Das erste Mal: 24-Stunden-Wandern
24 Stunden am Stück wandern. Wie fühlt sich das an? Macht das Sinn? Und vor allem: Kann ich das? Auf der Suche nach Antworten mache ich mich gemeinsam mit meinem Begleiter Jörg Mitte Juni auf den Weg zu den »24 Stunden von Bayern« nach Bad Steben und stelle zunächst fest: Die norddeutsche Tiefebene beginnt nicht gleich hinter Nürnberg! Als eine der nördlichsten Ecken Nordbayerns präsentiert sich der Frankenwald satt grün und ausgesprochen hügelig — mit viel Potential für ausgedehnte Wanderungen. Einer dieser »Hügel« sticht uns bei der Anreise sofort ins Auge: der 794 Meter hohe Döbraberg mit seiner markanten Radarstation. Er ist der Wendepunkt der Nachtetappe und vom Ausgangspunkt, dem »Wandermarktplatz«, verdammt weit weg! Auweh, unsere erste 24-Stunden-Wanderung wird kein Spaziergang!
Die für ganz Bayern angekündigten sintflutartigen Regenfälle lässen am nächsten Morgen auf sich warten. Trotzdem packen wir Regenjacke, -hose und -schirm in den Rucksack. Den zweiten Satz Klamotten bunkern wir im Hotel. Vier Wanderrouten haben sich die Veranstalter der 24 Stunden von Bayern ausgedacht. Alle beginnen und enden in Bad Steben, daher ist der Materialnachschub bei dieser 24-Stunden-Wanderung kein Problem. Für alle Fälle werfen wir auch noch ein paar Müsliriegel in die Deckeltasche. Es könnte ja sein, dass die angekündigte Verpflegung recht dürftig ausfällt ...
Gemeinsam mit mindestens 444 weiteren Wanderern scharren wir kurz vor 08:00 Uhr auf dem Wandermarktplatz mit den Hufen. Nach einigen kurzen Reden und Infos zum Verlauf der Wanderung fällt der Startschuss. Der Spielmannszug setzt sich in Bewegung, dahinter die größte Wandergruppe, die ich je gesehen habe. Von nun an bestimmt jeder Teilnehmer sein Tempo selbst. Während einige geradezu los preschen (und nach knapp 12 Stunden bereits das Ziel erreichen), treiben wir mit dem Strom. Wie es uns bei der 24-Stunden-Tour ergeht, zeigt die folgende Fotostory.
19. Juni 2011, 07:45 Uhr, kurzer Auszug aus dem Expeditonslogbuch: Willst du Frühstücken? Nein, ich bin pappsatt! Ich auch. Schlafen!!!
Nach sechs Stunden Erholung »eiern« wir pünktlich zum spätesten Check-Out-Zeitpunkt barfuß aus dem Hotelzimmer. Bei jedem Schritt spüren wir die zurückgelegten 69,4 Kilometer. Geradezu jugendlich agil wirken im Vergleich dazu die adrett gekleideten Kurgäste, die unsere Mühen staunend beobachten. Trotz brennender Fusssohlen und Muskelkater sind wir gut drauf. Das Hochgefühl, der Stolz und die vielen Eindrücke der Tour sind immer noch da. Noch einmal schmunzeln wir über den »Wilden Mann«, den Teufel und den heulenden Wehrwolf, der irgendwo am Döbraberg zu tief ins Schnapsglas schaute. Wir haben es geschafft! Andere waren schneller und haben auch die »Fitness-Runde« absolviert — doch die sportliche Leistung ist bei den 24 Stunden von Bayern ohnehin Nebensache. Es gibt keine Zeitmessung oder ein GPS-Tracking-Sytem, das das Vorankomen der Teilnehmer aufzeichnet. Viel mehr geht es ums Erleben und die Herausforderung an sich. Ob wir uns dieser je wieder stellen, lassen wir offen. Vorerst genügen die Antworten: Gut aber schmerzhaft! Durchaus! Und vor allem: Ja, ich kann!
4-Seasons Info
24 Stunden von Bayern
Bad Steben war der dritte Austragungsort des größten bayerischen Wanderevents, das jedes Jahr in einer anderen bayerischen Wanderregion stattfindet. Wer mit dabei sein will, darf bei der Anmeldung nicht zögern!
Wo die vierte Auflage der 24 Stunden von Bayern im kommenden Jahr stattfindet, steht derzeit noch nicht fest. Im Moment können sich die Wanderregionen bewerben, das letzte Wort haben im Anschluss die Teilnehmer, die mittels Online-Voting entscheiden. Alle Infos zum Event sind unter www.bayern.by/24-stunden-von-bayern.html zu finden. Da die Startplätze auf 444 beschränkt sind empfielt es sich, den Start der Anmeldung nicht zu verschlafen. 2011 war die Veranstaltung in 18 Minuten (!) ausverkauft.
- Ausrüstung: Der Knackpunkt einer erfolgreichen 24-Stunden-Wanderung ist die Wahl des richtigen Schuhwerks — immerhin ist man damit 24 Stunden auf den Beinen! Leichte, gut eingelaufene Wanderstiefel, die dem Fuß Halt und Unterstützung geben, haben sich für uns als die richtige Wahl erwiesen. In den Tagesrucksack mit Regen-Cover gehört eine Stirnlampe und eventuell ein Regenschirm. Bei der Bekleidung setzten wir auf das Zwiebelprinzip: Merinoshirt, leichte Fleece- und Regenjacke. Wichtig für uns: Bequem sollte die ganze Sache sein, denn wenn es zwickt und zwackt, dann 24 Stunden lang! Für die Nacht empfielt sich eine Mütze, wer schnell friert freut sich bei nächtlichen Pausen über leichte Handschuhe. Trekkingstöcke sind zu empfehlen. Durch den Streckenverlauf der 24 Stunden von Bayern in Bad Steben war es möglich, Teile der Ausrüstung im Hotel bzw. im Auto zu bunkern. Dank der zahlreichen Verpflegungs- und Getränke-Stationen war eine kleine Notration Wasser ausreichend. Zusätzliche Verpflegung wurde nicht benötigt.
- Ablauf der »24 Stunden von Bayern«: Nach dem gemeinsamen Start kann jeder Teilnehmer der 24 Stunden von Bayern sein Tempo selbst bestimmen, der nächste Treffpunkt ist nach 24 Stunden das Ziel. Wer es lieber sportlich mag, lässt das Rahmenprogramm links liegen, wer auf Genießer-Tour geht, verzichtet auf die zusätzliche »Fitness-Runde«. Entlang der Strecke gibt es immer wieder die Möglichkeit, mit dem Shuttlebus zurück zum Ausgangsort zu gelangen.
Weitere 24-Stunden-Wanderungen...
... gibt es zum Beispiel am Achensee und in der Region Kitzbühel (2./3. Juli 2011, www.kitzalp24.at) in Tirol. Im Tannheimer Tal wird die 24-Stunden-Wanderung der Mammut Alpine School gleich drei Mal im Jahr ausgetragen. Weitere Termine sind hier der 29. und 30. Juli sowie der 9. und 10. September 2011. Extrem-Bergsteiger Hans Kammerlander bietet seit 2003 geführte 24-Stunden-Wanderungen an. In diesem Jahr ist er am 1. und 2. Juli in Sexten, am 15. und 16. Juli im Berchtesgadener Land und am 16. und 17. September im Südtiroler Ahrntal unterwegs. Alle Infos unter www.kammerlander.com.
Höher oder weiter?
Die oben genannten 24-Stunden-Wanderungen fallen hinsichtlich Teilnehmerzahl, -gebühr, Gelände, Distanz, Höhenmeter, Streckenverlauf und Rahmenprogramm sehr unterschiedlich aus, daher ist ein genauer Blick in die Ausschreibung Pflicht. Ist die Strecke ein Rundkurs oder besteht die Möglichkeit, immer wieder an einen Ausgangspunkt zurück zu kehren? (Wo) Gibt es Verpflegungsstationen? Wird gemeinsam gewandert oder individuell? Wie anspruchsvoll ist die Tour? Verläuft die Route durch alpines Gelände oder ist man vorwiegend auf Feld- und Forstwegen unterwegs? Gibt es Shuttlebusse? ...
27. Juni 2011, Text: Judith Prechtl
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Kommentare
Naja nicht übel, aber eine noch größere Herausforderung ist eine 100km Wanderung, wie sie beispielsweise jährlich in Jena stattfindet.
Veranstalter: http://www.horizontale-jena.de/
Kann ich jedem nur empfehlen der an seine Grenzen gehen will :)