Berufsziel: Globetrotter
4-Seasons: Mal ehrlich – den Test mit der Spinne zeigt ihr im Film nur, um die jungen Leute nicht zu erschrecken. In Wirklichkeit nehmt ihr Anakondas.
Katharina Benson: Ja, aber unsere Schlange hat sich nach vielen Jahren treuer Dienste im Azubi-Auswahlverfahren in die ewigen Jagdgründe verabschiedet, und wir mussten umdisponieren. Im Ernst: Semih Serbes von der Globetrotter-Filiale in Hamburg, der ja in dem Spot mitspielt, hatte tatsächlich viele Jahre lang eine Schlange, die ab und zu von den Azubis mit Mäuschen gefüttert werden musste …
Bleiben wir weiter ernst: Wie sieht denn der ideale Globetrotter-Azubi aus?
Wer bei uns zum Beispiel ein Schulpraktikum absolviert und sich gut ins Team integriert hat, eventuell sogar neben der Schule bei uns jobbt, der ist bei der Auswahl weit vorn. Zuverlässigkeit, Teamfähigkeit, ein freundliches, offenes Wesen und natürlich Begeisterung für das Leben draußen zählen da mehr als die allerbesten Noten. Sicherlich gibt es auch Unterschiede, je nachdem für welchen der 15 Ausbildungsberufe man sich bei uns bewirbt.
Echte Globetrotter haben ja nicht selten »ungerade« Erwerbsbiografien …
… so wie Klaus Denart und Peter Lechhart, unsere beiden Gründer. Die waren auch keine ausgebildeten Kaufleute, sondern eben Journalist und Bergführer. Es gibt überhaupt viele Quereinsteiger bei Globetrotter. Und dazu Menschen aus aller Welt: Mittlerweile haben wir Mitarbeiter aus fast 60 Nationen bei uns beschäftigt. Wir fördern die Berufsausbildung von Jugendlichen ohne Schulabschluss und/oder aus Förderschulen und bilden gerne auch Hauptschüler aus. Gleichzeitig sind uns aber auch duale Studiengänge mit Bachelor- oder Masterabschluss wichtig, die wir derzeit in unserer Zentrale anbieten.
Industrie und Handwerk klagen über den Mangel an Fachkräften. Und ihr?
Aktuell haben wir 70 Auszubildende, davon zwei Drittel in kaufmännischen Berufen. Die anderen werden zu Lagerlogistikern ausgebildet, aber auch zu Industriemechanikern oder Köchen. Jedes Jahr begrüßen wir etwa 25 neue Azubis. An Bewerberinnen und Bewerbern mangelt es uns nicht.
Nur im Laden stehen oder im Büro sitzen kommt für Globetrotter nicht infrage. Wie oft geht’s nach draußen?
Zu Beginn eines Ausbildungsjahres machen die Azubis aus der Hamburger Zentrale eine gemeinsame Reise. In diesem Jahr war die ganze Gruppe mit Faszinatour im Allgäu, im Vorjahr stand eine Reise nach Frankreich mit Paddeln und Klettern auf dem Programm. Auch die Filialen machen tolle Touren – zum Beispiel nach Irland, zum Rucksackhersteller Bach, und nach Schweden.
Stichwort »Umwelt und Soziales« – was bringt ihr den Azubis bei?
Ab den ersten Ausbildungsmonaten lernen sie bereits das fachgerechte Entsorgen und die Trennung von Verpackungsmüll. Wie wichtig das ist, haben die Hamburger Azubis zum Beispiel in der Sortieranlage auf dem Recyclinghof gesehen. Darüber hinaus sind Umweltfreundlichkeit und Fairness immer wichtigere Themen – gerade auch in der Kommunikation mit dem Kunden. Zum Beispiel muss man in der Lage sein, Allergiker kompetent über schadstofffreie Materialien zu beraten. Darum gibt’s spezielle Schulungen über die Hersteller und ihre Produkte.
Und wenn die Ausbildung zu Ende ist?
Wer engagiert ist und sich weiterentwickeln will, erhält jede Form von Fort- und Weiterbildungen – zukünftig sogar in einem Tagungshaus nur für unsere Mitarbeiter. Wen wir ausgebildet haben, den möchten wir gern im Unternehmen halten. Fast alle Führungspositionen sind heute mit Eigengewächsen besetzt. Jens Holst, der erste Globetrotter-Azubi, baut derzeit den neuen Store in München auf. Der Traum »Vom Azubi zum Filialleiter« soll und darf bei uns gelebt werden.
02. Februar 2011, Interview: 4-Seasons
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