Kaufberatung Lampenkunde: Es werde Licht
Wer braucht alles eine Taschenlampe?
Alle, die gerne im Dunkeln etwas sehen oder gesehen werden wollen. Prinzipiell also alle, die nicht nur von zwölf bis mittags draußen unterwegs sind. Nur wer zur Mittsommernacht durch Skandinavien reist, kann sich das Zusatzgewicht sparen.
Welche Lampenarten hat Globetrotter Ausrüstung im Sortiment?
Nun, mal schauen. Da haben wir Stabtaschenlampen (LED oder herkömmliche Glühlampe), Stirnlampen (mit einer Ausnahme alle mit LEDs), Gas-, Benzin-, Petroleum-, Elektro- oder Kerzenlaternen. Oder kombinierte Lampen, die auch als Laterne oder Taschenlampe fungieren. Und nicht zu vergessen sind diverse Dynamolampen.
Nach Edisons Glühlampe ist die LED »the next big thing« im Lampenbau. Wo liegen die Vorteile?
Bei einer herkömmlichen Glühlampe gehen circa 95 Prozent der Energie als Wärme verloren, eine LED hingegen wird in der Regel nicht mehr als handwarm und hat somit einen deutlich besseren Wirkungsgrad. Eine LED ist deutlich sparsamer im Verbrauch, wobei man berücksichtigen muss, dass bei einigen Hochleistungs-LEDs der Verbrauch aufgrund der hohen Leuchtkraft wieder steigt. Außerdem haben LEDs eine enorme Lebensdauer und sind sehr robust gegenüber Erschütterungen.
Während die LED-Technik in der Outdoor-Branche längst Standard ist, fasst sie in Automobil- und Wohnungsbau erst langsam Fuß. Wo hakt es?
Im Automobilbau kommen LEDs mittlerweile immer häufiger zum Einsatz: als Rücklicht, Blinklicht oder Innenraumbeleuchtung. Erst in den letzten Jahren konnte die Lichtleistung von LEDs so weit erhöht werden, dass sie mittlerweile auch schon als Frontlicht oder gar als Fernlicht eingesetzt werden können. Gegen einen Einsatz in Wohnräumen spricht dagegen die kalte Farbtemperatur der LEDs. Mir wäre das zu ungemütlich.
Gibt es noch Lampen mit »Birnchen«?
Ein paar gibt es noch, aber es sind nicht mehr viele. Selbst die klassischen Maglites gibt es mittlerweile in einer LED-Version.
Stablampe oder Stirnlampe?
Das ist vom Einsatzzweck abhängig. Bei den meisten Aktivitäten bevorzuge ich eine Stirnlampe. Der Hauptvorteil ist ganz klar, dass man immer die Hände frei hat. Eine Stablampe braucht man, wenn man möglichst weit leuchten will.
Wer braucht beispielsweise Leuchtweiten von bis zu 300 Metern?
Sicherheitsdienste, Feuerwehr oder Rettungskräfte zum Beispiel. Und natürlich alle, für die Lampen zu den klassischen Outdoor-Männerspielzeugen gehören und die einfach die hellste Lampe haben wollen.
Welche Funktionen zeichnen eine gute Taschenlampe sonst noch aus?
Sie sollte verschiedene Leuchtstufen haben (um Augen und Batterien zu schonen) und einen kräftigen Regenschauer vertragen. Verschieden-e Blinkmodi sind auch nicht schlecht. Es gibt einige, die in einer Einstellung permanent SOS blinken. Und solche, die mit einer Stroboskop-Funktion ihren Teil zur Selbstverteidigung beitragen und den Gegner blenden.
Wozu das rote Zusatzlicht bei vielen Lampen?
Dabei geht es um die Nachtsichtfähigkeit, wenn z. B. nur für einen kurzen Moment etwas Licht benötigt wird, verhindert das rote Licht, dass die Augen geblendet werden. Die Augen brauchen dann nicht erst wieder ein paar Minuten, um sich an die Dunkelheit zu gewöhnen – gut beim Angeln, Kartenlesen oder Sternegucken. Außerdem auch sehr nett, wenn man zu zweit unterwegs ist, damit man seinem Gegenüber nicht bei jedem Augenkontakt die Netzhaut lasert.
70 Prozent eurer Kunden greifen zur Stirnlampe. Wie heißen eure Bestseller?
Petzl Tikka XP2, Black Diamond Spot oder die Mammut Lucido TR1 sind sehr gute Allrounder.
Die Lichtleistung wird mal in Lumen, Lux oder mal in Watt angegeben – wie vergleicht man diese Werte?
Lumen beschreibt die Gesamtlichtmenge, die eine Lampe in alle Richtungen abstrahlt. Lux ist die Beleuchtungsstärke, die eine Fläche aus einer bestimmten Entfernung empfängt, und Watt ist die Leistungsaufnahme einer Lampe. Diese Angaben können nicht so einfach verglichen oder umgerechnet werden. Die meisten Hersteller machen ihre Angaben mittlerweile einheitlich in Lumen.
Batterien oder Akkus?
Wer Batterien nimmt, sollte auf alle Fälle solche aus Lithium wählen. Diese sind rund ein Drittel leichter und bis zu dreimal (bei Kälte sogar bis zu sechsmal) ergiebiger als Alkali-Mangan, besitzen praktisch keine Selbstentladung und lassen sich über einen langen Zeitraum lagern (etwa zehn Jahre). Sie haben das beste Preis-Leistungs-Verhältnis der Einweg-Batterien. Der Nachteil? Wenn Lithium-Batterien zur Neige gehen, dann schnell und plötzlich. Akkus sind deutlich wirtschaftlicher und eignen sich besonders für häufig benutzte Geräte wie Kameras, MP3-Player und eben Stirnlampen. In der Stromabgabe nehmen sie sich nicht viel im Vergleich zu Batterien. Beachten sollte man die Selbstentladung während der Lagerung. Im Idealfall Akkus auf Tour immer leer laufen lassen und erst direkt vor der Tour wieder aufladen.
Wie ist es um Alternativen bei der Stromversorgung bestellt?
Es gibt diverse Dynamotaschenlampen und Dynamolaternen. Per Kurbel oder Drehgriff »erarbeitet« man sich einige Minuten Leuchtkraft. Ein weites Feld ist das Aufladen von Akkus per Sonnenkraft. Hier haben wir einige Solarpanels im Sortiment, mit denen man binnen eines Tages vier AA-Akkus laden kann – allerdings braucht es dafür viel Sonne und eine optimale und stetig korrigierte Ausrichtung des Panels.
Standardrequisite in jedem US-Polizeifilm und einst auch unter Outdoorern ein echtes Statussymbol ist die Maglite-Taschenlampe – was ist eigentlich aus ihr geworden?
Es gibt sie nach wie vor, wahlweise auch in LED-Versionen. Wobei die kleinen Stabtaschenlampen von Surefire oder Fenix den großen Maglites in puncto Leuchtkraft in nichts nachstehen. Als Hammerersatz sind die großen Versionen aber nach wie vor ungeschlagen ;-)
Wer noch Platz im Rucksack oder Kanu hat, kann zusätzlich eine Laterne mitnehmen. Wo trennt sich dabei die Spreu vom Weizen?
Zunächst gilt es, sich für das passende Betriebsmittel zu entscheiden. Gas, Benzin, Petroleum, Kerze oder Batterie? Für die Reise mit dem Rucksack eignen sich am besten batterie- oder akkubetriebene Laternen. Die lassen sich normalerweise noch mal teleskopieren und bieten so ein minimales Packmaß. Etwas heller sind Gaslaternen. Dabei muss berücksichtigt werden, dass es verschiedene Gaskartuschentypen gibt, die unterschiedlich gut verfügbar sind. Wer viel Platz im Kanu hat, für den kommt auch eine Benzin- oder Petroleumlampe in Betracht. Der Vorteil: Sie sind in der Regel noch mal heller, und den Brennstoff gibt’s an der nächsten Tankstelle.
Benzin- und Petroleumlampen geben auch schön warm, oder?
Ja, das stimmt. Also immer Abstand halten und auf gute Belüftung achten, da bei der Verbrennung nicht nur Wärme, sondern auch das für uns giftige Kohlenmonoxid entsteht.
Die meisten Brennstoff-Laternen leuchten mit einem sogenannten Glühstrumpf. Gibt es die im Wäscheladen nebenan?
Nein, eher nicht. Aber in jedem Outdoor-Fachgeschäft. Und immer mehr als einen einpacken, denn ab der ersten Inbetriebnahme reagiert ein Glühstrumpf empfindlich auf Stöße oder Erschütterungen und kann schon mal kaputtgehen. Vor Gebrauch muss der Glühstrumpf abgebrannt werden. Dabei wird er erst schwarz, dann weiß und er schrumpelt zusammen. Am Ende hat man eine Art Aschegerüst, in dessen Innerem das Gas abbrennt und das Gerüst zum Glühen bringt. Wenn man beim Abflammen das Gefühl hat, alles falsch zu machen, dann ist es genau richtig.
4-Seasons Info
Gregor Knobloch (29) arbeitet in der Technikabteilung der Globetrotter-Filiale am Hamburger Wiesendamm. Der gelernte Industriekaufmann verdiente einst seine Brötchen als Snowboardlehrer in Österreich sowie als Kanuführer in Skandinavien. Im Herbst 2006 bewarb er sich, um die Zeit zwischen diesen Jobs zu überbrücken, initiativ bei Globetrotter – und hatte zwei Wochen später einen Vier-Jahreszeiten-Fulltime-Job.
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15. Mai 2010, Interview: Michael Neumann
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