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Kaufberatung Kanu: So werden Sie Paddler

Foto: Michael Neumann
Ob kleine Fluchten vor der Haustür, regelmäßiges Fitnesstraining oder mehrwöchige autarke Erkundungsfahrten – Paddeln liegt im Trend. Wer einmal die »Investitionshürde« genommen hat, den belohnt der Kanusport mit einmaligen Naturerlebnissen fernab ausgetretener Pfade – vorausgesetzt natürlich, man hatte den richtigen Anlageberater.
Volker Detlevsen (48) ist Hamburger durch und durch. Er arbeitet seit 1991 bei Globetrotter Ausrüstung und ist vom Paddelvirus befallen. Doch mit der Leitung der Bootsabteilung am Wiesendamm hat er die Not zur Tugend gemacht. Wenn das Virus mal wieder besonders hart zuschlägt, therapiert er sich nach Geschäftsschluss mit Nachtfahrten auf der Alster. | Foto: Michael Neumann

Ein Kunde kommt in die Bootsabteilung und will nach Touren zu Fuß und per Rad nun auch welche auf dem Wasser unternehmen. Wo setzt deine Beratung an?

Nachdem ich den Wissensstand des Kunden abgeklopft habe, geht eine der ersten Fragen schon gleich ans Eingemachte: Doppelpaddel oder Stechpaddel? Ersteres bedingt einen symmetrischen Bewegungsablauf, ist solo wie im Zweier brauchbar und wird im Sitzen benutzt. Das Stechpaddel hat nur ein Paddelblatt, woraus eine asymmetrische Bewegung resultiert. Es wird fast nur im Zweier benutzt (einer paddelt links, einer rechts, ab und zu wird gewechselt) und erlaubt auch den Kniesitz, was Paddler mit Rückenbeschwerden freut. Sobald ich hier zumindest eine Präferenz habe, kann ich weiter ins Detail gehen.

 

In euren Filialen mangelt es nicht an Bootsmodellen. In welche Kategorien lassen sich diese einteilen?

Grob in drei: Festrumpfboote, Faltboote und Luftboote. In jeder Kategorie unterscheidet man dann nochmals zwischen Kajak und Kanadier.

 

Kajak und Kanadier? Sind das einmal die Form, die die Eskimos entwickelt haben, und dann das klassische Indianerkanu?

Genau – auch wenn die Zeit nicht stehen geblieben ist und sich die Rumpfformen weiterentwickelt haben. Kajaks und »Indianerkanus« gibt es mittlerweile für unterschiedlichste Einsatzzwecke.

 

Und für welche Tour passt welches Boot?

Für alle, die auf Binnengewässern – also größeren Flüssen und Seen – unterwegs sein wollen, sind Kanadier eine gute Wahl. Sie sind nicht so kippelig wie ein Kajak und bieten Platz für die ganze Familie oder entsprechend viel Fahrtengepäck. Für viele ist auch das leichte Ein- und Aussteigen ein Argument und die Möglichkeit, unterschiedliche Sitzpositionen einzunehmen.

Kann ich mit dem Kanadier auch auf Nord- und Ostsee paddeln?

Besser nicht, denn Kanadier sind bei Seitenwind nur schwer zu steuern – und windstill ist es auf dem Meer ja selten. Für den Salzwassereinsatz nimmt man besser spezielle Seekajaks, die den klassischen Eskimokajaks ähneln. Diese fahren sich auch in größeren Wellen noch recht stabil und sind durch ihre schlanke, flache Form weniger windanfällig und schneller als Kanadier.

 

Kajaks auf Binnengewässern gehen nicht?

Doch, natürlich. In dieser Kategorie bietet der Markt sogar die meisten Bootsmodelle an. Kajaks punkten bei Geschwindigkeit und Handling, auch bieten sie besseren Wetterschutz, da man sie mit einer Spritzdecke verschließt. Wenn die ganze Familie Einerkajaks paddeln will, wird die Haushaltskasse aber ziemlich strapaziert.

 

Auch bei den Materialien gibt es Unterschiede. Wo trennt sich die Spreu vom Weizen?

Die besten Fahreigenschaften besitzen laminierte Boote, da sie eine hohe Verwindungssteifigkeit haben und verhältnismäßig leicht sind. Boote aus Polyethylen wiederum sind beinahe unkaputtbar, wiegen aber schwerer und fahren sich etwas »weicher«. Und natürlich entscheidet auch das Portemonaie, welches Material überhaupt in Frage kommt.

 

Das Boot aus dem Sack – ein Faltboot wird aus rund 20 Einzelteilen in wenigen Minuten zusammengebaut. | Foto: Michael Neumann

In den Filialen wimmelt es von verschiedenen Bootsmodellen, im Katalog zeigt ihr aber nur Faltboote. Warum?

Das war früher anders, da hatten wir auch feste Boote im Handbuch. Allerdings hat sich gezeigt, dass Kunden solche Produkte nicht über den Versand beziehen, sondern dafür lieber in die Filialen kommen, um ausgiebig beraten zu werden und mal Probe zu sitzen. Sollte es doch einmal jemanden geben, der genau weiß, welches Boot er haben will, aber den Gang in die Filiale scheut, dem schicken wir das Wunschboot bis in den Vorgarten.

 

Und wie finde ich nun final das perfekte Boot?

Nach einer gründlichen Beratung hat der Kunde sich seinem Wunschboot genähert, aber es gibt meist doch noch eine Auswahl an passenden Modellen. Um darunter bei einer »Popoprobe« wirklich das perfekte zu finden, bieten sich bei uns mehrere Möglichkeiten: Wichtigster Termin für diesen Zweck ist unsere Globeboot, Deutschlands größtes Testival in Sachen Kajak und Kanadier. Dort findet der Kunde mit über 80 Testbooten sogar einige Modelle mehr als in den Filialen. Wer während der Globeboot keine Zeit hat, kann sein Boot in den Filialen Köln, München oder Berlin auch in den Testbecken der Filialen ausprobieren oder im Sommer in Hamburg an den wöchentlich stattfindenden Schnuppertouren teilnehmen.

Bildergalerie: Kaufberatung Kanu: die Bootstypen im Überblick

Ist es denn auch sinnvoll, einen Paddelkurs zu buchen, bevor ich auf eigene Faust bzw. eigenem Kiel losziehe?

Das würde ich jedem Paddelneuling empfehlen. Zum einen paddelt man entspannter und effektiver, wenn man die richtige Paddeltechnik von der Pike auf lernt. Zum anderen wird in einem Kurs der Sinn für die Gefahren des Paddelns geschärft – denn Wasser hat keine Balken und unter Wasser atmet es sich schlecht. Basics wie das richtige Ein- und Aussteigen kann man sich zwar auch selbst beibringen, aber ein paar Tipps von Profis können den Einstieg in einen neuen Sport enorm erleichtern. Eine Übersicht guter Kanuschulen findet man unter www.vdks.de, aber auch in den Filialen weiß man weiter.

 

Wo liegen die Vorteile der Bootsreise im Vergleich zu Wanderungen oder Radtouren?

Das wohl schönste Argument ist, dass man mit dem eigenen Boot Punkte entlang einer Küste oder an Flüssen anlaufen kann, die auf dem Landweg nicht erreichbar sind. Als Radfahrer ist man an Straßen gebunden, als Fußgänger normalerweise auch, zumindest an kleine Pfade. Mit dem Boot fährt man beispielsweise kleine Buchten am Fuße einer Steilküste an und ist dort wirklich allein. Und dann kann man abends am Lagerfeuer auch noch die Flasche Rotwein aus dem Boot zaubern: ein Luxus, den man sich als Wanderer, allein aus Gewichtsgründen, nicht so oft gönnen würde. 

 

Gibt es Nachteile?

Ja, die Logistik. Wer ein starres Boot besitzt, benötigt immer auch ein Fahrzeug, um es ans Gewässer zu bringen, und einen ausreichend großen Lagerraum. Bei der Mietswohnung in der Stadt ist das nicht immer leicht – aber auch kein wirkliches Hindernis.

 

Welcher Bootstyp ist besonders »familientauglich«? Oder ist Paddeln ohnehin zu gefährlich für kleine Kinder?

Ein Kanadier ist das perfekte Reisemittel für abenteuerlustige Familien. Sportliche Naturen, die auch mal Strecke machen wollen, wählen aus der Kanadierfamilie einen mit starrem Rumpf, alle anderen sind mit einem besonders kippsicheren Schlauchkanadier besser beraten, der zudem auch ökologisch korrekt im Kofferraum des Familienwagens reist, anstatt auf dem Dach den Spritverbrauch in die Höhe zu treiben. Und was die Sicherheit angeht: Für ganz kleine Kinder gibt es spezielle Rettungswesten, für die größeren Schwimmhilfen – das erweitert den Spielraum doch ungemein.

 

Während Trekker mit jedem Gramm knausern müssen, können Paddler ordentlich was einpacken. | Foto: Lars Schneider

Wohin mit all dem Gepäck?

Die meisten Boote verfügen über erstaunlich viel Stauraum, auch für sehr lange Reisen. Wer bisher nur gewandert ist, wird sich wundern: Auch wenn alles absolut Notwendige verstaut ist, bleibt oft noch Platz für Ausrüstungsgegenstände und Lebensmittel, die Luxus und Komfort versprechen.
Und wie bekomme ich das alles wasserdicht verstaut, falls ich doch mal kentere?
Viele Kajaks bieten Stauräume, die zu 98 % dicht sind. Zur Sicherheit packt man dann doch alles in wasserdichte Säcke von Ortlieb, die es in vielen verschiedenen Größen gibt. Im Kanadier bieten sich zusätzlich wasserdichte Tonnen an, die sich im Campleben auch ganz praktisch als Tisch- und Stuhlersatz anbieten. Insgesamt gilt: Mehrere kleine Säcke lassen sich besser verstauen als ein großer.

 

Mit dem Kauf eines Bootes ist es vermutlich nicht getan. Was brauche ich noch, um starten zu können?

An erster Stelle steht ein ordentliches Paddel: für Kanadier sind das Stechpaddel mit einem Blatt, für Kajaks Doppelpaddel. Für Fahrten im Kajak ist außerdem eine Spritzdecke wichtig, die die Sitzluke verschließt und das Bootsinnere vor Regenwasser und Wellengang schützt. Eine Schwimmweste ist ebenfalls Ehrensache, auch wenn keine Instanz deren Nutzung vorschreibt. Sinnvolle Extras sind ein paar wasserdichte Beutel sowie eine Leine zum Anbinden des Bootes.

 

Wie steht es mit Paddeljacken? Brauche ich die, oder langt mir auch die wasserdichte Trekkingjacke, die schon im Schrank hängt?

Wenn der Anfang gemacht ist und man Blut geleckt hat, lohnt sich natürlich der Kauf einer Paddeljacke. Sie zeichnet sich durch ihren kürzeren Schnitt aus, der im Sitzen weniger störend wirkt und dem Oberkörper genug Bewegungsfreiheit für die typischen Paddelbewegungen gibt. Im Gegensatz zu den klassischen Trekkingjacken rutscht sie auch nicht hoch, wenn man mal den Arm über den Kopf heben muss.

 

Eine Grundsatzfrage: lieber zu zweit mit einem halben Paddel oder allein mit Doppelpaddel? | Foto: Michael Neumann

Und eine Schwimmweste? Wirklich? Zum einen kann ich ja schwimmen, zum anderen nervt sowas beim Paddeln doch total.

Eine Schwimmweste beim Paddeln ist vielleicht noch wichtiger als der Helm beim Radfahren. Wildwasserpaddler und Seekajaker setzen mittlerweile ganz selbstverständlich einen Helm auf, wenn es zur Sache geht. Doch auch auf dem gemütlichsten Fluss kann es zu einer Kenterung in kaltem Wasser kommen, bei der man über den zusätzlichen Auftrieb froh ist, besonders, wenn man sich unter Wasser vielleicht noch den Kopf gestoßen hat oder anderen helfen muss. Schwimmwesten können definitiv Leben retten.

 

Paddeljacke, Schwimmweste – that’s it?

Im Hochsommer schon. Allerdings lautet Paddlers Faustformel »Dress for water, not for air«. Will heißen: Im Falle eines Schwimmers muss die Paddelbekleidung solange warm halten, bis man das Ufer erreicht hat. Besonders im Frühjahr, wenn die Luft zwar schon warm ist, Flüsse und Seen aber gerade erst vom Eise befreit sind, muss man in Sachen Bekleidung daher noch eine Schippe drauflegen.

 

Ich brauche also noch eine Pudelmütze?

Die auch. Viel wichtiger aber ist ein Kälteschutz für Beine und Oberkörper. Hier benutzen die meisten Paddler einen Long-John aus Neopren. Der läuft beim Schwimmen zwar voll Wasser, dieses erwärmt sich aber schnell zwischen Neopren und Haut. Noch besser ist ein sogenannter Trockenanzug. Dieser Overall aus atmungsaktivem, aber wasserdichtem Material hat an Händen und Füßen dicht schließende Latexmanschetten und wird mittels eines wasserdichten Reißverschlusses verschlossen. Das ergibt hohen Tragekomfort, kostet aber auch entsprechend. Auf der Haut trägt man in jedem Fall schweißableitende Sportunterwäsche und Fleece – so wie beim Wandern auch. 

 

Egal: Hauptsache, man hat viel Spaß auf dem Wasser. | Foto: Michael Neumann

Worauf kommt es beim Paddel an?

Noch wichtiger als das richtige Paddel ist die richtige Paddeltechnik. Hat man die aber drauf, wird man sein Augenmerk auf die Möglichkeiten legen, die unterschiedliche Paddel bieten. Wichtig ist besonders das Gewicht des Paddels – wenn man einen ganzen Tag lang unterwegs ist, bewegt man mit den Armen gut ein paar Tonnen. Das heißt anders herum: Je leichter das Paddel, desto später ermüdet man, desto mehr Strecke legt man mit der gleichen Kraft zurück. Im Gegensatz zu Paddeln mit Aluminiumschaft und Kunststoffblättern verzeihen die gängigen Leichtpaddel aus Laminat Fahrfehler allerdings nicht ganz so einfach. Wenn man sie zwischen zwei Steinen einklemmt, kann es schon mal zu Schäden kommen.

 

Das klingt alles recht kostspielig. Was muss ich für eine Basisausrüstung hinlegen?

Die Preise für ein Kajak gehen bei 700-800 Euro los. Für ein ordentliches Boot im Komplettpaket samt Paddel, Spritzdecke und Schwimmweste ist man mit weniger als 2000 Euro dabei. Bei Kanadiern ist das Preisgefüge ähnlich, nur bei Faltbooten steigt der Einstiegspreis deutlich. Reisetaugliche Faltboote gibt es ab 2000 Euro. Das alles hört sich nach viel Geld an, allerdings darf man nicht vergessen, dass die Lebenserwartung von Booten bei guter Pflege Jahrzehnte beträgt. Auch sind die Folgekosten überschaubar, denn anders als bei Skipisten ist die Nutzung von Gewässern weltweit meist kostenfrei.

 

4-Seasons Info
 

Kleine Materialkunde

 

Als Paddeleinsteiger muss man zwar nicht gleich Kunststoff-Technik studieren, doch folgende Fachbegriffe sollte man zumindest schon mal gehört haben.

 
Prijon, Europas größter Hersteller von Tourenkajaks, setzt auf die Blastechnik. | Foto: Prijon
  • Royalex ist ein mehrschichtiges Thermoplast und wird hauptsächlich für den Bau von Kanadiern eingesetzt. Es ist das wohl strapazierfähigste Material auf dem Markt und dabei noch recht leicht. Der Verbundwerkstoff ist selbst ohne zusätzliche Auftriebskörper unsinkbar und leicht auszubessern. Leider gleiten Royalex-Boote nicht so gut wie laminierte Modelle. Die Diät-Variante von Royalex heißt Royalex Light und ist 10 % leichter als die Normalversion.
  • Boote aus Polyethylen (PE) werden entweder »rotiert« oder »geblasen«. Rotieren erlaubt schnittigere Formen und aufgrund der geringeren Formkosten eine größere Modellvielfalt, Blasen eine haltbarere Bootsschale, da das verwendete PE hochwertiger ist. PE ist zwar schwer (was besonders bei den materialintensiven Kanadiern ins Gewicht fällt), aber enorm robust. Heutzutage werden fast alle Wildwasserboote und ein Großteil der Wanderkajaks aus PE gefertigt.
  • Wer das Optimum in Sachen Gewicht und Fahreigenschaften will, wählt ein Laminat-Boot. Bei diesem wird die Schale aus harzgetränkten Fasermatten in Handarbeit hergestellt. Je nach Geldbeutel werden dabei Glasmatten und verwendet, meist aber solche aus Carbon oder Kevlar.
  • Bei Luftbooten wird für den Bootsrumpf normalerweise PVC oder Hypalon verwendet. Letzteres zeichnet sich besonders durch seine Widerstandsfähigkeit aus: Es ist temperatur- und reißfest, alterungsbeständig und somit perfekt für gröbere Einsätze geeignet.
  • Faltbootbauer setzen bei der Haut ebenfalls auf PVC oder Hypalon. Eine Ausnahme bildet die kanadische Manufaktur Feathercraft, hier kommt »Sealskin« zum Einsatz, eine industriell verschweißte Haut aus Polyurethan. Beim Deckmaterial setzen fast alle Faltboothersteller auf Baumwolle (atmungsaktiv) oder ein Kunststoffgewebe (verrottungssicher). Die Gerüste wiederum sind aus Holz, Aluminium, Glasfiber oder Kunststoff gefertigt.

 

Und einen »Paddelführerschein« brauche ich auch nicht?

Mitnichten. Anders als beim Gleitschirmfliegen oder Segeln gibt es keine Instanz, die den angehenden Paddler in die Pflicht nimmt. Umso wichtiger ist es daher, dass man das Paddeln von erfahrenen Leuten lernt – sei es im Verein, in der Kanuschule oder mit Freunden, die sich auskennen.

 

Ich wohne in einer Zweizimmerwohnung und habe nur einen kleinen Keller – wo soll ich da mit der ganzen Paddelausrüstung hin?

Falt- und Schlauchboote bedeuten bei der Lagerung im Keller oder auf dem Dachboden kein größeres Problem als ein Fahrrad. Wer sich aber ein festes Boot zulegen möchte und daheim keinen Platz für die Lagerung hat, sollte sich in seiner Umgebung nach einem Kanuverein umsehen. Diese bieten ihren Mitgliedern in der Regel eine Bootslagerung an. Wer Mitglied eines Kanuvereins wir, und damit normalerweise auch des Deutschen Kanuverbands (DKV, www.kanu.de), hat dazu den Vorteil, an Kursen und Gruppentouren teilnehmen und auf Bootsreisen in anderen Vereinen kostengünstig übernachten zu können. Ein großer Vorteil der Bootslagerung in einem Bootshaus am Wasser ist außerdem, dass man am Wochenende oder nach Feierabend ohne viel Aufwand schnell noch eine Runde drehen kann, um fit zu bleiben oder auszuspannen.

 

An vielen Flüssen oder Seen gibt es Kanuverleiher – warum sollte ich mir da überhaupt ein eigenes Boot zulegen?

Dafür spricht vieles: Mit meinem eigenen Boot habe ich die Möglichkeit, überall und zu jeder Jahreszeit aufs Wasser zu können. Mein eigenes Boot passt genau zu mir, ist auf meinen Körperbau, meinen bevorzugten Einsatzzweck und meinen Fahrstil abgestimmt. So wird nicht nur die Freude am Fahren, sondern auch die Sicherheit auf dem Wasser erhöht. Außerdem kann ich mein Boot mit sinnvollem Zubehör aufrüsten. Ich habe da an meinem Kajak einiges »optimiert« – mit Verleihbooten geht das nicht.

 

In den Filialen Köln und Berlin können die Boote direkt im Testbecken ausprobiert werden. | Foto: Michael Neumann

Wanderungen habe ich schon auf der ganzen Welt gemacht, doch mit dem Boot werde ich wohl auf heimischen Gewässern bleiben müssen, oder?

Keinesfalls. Faltboote haben verpackt die Größe eines Koffers und werden seit 100 Jahren überall auf der Welt eingesetzt. Mit Faltbooten oder Schlauchbooten kann man sogar Einsatzstellen entlegener Flüsse per Hubschrauber oder Wasserflugzeug erreichen. Einige Fluggesellschaften bieten ihren Kunden allerdings auch die Möglichkeit, gegen Aufpreis feste Kajaks als Sportgepäck mitzunehmen. Selbst fünf Meter lange Seekajaks sind dann oftmals kein Problem.

 

Gibt es ein Revier in Deutschland, das du Einsteigern besonders empfiehlst?

Na klar. Ich gehe ja auch persönlich gern vor der Haustür paddeln. Am liebsten bin ich auf den Seen Mecklenburg-Vorpommerns unterwegs. Das ist wie in Schweden oder Finnland, nur räumlich etwas begrenzter. Dafür bietet McPomm aber unendliche Möglichkeiten für zwei bis drei Wochen und eine perfekte Infrastruktur für Paddler und Familien. Und auch sonst bietet Deutschland von Nord nach Süd und von Ost bis West Flüsse und Seen wie Sand am Meer. Deutschland ist ein Paddelland.

 

Und in Europa? Wo bist du gern unterwegs?

Wann immer ich Zeit habe, fahre ich nach Schweden. Da habe ich schon die unterschiedlichsten Touren gemacht und entdecke trotzdem immer wieder Neues. Besonders in der Vor- und Nachsaison ist das für mich die reinste Entspannung – ohne viele Leute und mit schönsten Lagerplätzen mitten in der Natur.

 

Sind Fahrten auf dem Meer besonders gefährlich?

Aufs Meer wagt man sich am besten erst, wenn man auf Binnengewässern Erfahrung gesammelt hat. An ruhigen Tagen ist alles kein Problem, aber wenn während einer Tour Sturm aufzieht und man in rauer See weiter muss, sind eine gute Bootsbeherrschung und die Kenntnis der Rettungs- und Bergetechniken lebensnotwendig. Neben Wellen gibt es auf dem Meer auch noch andere Risiken wie Strömungen, ablandigen Wind, Seenebel, Gezeiten, etc. Ganz allein sollte man eine Seekajak-Tour grundsätzlich nicht machen, besser sind Gruppenfahrten mit erfahrenen Leuten.

 

Wenn ich kentere, hänge ich doch kopfüber im Boot und sitze fest?

Das ist ein weit verbreiteter Irrglaube. Man fällt schneller aus dem Boot, als man denkt, und auch wenn man eine Spritzdecke benutzt, löst man sie normalerweise mit einer Hand und schwimmt sich frei. Eine Kenterung im Sommer auf dem See mit einem Partner zu simulieren ist aber eine gute Idee, um sich an sowas zu gewöhnen. 

 

Muss ich die Eskimorolle beherrschen, bevor ich ernsthaft auf Tour gehe?

Die Eskimorolle ist zwar nicht Pflicht, sollte aber in keiner Kür fehlen. Sie funktioniert allerdings nur in einem Kajak mit Schenkelstütze – dank der man kopfunter nicht aus dem Boot fällt – und Spritzdecke. Mit ihr hat man ein Handwerkszeug im Repertoire, das die Sicherheit auf Tour enorm erhöht. Wer Zeit hat, sollte daher im Winterhalbjahr einen Kurs besuchen und die Rolle im Schwimmbad unter fachmännischer Anleitung erlernen. Nach drei, vier Doppelstunden hat jeder normal Talentierte den Bogen raus.

 

Alles klar, ich glaube, ich bin vom Paddelvirus infiziert und will mehr wissen ...

In unserer Buchabteilung findet sich ein kleines aber feines Sortiment an Kanuliteratur. Darunter Flussführer für Deutschland, Europa und Planet Erde, sowie Lehrbücher, die alle Basics des Sports nachvollziehbar durchexerzieren. Wer eine Fachzeitschrift möchte, findet im KANU-Magazin während der Paddelsaison alle fünf, sechs Wochen frisches Lesefutter. 

 

 
4-Seasons Surftipp

Paddeln von A bis Z

Auch die Homepage www.kanumagazin.de sei empfohlen. Testberichte, Tourentipps und Reisereportagen halten sich dort die Waage mit tagesaktuellen Szene-News. Für Einsteiger gibt's alles Wissenswerte zum Kanusport zusammengefasst im Special »Basiswissen für Paddler«. Der Safety-Guide fasst zusammen, wie Sie sicher auf dem Wasser unterwegs sind.

 

 
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