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Auf Holz und Eis: Eisklettertalent Christina Huber im Interview

Foto: Hansi Heckmair
Die Garmischerin Christina Huber belegte bei der diesjährigen Premiere des Europa-Cups im Eisklettern Rang 2. Für 4-Seasons erklärt die 21-Jährige die Besonderheiten des Eiskletterns und gibt einen kurzen Einblick was alles bedacht werden muss, wenn man selbst zum Pickel greifen will.
Blankes Eis? Aus Fairness-Gründen wird bei Eiskletter-Wettkämpfen größtenteils auf Holzwänden geklettert. | Foto: Glace Glisse
Blankes Eis? Aus Fairness-Gründen wird bei Eiskletter-Wettkämpfen größtenteils auf Holzwänden geklettert. | Foto: Glace Glisse

Eine ziemlich spektakuläre Bretterwand, 70 mit Pickel und Steigeisen bewaffnete Athleten und rund 800 faszinierte Zuschauer: Mitte Ferbruar bot sich im verschlafenen Heutal bei Unken ein außergewöhnliches Schauspiel. Das »Glace Glisse« lockte die Helden der europäischen Eiskletterszene in den Pinzgau um zum ersten Mal die Europa-Cup-Sieger zu krönen. In einem spannenden letzten Durchgang konnte Favorit Markus Bendler (AUT) als einziger Teilnehmer des Herrenfinales die schwierige Route toppen. Albert Leichtfried (AUT) und Herbert Klammer (ITA) belegten die Plätze 2 und 3. Wesentlich knapper fiel die Entscheidung bei den Damen aus. Zwar erreichte die Tschechin Lucie Hrozoca als einzige mit beiden Pickeln das Top, doch auch die beiden Deutschen Christina Schlesener und Christina Huber schafften es bis ganz nach oben – am Ende entschied die Zeit für Schlesener. Christina Huber aus Garmisch belegte Rang 3 – genug um sich beim ersten Europa-Cup-Finale der Eisklettergeschichte hinter Hrozoca den zweiten Rang in der Gesamtwertung zu sichern. Die 21-jährige Studentin klettert seit fünf Jahren. Am Eis ist sie erst seit zwei Jahren unterwegs.

 

Einsam an der Spitze: Markus Bendler holte den Europa-Cup-Sieg bei den Herren. | Foto: Glace Glisse
Einsam an der Spitze: Markus Bendler holte den Europa-Cup-Sieg bei den Herren. | Foto: Glace Glisse

4-Seasons: Blaues Eis, bizarre Formen, klirrende Kälte in der Abgeschiedenheit einer winterlichen Schlucht – und mittendrin ein mutiger Kletterer, der mit Pickel und Steigeisen einen gefrorenen Wasserfall bezwingt – Bilder wie diese gehen einem durch den Kopf, wenn man an Eisklettern denkt. Eure Wettkampfrouten beim Eiskletter-Europacupfinale »Glace Glisse« waren dennoch eine ziemlich eisfreie Angelegenheit. Was hat es damit auf sich?

Christina: Eisklettern als Wettkampfsport hat nicht mehr viel mit reinem Eisklettern gemeinsam. Es ist vielmehr eine eigene Sportart, bei der Pickel und Steigeisen auch im Holz und auf kleinsten Plastikgriffen ihre Verwendung finden. Eis verändert sich andauernd und mit jedem Schlag. Das macht es nahezu unmöglich, gleichbleibende Bedingungen für alle Starter zu gewährleisten.

 

Wie läuft ein Wettkampf ab?

Es gibt zunächst eine Qualifikation mit einer oder mehreren Routen. Danach gibt es dann ein Finale. Im Wettkampf ist es wichtig, dass man markierte Zonen einhält – nur hier darf man den Pickel setzen. Darüber hinaus muss die vorgeschriebene Zeit eingehalten werden. Die Final-Routen sind meist so geschraubt, dass nur die Spitzenathleten diese »toppen« können.

 

Das »Glace Glisse« war das erste Europa-Cup-Finale im Eisklettern überhaupt. Ist das ein Zeichen, dass eure Sportart gerade im Aufbruch ist?

Ich denke, dass diese Sportart mit Sicherheit die Zuschauer begeistert und immer bekannter wird. Dass Eisklettern ein neuer Trendsport wird, glaube ich jedoch nicht unbedingt. Dafür ist es doch zu speziell.

 

 

Am Weg nach oben: Christina Huber beißt sich durch. | Foto: Glace Glisse
Am Weg nach oben: Christina Huber beißt sich durch. | Foto: Glace Glisse

Die wahre Faszination des Eiskletterns liegt auch für dich jenseits von Minigriffen und Holzplatten. Was macht die Sportart für dich aus?

Mich haben gefrorene Wasserfälle schon als Kind begeistert – die Strukturen, die Farbe, die gewachsenen Eisgebilde ... und so ist es auch heute noch. Ich klettere am liebsten dort, wo ich gute Bedingungen vorfinde und mit guten Freunden den Tag genießen kann.

 

Wie bist du zum Eisklettern gekommen?

Durch einen Freund von mir, der Bergführer ist.

 

Welche Vorbereitungen sind für eine Eisklettertour notwendig?

Wetter, Schnee, Eis und natürlich Material checken – und einen geeigneten Partner finden. Auch die Lawinengefahr spielt beim Eisklettern eine große Rolle. Eisfälle haben meist ein sehr großes Einzugsgebiet und Lawinen können von weit her über den Wasserfall rauschen, obwohl er versteckt im Wald steht – auch damit muss man sich vorab auseinandersetzen.

 

Eisklettern gilt allgemein als eine eher gefährliche Sportart. Was muss man beachten, um das Risiko möglichst gering zu halten?

Man muss lernen, objektive Gefahren wie fragiles Eis richtig einzuschätzen und sich einfach viel Wissen aneignen. Beim Wetter ist es zum Beispiel nicht nur wichtig, wie es am Tag der Tour ist, sondern auch, wie es in den vergangenen Tagen war. Das sagt einiges über die Stabilität des Eises aus. Insgesamt ist zu sagen: Wenn du nicht sehr erfahren bist, geh nur mit einem Bergführer ans Eis, der die Situation einzuschätzen weiß.

 

Wenn ich selbst zum Pickel greifen möchte, welche Vorraussetzungen muss ich mitbringen?

Ein bisschen Kraft und ein bisschen mehr Zeit.

 

Kann man als Einsteiger einfach am nächstbesten Wasserfall auf eigene Faust loslegen, oder ist ein spezieller Kurs notwendig?

Das beste um Eisklettern sicher zu lernen, ist ein Kurs bei einem professionellen Bergführer einer Bergsteigerschule. Vom »selbst loslegen« rate ich ab – es braucht einiges an Erfahrung, um die fragilen Eisgebilde »lesen« zu können. Einfach drauf los pickeln ist gefährlich!

 

Gibt es beim Eisklettern Spots, die sich besonders für Einsteiger eignen?

Das kommt eigentlich immer auf die Eisverhältnisse an. Am besten informiert man sich im Internet bei Onlineforen, oder bei einer Bergsteigerschule. Es gibt Regionen, die sich sehr aufs Eiskletten spezialisiert haben, z. B. das Maltatal in Kärnten. Grundsätzlich sind enge, hohe Täler eher geeignet, stabiles Eis zu bilden.

 

Welche Ausrüstung ist für eine Eisklettertour notwendig?

Auch das hängt ganz von der Tour ab, aber die Standardausrüstung besteht aus einem Paar Steigeisen, Eisgeräten und Eisschrauben – und natürlich der Kletterausrüstung: Klettergurt und Helm, Seil, Karabiner, Expressen, Sicherungsgerät. LVS-Ausrüstung und warme, atmungsaktive Kleidung gehören natürlich auch dazu. Und dann noch eine gute Jause und ein warmer Tee – die Sonne sieht man beim Eisklettern kaum.

 

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Christinas Eiskletter-Surftipps

  • Christina HuberNeben News und Infos zu Bergsportthemen nennt die Webseite www.bergsteigen.at ein viel genutztes Bergsportforum und zahlreiche Tourentipps für (Eis)kletterer und Skitourengeher vorwiegend in Österreich ihr eigen. Das schweizer Pendant nennt sich www.gipfelbuch.ch.
  • Ausführliche Infos zu den Klettergebieten in Tirol liefert die Webseite www.climbers-paradise.com. Nach Regionen sortiert findet man dort die verschiedensten Kletterrouten samt Beschreibung, Karten und Wetterinfos.
  • Eine der bekanntesten Eiskletterschulen Österreichs nennt sich »Eis Alpin« und ist in Ried im Tiroler Oberland angesiedelt. Alle Infos gibts unter www.eisalpin.at.

 

Mehr zum Thema Eisklettern

Allerlei Wissneswertes rund ums Eisklettern erklärt Raph Stöhr auf www.klettern.de in einem Eiskletterspecial. Auch die wichtigsten Techniken im Eisklettersport und 20 Eisziele in den Alpen werden auf der Webseite des Klettern-Magazines vorgestellt. Auf www.active-woman.de sind die ersten Schritte mit Steigeisen und Pickel speziell für Eiskletter-Novizinnen erklärt. Eine umfassende Reportage über den eiskalten Selbstversuch von Autorin Carola Feddersen und zahlreiche Einsteiger-Infos finden sich auf www.geo.de.

 

Mehr zum Glace Glisse

Die fachkundigen Kollegen von www.kletterszene.com berichten ausführlich vom Europa-Cup-Finale in Unken. Das Event-Video zeigt, wie Eisklettern bei den Profis aussieht. Alle weiteren Infos und Videos unter www.glace-glisse.com.

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