ist passionierter Traveller, wenn er nicht gerade in Myanmar oder Mexiko reist, rückt er mit seiner Kamera ins Gebirge aus. Im Winter darf dabei das Snowboard nicht fehlen.

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