präsentiert von:

Bergsteigerlegende Walter Bonatti verstorben

Foto: Malik Verlag
Walter Bonatti gehörte zu den größten Bergsteigern aller Zeiten. Einige legendäre Geschichten ranken sich um das Leben des italienischen Ausnahmekletterers.

Am 22. Juni 1930 in Bergamo geboren, war Walter Bonatti 1954 jüngster Teilnehmer der italienischen Expedition zum K2. Obwohl einer der stärksten Bergsteiger im Team, gehörte er nicht zur Gipfelmannschaft. Doch ohne die Hilfe von Bonatti hätten es die beiden Teamkameraden Achille Compagnoni und Lino Lacedelli nicht auf den Gipfel geschafft: Zur Unterstützung trägt Bonatti einige Sauerstoffflaschen auf über 8.000 Meter. Weil das Lager aber nicht am vereinbarten Ort aufgebaut ist, müssen Bonatti und sein Hochträger Mahdi eine dramatische Biwaknacht im Freien verbringen. Mahdi verliert sämtliche Finger und Zehen durch Erfrierungen.

Bonatti überlebt unverseht, fühlt sich aber um seine eigene Gipfelchance betrogen. Nach der Expedition wird Bonatti vorgeworfen, er habe die Sauerstoffflaschen der Gipfelmannschaft benutzt und diese damit in Schwierigkeiten gebracht. Jahrelang kämpft Bonatti für die richtige Version der Geschichte. Später sagte er über diese Expedition: »Der K2 zerstörte mich, ich war erst 24!« Erst 2008, nach dem Tod von Compagnoni, wird Bonatti als »Vater« des italienischen Gipfelerfolgs rehabilitiert.

Sechs Tage allein an der Petit Dru

Ein Jahr nach dem K2, sozusagen als Antwort auf die Anschuldigungen der Expeditions-Kameraden, steigt Bonatti in einem sechstägigen Alleingang durch den Südwestpfeiler der Petit Dru oberhalb von Chamonix. Diese Route durch die 1000-Meter-Wand wird als »Bonatti-Pfeiler« legendär und ist inzwischen leider durch mehrere Felsstürze zerstört. Zuletzt fielen am Sonntag, zwei Tage vor Bonattis Tod, erneut große Felsbrocken aus der Wand. Für den damals 25-jährigen Bonatti ist die neue Route an der Petit Drus der endgültige Durchbruch als einer der weltbesten Extremalpinisten. Mit Carlo Mauri erreicht Bonatti 1958 den bis dahin unbestiegenen Gipfel des 7925 Meter hohen Gasherbrum IV in Pakistan.

Tragödie am Montblanc

Ein paar Jahre später, 1961, überlebt Bonatti knapp die große Tragödie am Frêneypfeiler des Montblanc. Bei einem Erstbegehungsversuch werden er und sechs Bergkameraden nur wenige Meter vor Ende der Route von einem Wetterumschwung überrascht. Die Bergsteiger sitzen 60 Stunden im Schneesturm fest. Der Abstieg durch meterhohen Neuschnee wird zum Desaster. Vier Bergsteiger sterben durch Blitzschlag, Erschöpfung und Unterkühlung. Nur Bonatti, Roberto Gallieni und Pierre Mazedau überleben. Durch diese Tragödie ins Licht der Öffentlichkeit gerückt, entwickelt sich der Frêneypfeiler in nur wenigen Wochen zum Ziel der stärksten Seilschaften der Welt. Bald darauf sichert sich eine andere internationale Seilschaft die Erstbegehung. Bonatti schreibt später, sie stiegen »über die Toten hinweg«.

In den folgenden Jahren gelingt Bonatti die erste Winterbegehung der legendären Grand-Jorasses-Nordwand über den Walkerpfeiler und die Erstbegehung des Whymperpfeiler in derselben Wand. Nach einer Solo-Erstbegehung im Winter durch die Matterhorn-Nordwand mit drei Biwaks beendet Bonatti 1965 seine Laufbahn als Extrembergsteiger im Alter von nur 35 Jahren. Fortan reist er als Fotoreporter für die Zeitschrift »Epocha« in entlegene Regionen der Erde. 2009 wird Bonatti für sein Lebenswerk mit dem »Piolet d'Or« ausgezeichnet.

Walter Bonatti verstarb im Alter von 81 Jahren am 13. September 2011 in Rom an einem Krebsleiden.

 

4-Seasons-Info

Walter Bonatti

Walter Bonatti | Die Berge meines Lebens | Malik Buchtipp: Die Geschichte seiner großen Touren, angefangen mit der Ostwand des Grand Capucin, über die italienische K2-Expedition, bis zu seinen Alleingängen und der Katastrophe am Montblanc, hat Walter Bonatti nach seiner Karriere noch einmal aufgeschrieben.

Walter Bonatti | Die Berge meines Lebens | Malik | ISBN 978-3-492-40390-0

 
weiterführende Artikel: 
19.04.2011ArtikelAktuell

Alpin-Oscar: Vergabe der »Piolets d' Or«

Was für die Filmsternchen der Oscar, sind für die extremen Alpinisten die »Piolets d’Or«. Die goldenen Pickel werden seit 1991 für herausragende Leistungen an den Bergen dieser Welt verliehen. zum Artikel
01.02.2011ArtikelAusrüstung und ProdukteHersteller

Vom Mont Blanc in die Welt: die Story von Millet

60 Jahre Erfahrung und Innovation, 60 Jahre Alpinismus. Die französische Marke Millet ist fest in den Bergen verwurzelt und hat nie ihre Authentizität verloren. zum Artikel