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Das erste Mal: Geocaching

Foto: Philip Baues
Ein GPS-Gerät, ein paar Koordinaten, ein versteckter Schatz – Geocaching erfreut sich seit Jahren wachsender Beliebtheit. Doch was steckt dahinter? Bloßer Zeitvertreib für High-Tech-Freaks oder attraktiver Freizeitspaß für Jedermann? Höchste Zeit also, dass 4-Seasons.de der Schnitzeljagd 2.0 mal auf den Zahn fühlt.

Sonst kämpft Sebastian Schubert im Kajak mit Strömung und Torstangen, hier mit Karte und GPS. Doch Geocachen ist einfacher, als man denkt. | Foto: Philip Baues
Es kracht und knarzt im Unterholz. Schnaufend steckt Basti seinen Kopf durch das Geäst: »Also hier ist der Schatz schon mal nicht versteckt.« Na klasse, jetzt laufen wir schon seit zwei Stunden um den Augsburger Kuhsee herum und fast sieht es so aus, als wird unser erstes Geocaching-Abenteuer ein totaler Reinfall. So müssen sich Bergsteiger fühlen, die kurz vor dem Gipfelerfolg zur Umkehr gezwungen werden.

Mist, hätte ich in der Redaktion doch bloß nichts von diesem Geocaching gesagt. Wäre doch ganz nett, das mal auszuprobieren. »Ja klar, mach mal. Und schreib dann gleich was darüber!« Jetzt stehe ich also schwitzend im Wald und vom ersehnten ersten Cache weit und breit keine Spur.

Zugegeben, ich bin ein Technik-Muffel. All-In-One Fernbedienung, Apps fürs Handy oder automatischer Milchschaumschläger? Was ein Graus! Aber wie heißt es so schön? Wer nicht mit der Zeit geht, muss mit der Zeit gehen. Also bleibt mir wohl nichts anderes übrig, als mich der technologischen Wunderwelt zu öffnen. Okay, ich bin erst 27 – da kommt man wohl ohne ein bisschen Technik-Affinität eh nicht weit. Zumindest bin ich gerne draußen, was – so habe ich bei meiner Recherche gelernt – zum Gecoachen unbedingt dazu gehört.

 
 

Aber was ist eigentlich Geocaching?

Geocaching ist nichts anderes, als eine moderne Schnitzeljagd. Anders als beim klassischen Kindergeburtstag folgt man jedoch keinen Papierhinweisen oder Kreidepfeilen, sondern eben Richtungsangaben des GPS-Gerätes. Futter für das Navi liefern andere Geocacher, die die Koordinaten ihrer versteckten Schätze im Internet veröffentlichen. Der Cache, meist in Form einer wasserdichten Dose, enthält nette, kleine Dinge und ein Logbuch, in dem man sich nach erfolgreicher Suche verewigen kann. Wer möchte, kann eine Kleinigkeit aus dem Inhalt der Dose austauschen. Wichteln für Fortgeschrittene quasi. Ist der Besuch im Logbuch vermerkt und die Dose wieder an Ort und Stelle versteckt, können auch schon die nächsten Schatzsucher kommen.

Ha, wenn wir nur schon so weit wären! Als Einstieg in die Geocaching-Welt habe ich für uns den ersten Augsburger Geocache ausgesucht, einen sogenannten Multicache mit einer Schwierigkeits- und Geländebewertung der Stufe zwei. Tja, Geocaching ist zwar einfach, aber doch komplex! So gibt es beispielsweise ganz unterschiedliche Cache-Arten: Vom traditionellen Cache, bei dem man einfach die angegebenen Koordinaten aufsucht, über Spezialcaches, welche nur mit spezieller Ausrüstung (z. B. Kletter- oder Tauchequipment) zu erreichen sind, bis hin zu Rätselcaches, die Recherche und Knobelei auf dem Weg zum Ziel erfordern.

 

Auf Schatzsuche am Augsburger Kuhsee

Beim ersten Mal will ich uns natürlich nicht gleich überfordern – aber langweilig soll's bitte auch nicht werden. Der Multicache am Augsburger Kuhsee, der über mehrere Etappen zum verborgenen Schatz führt, scheint mir da gerade recht. Gleich am Anfang meiner Informationssuche im Internet stieß ich auf diesen Cache und die Bewertungen in den einschlägigen Communities wie www.geocaching.com und www.opencaching.de waren vielversprechend.

Die Geocaching-Community ist kreativ und gibt sich viel Mühe bei der Gestaltung ihrer Caches. | Foto: Philip Baues
Aber vor den Lohn hat der liebe Gott die Müh' gesetzt und so heißt es erst mal, vorsichtig Kontakt zum GPS-Gerät aufzunehmen. Zum Glück ist das mit unserem Testgerät, dem Garmin Oregon 550, ziemlich simpel. Für absolute Geocaching-Rookies wie mich ist das Handgerät mit Touchscreen, 3-Achsen-Kompass und integrierter Digitalkamera genau das richtige. Ohne seitenlange Anleitungslektüre findet man sich in der intuitiven Benutzeroberfläche schnell zurecht und kann mit wenigen Klicks ins GPS-Vergnügen starten.
Je nach Gerät navigiert man mittels Kompass oder topografischer Karte. Letzteres macht die Orientierung durch die detaillierte Umgebungsdarstellung einfacher.

Einfach gestaltet sich unsere Schatzsuche am Kuhsee allerdings nicht: Immer noch fehlt uns eine verflixte Koordinate auf dem Weg zum großen Ziel. Gestartet sind Basti und ich bei schönstem Frühlingswetter am Parkplatz des Augsburger Eiskanals. Die Kanu-Olympia-Strecke von 1972 ist noch heute Trainingszentrum der deutschen Paddler. Sebastian Schubert ist einer von ihnen. Der U-23-Europameister kennt das Areal um den Eiskanal wie seine Westentasche und so kommt er sich etwas dämlich vor, vom GPS geleitet in Richtung Kuhsee zu spazieren. Aber egal, das ziehen wir jetzt durch! Auch amüsierte Blicke von Bastis Trainer und Nationalmannschaftskollegen können uns nicht beeindrucken – wir sind im Geocaching-Fieber!

Bewaffnet mit Schatzkarte und Aufgabenliste sind wir wild entschlossen, unseren ersten Cache zu finden. Unsere Route führt uns anhand verschiedener Koordinaten einmal um den See – an verschiedenen Stellen müssen wir Fragen beantworten, deren Lösungen uns Schritt für Schritt dem finalen Ziel näher bringen.

 

Vorsicht, Muggles!

Da die Routenpunkte meist direkt am Weg liegen, ist meist schon bei der Eingabe der Koordinaten in das GPS-Gerät klar, wo die nächste Aufgabe zu lösen ist. Trotzdem macht es uns einen Heidenspaß den Geocache zu jagen. Erinnerungen an längst vergessen geglaubte Kindergeburtstage mit aufregenden Schnitzeljagden kommen auf. Als uns eine nette alte Dame fragt, was wir da treiben, erklärt Basti frei heraus, dass wir auf Schatzsuche sind. Oh nein, und das ganz in der Nähe der Zielkoordinaten! Auf www.geocaching.de habe ich gelernt, dass man als Geocacher ganz besonders vor »Muggles« auf der Hut sein muss.

Muggles? Hab ich doch gewusst, dass diese ganze moderne Technik irgendwas mit Hexerei zu tun haben muss!  Aber was bei Harry Potter Personen ohne magische Fähigkeiten, sind bei Geocachern einfache Passanten. In der Geocaching-Gemeinschaft gilt der Grundsatz, Verstecke möglichst geheim zu halten und unbeobachtet aufzusuchen. Andernfalls besteht die Gefahr, dass der Cache von Unbeteiligten beschädigt oder entwendet wird. Na ja, die Omi wird uns schon nicht folgen und den Schatz an sich reißen wollen.

Gib der Dehydration keine Chance – beim Geocachen kann man ganz schön ins Schwitzen kommen. | Foto: Philip Baues

Vor allem müssten wir dazu erstmal wissen, wo es lang geht. Die Frage »Welche Nummer hat der Kiosk am See?« konnten wir nicht beantworten, selbst der Pächter des Kiosks konnte uns nicht weiterhelfen. Die Sonne steht hoch am Himmel und so langsam bringt uns die Suche richtig ins Schwitzen. Auf gut Glück versuchen wir mit den rechtlichen Koordinaten das Ziel einzukreisen – Ausflüge ins Unterholz inklusive. Bastis Sportlerehrgeiz ist geweckt und er will diesen Cache. Unbedingt. In bester Spürhund-Manier bricht er durch das Gestrüpp und kommt immer wieder kopfschüttelnd zurück auf den Weg. So langsam macht sich Frust breit. Sollten wir tatsächlich schon an unserem ersten Cache scheitern? Wir als schnitzeljagderprobte Outdoorer? Wie soll ich das bloß den Kollegen im Büro erklären?

 

Wie alles begann

Befänden wir uns noch im Jahr 2000, sähe die Sache schon anders aus: Damals verfälschte das US-Militär noch alle GPS-Signale für die zivile Nutzung – eine Positionsbestimung war nur mit einer Abweichung von ca. 100 Metern möglich. Da wäre es keine Schande gewesen, den versteckten Cache nicht zu finden. Am 2. Mai 2000 schaltete die amerikanische Regierung die künstliche Signalverfälschung ab und eine praktische GPS-Nutzung im Privatbereich war möglich. Schon einen Tag später vergrub Dave Ulmer in der Nähe Portlands im Bundesstaat Oregon einen kleinen Plastikeimer mit Krimskrams und einem Logbuch. Die Koordinaten veröffentlichte er in einer Internet Usegroup und formulierte die Regel »Get some stuff, leave some stuff« – »nimm etwas, lasse etwas anderes da«. Geocaching war geboren. Auch Deutschland ließ sich nicht lange bitten und noch im gleichen Jahr am 2. Oktober wurde südlich von Berlin der erste Cache auf deutschem Boden versteckt. Inzwischen ist die Geocaching-Fangemeinde rasant gewachsen: Das große deutsche Portal www.geocaching.de verzeichnete am im März diesen Jahres 37.251 registrierte Benutzer und knapp 50.000 versteckte Caches.

 

Mit kleinen Tricks zum Ziel

Was lange währt, wird endlich gut. Am Ziel der Cacher-Träume. | Foto: Philip Baues

Und einen davon suchen Basti und ich noch immer. Immer ungeduldiger streunen wir durch das Gelände als wir plötzlich einen kleinen Pfad ins Unterholz entdecken. Ob wir jetzt endlich unserem Ziel auf der Spur sind? In der Zwischenzeit hatte ich schon die Nerven verloren und mit dem Handy im Internet – ja, so weit ist es mit mir schon gekommen – nach sogenannten »Spoilern« für unseren Cache gesucht. Das sind Hinweise oder Fotos, die das Finden des Caches auf den letzten Metern erleichtern, vielen Fans jedoch den Spaß verderben (engl. to spoil).

Und tatsächlich – nachdem wir uns eine Weile durch die Wildnis geschlagen haben, stoßen wir schließlich auf einen markanten Baumstumpf. Das perfekte Versteck für einen Cache! Noch einmal schauen wir über die Schulter, gehen sicher, dass wir unbeobachtet sind. Dann greift Basti in den Baumstumpf und Freude lässt sein Gesicht strahlen: Gespannt zieht er eine Dose aus dem Stamm und durchforstet ihren Inhalt: ein Kartenspiel, eine volle Einwegkamera, ein paar Münzen, Spielzeug und das Logbuch. Auf der ersten Seite erfahren wir, dass dies schon das dritte Buch ist – scheinbar gibt es in Augsburg ganz schön viele Fans dieser modernen Schnitzeljagd. Zum Abschluss legen wir noch zwei Päckchen Sugru in die Dose, bevor wir sie wieder gut versteckt den nächsten Geocachern überlassen. Zufrieden, den Schatz am Ende doch noch gefunden zu haben, treten wir den Rückweg an.

 

Wer hat Spaß am Geocachen?

Da ist das Ding! Basti freut sich über seinen ersten Cache. | Foto: Philip Baues

Geocaching ist mehr als ein verrücktes Hobby für Computer-Freaks. Die große Vielfalt der unterschiedlichen Cache-Typen und die nahezu unbegrenzten Versteck-Möglichkeiten machen Geocaching zu einem Spaß für Jung und Alt. Papa hat endlich ein gutes Argument für den Kauf des tollen GPS-Geräts und die Kids werden nach draußen gelockt und haben Freude an der Schnitzeljagd. Aber dank der flächendeckenden Verbreitung in Deutschland kann auch die tägliche Hunderunde oder der Sonntagspaziergang mit dem ein oder anderen Cache »gepimpt« werden. Selbst die Heimatstadt zeigt sich bei einem urbanen Geocache womöglich von einer ganz unbekannten und interessanten Seite.

Hat einen erst mal der Ehrgeiz gepackt, taucht man ganz schnell ein in die Welt der Caches, Logs, Muggles und - wenn's nicht mehr weiter geht - auch der Spoiler. Obwohl Basti und ich ziemlich ins Schwitzen geraten sind und kurzzeitig der Verzweiflung nahe waren, hatten wir doch jede Menge Spaß bei unserem ersten Geocache in Augsburg. Das kühle Radler als Belohnung haben wir uns redlich verdient!

 

Sie kennen tolle Caches, die unbedingt gesucht werden sollten? Dann immer her damit! Die schönsten Vorschläge präsentieren wir hier auf 4-Seasons.de

 
4-Seasons Info
 

Geocaching für Anfänger

 

Geocaching ist nicht schwer – ein Versteck, ein GPS-Gerät und schon kann's losgehen. Hier finden Sie die wichtigsten Tipps und Infoquellen für die moderne Schnitzeljagd und auch eine kleine Einführung in die Sprache der Geocacher.

 

Infos im Netz:

www.geocaching.de
Das deutschsprachige Portal bietet einen einfachen Einstieg in die Welt des Geocachings und liefert Hintergründe, Regeln und Hinweise zum naturverträglichen Geocachen.

www.geocaching.com
Schon seit dem Jahr 2000 gibt es diese amerikanische Seite. Sie hat die größte Datenbank an Caches weltweit – auch die meisten deutschen Schätze sind hier gelistet. Über die kostenlosen Basisfunktionen hinaus, ist der volle Leistungsumfang dieser Seite erst durch eine monatliche Gebühr von 3 $ nutzbar.

www.opencaching.de
Die alternative zu geocaching.com. Ausführliche Cache-Suche, Infos zu Geocaching-Veranstaltungen und ein Forum machen das Portal zur Anlaufstelle für alle deutschsprachigen Geocacher.

 

Einführung ins Geocachen

Die Kölner Globetrotter Filiale veranstaltet am 17. April, 29. Mai, 24. Juli und am 28. August Einsteigerkurse, bei denen auch die neuesten GPS-Geräte von Garmin getestet werden können. Alle weiteren Infos zu den Terminen gibt's hier.

 

Die wichtigsten Begriffe im Überblick:

  • BYOP – »Bring your own pencil« »Bringe einen Stift mit« (für den Eintrag im Logbuch)
  • Cache – der Schatz beim Geocaching
  • Cacher – der Schatzsucher
  • CITO – »Cache In Trash Out«. Cachen, dabei den Müll einsammeln, mitnehmen und entsorgen.
  • DNF – »Did Not Find« »Habe leider nichts gefunden«
  • FTF – »First To Find« »Erster!«
  • Hint – Hinweis zum Auffinden des Caches
  • Log – Eintrag im Logbuch des Caches
  • Muggles – Sammelbegriff für alle »Nicht-Geocacher«
  • Owner – Derjenige, der  einen Cache erstmals auslegt
  • Spoiler – »Spielverderber«. Spoiler verraten im Voraus Details, die zum Schatz führen.
  • TFTC – »Thanks For The Cache« »Danke für den Cache«
  • TFTH – »Thanks For The Hunt« »Danke für die Suche«
  • TNLN – »Took Nothing Left Nothing« »Nichts mitgenommen, nichts dagelassen«
  • UPS – »Unnatural Pile Of Stones«. Unnatürlicher und auffälliger Steinhaufen zur Tarnung eines Caches
 
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