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Safari durch Sambia

Foto: Robert Pfrogner
Zusammen mit drei Freunden und zwei Jeeps fuhr Robert Pfrogner 6000 Kilometer durch Sambia. Auf ihrer Reise durch das schwarze Afrika wagten sich die Freunde auf Routen abseits der Touristenpfade und entdeckten so ein Land voller Schönheit und Überraschungen.

»Entweder du hast viel Geld, oder du bist ein Abenteurer, sonst kommst du nicht nach Sambia. Je unterentwickelter das Land, desto teurer oder gefährlicher der Eintritt.« Das sagte mir der Leiter des Reisebüros, bei dem ich einen billigen Flug nach Windhuk buchte. »Bleib einfach in Namibia, da ist es deutsch und die Tiere in der Etosha-Pfanne sind zahm wie Tierparkwild.«

 
Den Freunden aus Deutschland ist bei ihren Reisen vor allem der Kontakt zu den Menschen wichtig. | Foto: Robert Pfrogner
Den Freunden aus Deutschland ist bei ihren Reisen vor allem der Kontakt zu den Menschen wichtig. | Foto: Robert Pfrogner

Doch gerade Sambia hat es mir und meinen drei Freunden angetan. Alle zwei, drei Jahre bekommen wir von unseren Frauen eine Auszeit geschenkt. In Namibia waren wir längst, in Botswana zuletzt, diesmal sollte es das Land am Sambesi sein. Wer einmal in Kazungula (Botswana) die Schlange vor der Fähre über den Sambesi erlebte, der weiß, warum wir unbedingt auf die andere Seite des Flusses wollten. Es gibt insgesamt nur fünf Brücken über den 2.500 Kilometer langen, viertgrößten Fluss Afrikas. Deshalb werden Menschen und Waren üblicherweise mit Fähren und Ruderbooten transportiert. Großer Warenverkehr ist das nicht, weil Sambia arm, sehr arm ist. Der Wohlstandsindikator der Vereinten Nationen, der Human Development Index, führt Sambia auf Platz 150 von 169 bewerteten Ländern. Simbabwe nimmt übrigens den letzten Rang ein. Damals nahmen wir unsere Autopanne in Kazungula zum Anlass, mit einem Mietauto für einen Tag und 50 Dollar Visumgebühr nach Simbabwe zu fahren, um den Sambesi hinabstürzen zu sehen. Die Victoria Falls sind das größte touristische Highlight in dieser Ecke. Von Simbabwe sieht man am besten auf die Donnernden Wasser, doch die Sturzkante gehört zu Sambia. Der Wunsch, einmal an dieser Kante entlang zu wandern, wurde damals geboren. In der Trockenzeit, wenn der Sambesi nicht ganz so viel Wasser führt, sollte das möglich sein.

 

Schritte am Abgrund

Den besten Blick auf die Victoria-Fälle hat man von Simbabwe aus, die Abbruchkante gehört jedoch zu Sambia. | Foto: Robert Pfrogner
Den besten Blick auf die Victoria-Fälle hat man von Simbabwe aus, die Abbruchkante gehört jedoch zu Sambia. | Foto: Robert Pfrogner

Von Windhoek fährt man die 1.200 Kilometer zur sambischen Grenze auf guten Teerstraßen. Doch sobald man den namibischen Grenzposten passiert hat, beginnt das Abenteuer. Mit zwei Allradfahrzeugen und montierten Dachzelten wollten wir 6.000 Kilometer durch Sambia fahren. Doch zuerst machten wir Bekanntschaft mit Korruption und der Grenzmafia. Die offizielle Visumgebühr liegt bei 50 Dollar, aber um die beiden Visa-Inkassodamen in dem baufälligen Grenzgebäude schart sich eine Bande von Räubern: Die Schwarzgeldhändler mit den schlechten Umtauschkursen für die nationale Währung Kwacha verbrüderten sich mit den Versicherungsverkäufern für Autopolicen, den inoffiziellen Straßenmauteintreibern und den halboffiziellen Zöllnern für Autoeinfuhren. Am Ende kostete der Landeseintritt nicht 200 Dollar für vier Personen und zwei Autos, sondern nach eineinhalb Stunden Diskussionen und unzähligen Bucheinträgen und Quittungsmalereien 400 Dollar. Die Büros der Eintreiber sind ausrangierte Wohnwägen und brüchige Holzhütten, in denen nur ein Tisch und ein Stuhl Platz finden. Das Geld fließt also garantiert nicht in die Ausstattung der Büros.

Anschließend fährt man über die Sambesi-Brücke, die von Deutschland finanziert und gebaut wurde. Der Weg nach Livingston, dem touristischsten Ort im ganzen Land, ist unspektakulär. Die ehemalige Hauptstadt Nordrhodesiens hat immerhin 100.000 Einwohner und fertigt jährlich etwa das Fünffache an Wasserfallbesuchern ab. In der Regel fliegen diese ein, übernachten in einer überteuerten Lodge, fotografieren das Wasser und verschwinden zwei Tage später wieder. Einzelne Abenteuer können aber dazu gebucht werden. Beliebt ist der 120-Dollar-Bungee-Sprung von der im Jahre 1905 gebauten Eisenbahnbrücke: 110 Meter hoch überspannt sie den Sambesi-Ausfluss. Nachdem das Wasser die 100 Meter der Victoria Falls hinabgestürzt ist, drängt es sich noch durch eine enge Schlucht und erzeugt dabei für Rafter Stromschnellen im fünften Schwierigkeitsgrad.

Natürlich darf auch der Herrscher der Savanne im Fotoalbum nicht fehlen. Diese Löwin in North Luangwa scheint vor kurzem erst gefressen zu haben, wie die rote Fellfärbung im Maulbereich verrät. | Foto: Robert Pfrogner
Natürlich darf auch der Herrscher der Savanne im Fotoalbum nicht fehlen. Diese Löwin in North Luangwa scheint vor kurzem erst gefressen zu haben, wie die rote Fellfärbung im Maulbereich verrät. | Foto: Robert Pfrogner

Wir allerdings wollten die Fallkante entlang gehen, das Wasser spüren, bevor es hinabstürzt. Nur eine kleine Tafel informiert: »Caution: taking a walk across lip of falls? Please beware of sudden water burst. By Management.« Das klingt nicht nach Abenteuer. Ein junger Schwarzer bot sich an, uns zu begleiten. Er kenne die guten und die gefährlichen Stellen, empfahl er sich. Mir wurde schon bei den ersten Schritten schwindelig und ich kehrte um. Der erfahrene Bergwachtler Harald und sein mutiger Bruder Armin allerdings bekamen einen Adrenalinschub. Über zwei Stunden kraxelten sie direkt an der Kante entlang, unter ihren Füßen schoss das Wasser in die Tiefe, spritzte wieder auf und erzeugte noch Sprühwasser 100 Meter über ihnen. Die Fotos geben das fantastische Bild und die Stimmung nur unzureichend wieder. Es ist längst stockdunkel als ein Elefant ihre Rückkehr noch zusätzlich verzögerte. Er stand inmitten der einzig passierbaren Furt, die wieder zurück zu festem, trockenem Land führte.

 

Bildergalerie: Mit dem Jeep durch Sambia

 

Abenteuer Offroad

Ein Etappenziel sollte der Kariba-Stausee sein und die weltgrößte Krokodilfarm dort. Je Flusskilometer leben in Sambia 10 bis 12 Krokodile. Die Population am Stausee ist eher größer. »Zuerst sammelten wir nur die besonders aggressiven Tiere ein«, erklärte man uns die Gründerzeit der Farm, die inzwischen 90.000 Tiere beherbergt. »Jetzt sind es 1.000 Muttertiere, deren Eier wir kontrolliert brüten. Die Bauchhaut der Jungtiere wird vor allem nach Asien exportiert, dem größten Markt für Krokodilleder.« Immer noch, oder schon wieder, sind so viele Krokodile im Stausee, dass dringend vom Baden abgeraten wird. Das war etwas schade, denn die Fahrt zum See durch die Berge war eine der größten Herausforderungen und hätte mit einem erfirischenden Bad einen schönen Abschluss gefunden.

Alles da, was man für die Morgentoilette so braucht. Im Buffalo Camp in North Luangwa. | Foto: Robert Pfrogner
Alles da, was man für die Morgentoilette so braucht. Im Buffalo Camp in North Luangwa. | Foto: Robert Pfrogner

Beschwerlich war auch die Fahrt von Choma durch das Steinkohlerevier vom Maamba. Vollkommen verständnislos gab sich ein Tankwart zu unserer Routenwahl. Die Abzweigung von Choma nach Süden durch das Steinkohlerevier von Maamba ist sehr schwer zu befahren. »Nehmt die Umfahrung, sie ist zwar länger aber viel, viel besser«, empfiehlt er uns. Es war nicht unsere Sturheit, sondern unsere Lust am schwierigen Gelände, die uns den zuhause schon vorbereiteten Trek unbedingt erforschen lassen wollte. Die tiefsandigen Passagen zwangen auch ein paar Radreisende immer wieder zum Absteigen und Schieben. Wir kamen kaum schneller voran als sie. Relativ spät erreichten wir dann die Kohlemine. »Ihr müsst umkehren, den ganzen Weg zurück nach Choma, die Durchfahrt der Mine ist verboten, Privatgelände«, fertigten uns die beiden Herren an einem improvisierten Schlagbaum ab. Unser Bestechungsversuch scheiterte. Unafrikanisch wäre es gewesen jetzt aufzugeben. Die Mine liegt vollkommen still. Chinesen betrieben sie vorher, zahlten den Arbeitern zwei Dollar pro Tag in einer Siebentagewoche, ohne Urlaub. Die Arbeiter lungern nun in einem Hüttendorf arbeitslos herum und hoffen auf den angekündigten taiwanesischen Investor. Wir wagten uns in dieses Dorf, um eine Umfahrungsmöglichkeit auszukundschaften. Der Weg, den man uns durch die Berge wies, war lediglich ein Fußweg, steinig, steile Auf- und Abstiege, über unendlich lange 20 Kilometer. Die letzten Stunden tasteten wir uns mit dem Jeep in absoluter Dunkelheit vor.

Berge können Hürden sein, Flüsse beziehungsweise kaputte Fähren aber ebenso. Die Überquerung des Kafue war deshalb unmöglich und zwang uns zu einem 500 Kilometer weiten Umweg über Lusaka, der wegen ihrer hohen Kriminalität gefürchteten Hauptstadt. Langsam quälten wir uns durch die Stadt, die Scheiben geschlossen, die Türen verriegelt. Straßenhändler an den Ampeln boten allerhand Tand an und bedrängten uns beim Weiterfahren.

 

Süßes und Saures

Wer versteckt sich hier hinter dem Jeep – die Giraffe oder der Fotograf? | Foto: Robert Pfrogner
Wer versteckt sich hier hinter dem Jeep – die Giraffe oder der Fotograf? | Foto: Robert Pfrogner

Die ungeplante Großstadtsafari erweckte wieder die Sehnsucht nach dem Landmenschen und den Wildtieren. 360 Kilometer östlich von Lusaka verließen wir den Hauptverbindungsweg nach Malawi, um durch wenig berührte Ansiedlungen zum South Luangwa Nationalpark zu fahren, dem größten Tierparadies des Landes. Wir waren natürlich nicht die ersten Weißen, die sich jemals durch diese Wege schlugen. Kinder hörten unsere Fahrzeuge schon von weitem und versammelten sich am Wegrand, um mit ausgestreckten Händen immer wieder »sweety-sweety« zu fordern. Offensichtlich gibt es einige Faschingsprinzen unter den Geländefahrern, die Süßigkeiten unter das Volk werfen. Das halten wir für absolut destruktiv. Die Kinder verlernen den Rat der Eltern, dass der Lohn der Arbeit folgt. Ja, sie verhöhnen ihre Eltern geradezu, wenn sie mit erbettelten Süßigkeiten, Kugelschreibern oder anderen Geschenken ins Dorf zurückkommen.

Unser Dorfbesuch galt einer Familie, die ein gut gepflegtes, aber sehr einfaches Plätzchen bewohnte. Wir ließen uns die auf senkrechten, armdicken Pfählen errichtete Küche zeigen, den Maisspeicher für Mensch und Ziegen, die hochgebauten Hühnerställe und das neu erbaute Lehmrondavel mit Schilfdeckung. Die Wasserstelle war allerdings erst nach einem 30-minütigen Fußmarsch zu erreichen. Wasser war es deshalb auch, was man sich letztlich von uns für die Dorfführung wünschte. Einen dreitägigen Wasservorrat in kleinen 5-Liter-Kanistern schleppten wir immer mit uns herum. Einen dieser Kanister konnten wir also leicht entbehren. Ein perfektes Geschenk: gutes Trinkwasser und ein Behälter dazu.

Immer wieder machten wir diese Dorfbesuche, um uns mit den Lebensgewohnheiten ein wenig vertraut zu machen. In den Banguela-Sümpfen fiel uns der Anbau von Maniok auf, der »Frucht des faulen Afrikaners«, wie gemeinerweise auch immer wieder einmal behauptet wird. Die Knolle kann ein, zwei, oder drei Jahre in der Erde bleiben, muss also nicht kompliziert gelagert werden. Leider ist sie nicht ohne Behandlung genießbar. Nach der Ernte braucht es eine längere Wässerung und eine Trocknung der gestampften Knolle an der Luft, damit die enthaltene Blausäure ausgasen kann. Wir probierten die bittere Speise und stellten fest: Ein gutes Rezept zur Verbesserung des Geschmacks fehlt hier noch – zumindest uns.

 

Lockruf der Wildnis

Chimfunshi, das »zahme« Nilpferd, ist ein ziemlich anhänglicher Vertreter seiner Art. | Foto: Robert Pfrogner
Chimfunshi, das »zahme« Nilpferd, ist ein ziemlich anhänglicher Vertreter seiner Art. | Foto: Robert Pfrogner

Auf dem Weg zum Luangwa trafen wir auf einen Bauer, der uns stolz erzählte, wie er vor einiger Zeit den Busch hier abgebrannt habe, so dass er jetzt langsam den Boden umgraben kann. »In einem Jahr schon werdet ihr hier Mais sehen, ihr müsst unbedingt nochmals kommen«, lud er uns ein. »Die Elefanten sind jedoch eine Gefahr. Ich habe mir schon ein Gewehr besorgt, ich muss sie vertreiben.« Wir bedauerten also nicht mehr laut, dass wir heute noch gar keinen Dickhäuter gesehen hätten. »Leider habe ich noch immer keine Kugeln für mein Gewehr, habt ihr welche dabei?« Wir erklärten, nicht zum Jagen hier zu sein, sondern eigentlich nur, um zu beobachten. Ob er das verstand? Für die Afrikaner ist der weiße Mann schon sehr wunderlich: fährt mit Autos auf staubigen Straßen, ohne dass er es müsste, um nichts zu tun, als zu beobachten. In seinen Augen sind wir keine Abenteurer, sondern Leute mit zu viel Geld. An guten Ideen, dieses Geld vernünftig für die Menschen vor Ort einzusetzen, mangelt es noch. Vorerst sollen wilde Tiere zahme Touristen nach Sambia locken. Wir folgten diesem Lockruf gerne.

 
4-Seasons Info
 

Der Autor

Robert Pfrogner, Jahrgang 1958, ist in seinem normalen Leben IT-Manager und Experte für den elektronischen Zahlungsverkehr mit Kreditkarten. Er sagt, in seinem Beruf würde man das Schreiben verlernen, wenn Sprache nicht immer wieder an Themen geübt würde, die ohne Anglizismen auskommen. Die Reisefreude im Beruf und in der Freizeit lässt gelegentlich auch einmal ein Buch entstehen, das er unter seinem oder anderen Namen veröffentlicht. In den letzten Jahren war er häufig im südlichen Afrika unterwegs. Auf diesen Touren begleiten ihn dann nicht seine Frau und die zwei erwachsenen Töchter, sondern Freunde aus seiner oberbayerischen Heimat.

 

Das Buch

Donnernde Wasser – Anleitung für Sambia
Reisen nach Sambia konzentrieren sich immer auf das Fleckchen, in dem der Sambesi seine Wassermassen entlässt. Die Victoriafälle sind aber bei weitem nicht das einzige Highlight. In dem touristisch und auch sonst noch ziemlich schlecht entwickelten Land gibt es faszinierende und außergewöhnliche Menschen und Landschaften zu entdecken. Das Leben zwischen Elefanten, Löwen und Tsetse-Fliegen ist spannend und reizvoll zu beobachten. Das Buch ist eine Anleitung für Sambia und das schwarze Afrika - egal, ob man das Land selbst erkunden will oder als Gedankenreise auf dem heimischen Sofa.

  • ISBN: 978-3-8448-0478-2
  • 14,80 Euro

 

Wanted: Fotos für die iPad-App

Der News-Feed der neuen iPad-App von Globetrotter Ausrüstung zeigte bereits Aufnahmen von Natur-Fotograf Michael Poliza, Bilder von Thomas Block, Impressionen aus dem Visionswald von Janik Lipke, Reiseerinnerungen von Julia Wunsch, Skandinavienbilder von Joachim Bardua und Pekinger Wanderfreuden von Roman Heimhuber.

Sie wollen ihre Bilder auch unters Volk bringen? Oben rechts in der Randspalte gibt's das Teilnahmeformular - wir freuen uns auf tolle Fotos!

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