präsentiert von:

Martin Buschmann: Dem Leoparden auf der Lauer

Martin Buschmann und die Leopardin in Tansania
In Tansania passieren die besonderen Momente auf Augenhöhe | Foto: Martin Buschmann
Martin Buschmann ist ein Fotograf, der Gelegenheiten und Ideen ganz schnell zusammen bringt. Aus seiner Hochzeitsreise nach Tansania entwickelte sich sein aktuelles Projekt: »buschmann is back from the bush«.

Werbefotografie, Portraits, Stillleben, Sport – und jetzt auch noch Wildlife. Wieso konzentrierst du dich nicht auf ein Genre?

Ich genieße es einfach, mich in so unterschiedlichen Welten bewegen zu können. An einem Tag fotografiere ich Schrauben, an einem anderen Tag sind es Windsurfer bei Windstärke neun. Und dann ergibt sich die Möglichkeit, mit einem Leoparden mehrere Stunden in der freien Wildbahn zu verbringen. Es wäre schade, wenn man die Gelegenheiten, die sich einem als Fotograf bieten, nicht nutzen würde. So habe ich dann eben meinen Namen Buschmann zum Programm gemacht: »bushmann is back from the bush« ist der Titel meiner  aktuellen Diashow.

Was genau hat dich als Fotograf nach Tansania gezogen?

Afrika ist einfach eine andere Welt, die ich entdecken will. Ich bin immer auf der Suche nach neuen Motiven und dem etwas anderen Blickwinkel. Nach Tansania haben mich die Ursprünglichkeit, die Weite des Landes, die Menschen und die vielfältige Tierwelt gezogen, die mich von Anfang an überwältigt hat.

 

Einen Teil seiner Einnahmen lässt Martin den Waisenelefanten des David Sheldrick Wildlife Trust zukommen. | Foto: Martin Buschmann

Was hat dich auf deiner Tansaniareise besonders beeindruckt?

Es sind immer zuerst die Menschen, die mich in einem fremden Land interessieren. Da man zu Gast ist, stehen folgende Fragen immer im Raum: Welcher Mentalität begegnet man? Wie leben die Menschen hier? Was bewegt die Menschen in den Ländern, die wir bereisen?

In Tansania wurden wir vom ersten Moment an mit einer großen Herzlichkeit empfangen. Deswegen haben wir uns auch sofort wohl gefühlt und nicht als Ausländer. Dieses Gefühl, willkommen zu sein, lässt einen auch später wieder in so ein Land gerne zurückkehren.

Viele Fotografen zieht es nach Afrika. Brachte dich die persönliche Neugier dorthin oder der Geschäftsmann in dir?

Weder noch! Es war unsere Hochzeitsreise, die uns Freunde geschenkt hatten. Glücklicherweise ist meine Frau Irene genauso begeistert von fremden Kulturen und faszinierenden Landschaften wie ich. Ohne sie könnte ich meine Arbeiten in dieser Art nicht durchführen, da sie unsere Reisen immer akribisch plant. Von ihr kommen die nötigen Inhalte und Informationen zu Land und Leuten. Meine Frau ist keine Fotografin, aber mit der Hochzeit war ihr klar, dass sie nicht nur mich, sondern auch meine Kamera heiraten würde. Erst der Erfolg meiner mitgebrachten Fotos brachte dann die kommerzielle Seite ins Spiel.

Lassen sich die Tiere besser auf einer geführten Safari fotografieren oder im Alleingang?

Vom Kilimanjaro West National Park ist der Blick nach Kenia weit. | Foto: Martin Buschmann

Das lässt sich so pauschal nicht sagen. Jeder in diesem Land kann das sehen, was ich auf meinen Fotos zeige. Es ist egal, ob man alleine oder in der Gruppe reist. Man muss sich davor allerdings mit dem Land beschäftigen um zum Beispiel die richtige Reisezeit auszuwählen. Natürlich spielen in Afrika auch der Klimawandel und die Umweltzerstörung eine große Rolle, was wiederum das Verhalten der Tiere verändert. Bis vor kurzem konnte man noch die Uhr nach der großen Gnu-Migration durch die Serengeti stellen. Man wusste genau, wo sich die Tiere beispielsweise im Februar befinden. Heute ist das nicht mehr so.

Wenn man als Fotograf reist und gezielt an bestimmten Themen arbeiten möchte, ist ein persönlicher Guide natürlich von Vorteil. Das beeinflusst aber nicht, das Output einer Fotosafari. Glück und Geduld gehören immer dazu.

Du kamst zurück mit einer Menge Fotos — dann beginnt für den Fotografen ja erst die Arbeit, oder?

10.000 Fotos kommen in so einer Woche schnell mal zusammen. Dann hilft erstmal nur eins: Alles radikal löschen, was nichts ist. In der Nachbearbeitung mache ich nicht mehr viel. Nachschärfen, Kontraste verstärken oder den Bildausschnitt zu bearbeiten sind legitime Mittel. Mein Ziel ist es, so zu fotografieren, dass nahezu keine Nachbearbeitung mehr nötig ist.

Bildergalerie: Martin Buschmann: Fotosafari Serengeti

Einige deiner Fotos stehen in Verbindung mit dem David Sheldrick Wildlife Trust. Erzähl uns doch darüber etwas.

Der DSWT ist eine Foundation, die Elefanten- und Nashornkinder, die durch Wilderei ihre Eltern verloren haben, aufzieht und später wieder auswildert. Der Elefantenpark ist in der Nähe von Nairobi und kann von Touristen besucht werden. Wer gerne einmal einen kleinen Elefanten streicheln möchte, ist dort herzlich willkommen.

Durch das Engagement vieler ehrenamtlicher Mitarbeiter aus aller Welt kann das Projekt DSWT am Leben erhalten werden. Ich habe sehr großen Respekt für das, was dort getan wird und spende daher einen Anteil der Einnahmen von »buschmann is back from the bush« an den DSWT. An dieser Stelle möchte ich gerne noch einmal Danke sagen für das tolle Engagement dieser Menschen!

 

Die Symmetrie steckt in der Werbe- und Naturfotografie | Foto: Martin Buschmann

Inwiefern hilft dir dein bisheriger Karriereschwerpunkt der Werbefotografie für das Arbeiten in der Natur?

Werbefotografie heißt: Man muss die Kernaussage eines Produktes für den Betrachter binnen Sekunden erfassbar und begreifbar machen. Wichtig ist also, dass man ein Gespür für die Stärken und Schwächen eines Themas entwickelt, und sich Fragen stellt wie: Was will ich transportieren? Was ist meine Kernaussage? Und genau das — binnen kürzester Zeit das Wesentliche zu erfassen und umzusetzen — hat mir beispielsweise bei dem Bild mit den vier Zebras in der Symmetrie geholfen. Ich habe die Situation erkannt und zehn Fotos im Bruchteil einer Sekunde gemacht. Nur eines davon hat meinen Ansprüchen genügt. Das Ergebnis spricht für sich: das Bild hat mittlerweile bei zwei Fotowettbewerben gewonnen.

Gibt es schon neue Reise- und Fotopläne?

Selbstverständlich. Mein Wunsch ist, Afrika noch mehr zu bereisen, vor allem zu den Wüstenelefanten in Namibia möchte ich. Im Mai geht’s aber erst einmal nach Thailand, bisher noch ein schwarzer Fleck auf unserer Landkarte. Ich bin gespannt, wie dieses Land auf mich wirken wird.

Diavorträge, Workshops, eigenes Studio, jetzt auch noch Fotoguide in Afrika: wann hat die Fotografie angefangen, so einen großen und vielfältigen Platz in deinem Leben einzunehmen?

Ich kam wohl wie die Jungfrau zum Kinde. Es sind die glücklichen Zufälle im Leben, die man am Schopfe packen muss, und das habe ich auch damals getan. Vor 23 Jahren wollte ich ein Plakat für unsere Musikband aufhängen und dabei fiel mein Blick auf ein Werbefoto für Musikboxen. In diesem Moment habe ich die Gitarre gegen die Kamera getauscht. Mir war klar, dass Fotos mein Leben bestimmen werden, und daran hat sich bis heute nichts geändert.

Was möchtest du den Teilnehmern des Fotoworkshops in Afrika beibringen?

Besonders bei meinen Fotoshows höre ich oft, wie Leute sagen: »Ihre Kamera macht aber gute Bilder!«. Dann kann ich nur entgegnen: »Es ist nicht die Kamera, die gute Bilder macht – es ist immer der Mensch hinter der Kamera.« Ziel des Workshops wird also sein, die Sinne und den Blick für den entscheidenden Moment zu schärfen. Auch den sicheren Umgang mit der Kameratechnik möchte ich vermitteln.

Kommt die Kamera auch noch mit in den privaten Urlaub?

Wenn die Kamera mit in die Flitterwochen kommt... | Foto: Martin Buschmann
Auf jeden Fall ist es verlockend, 15 Kilogramm weniger mit in den Urlaub zu nehmen. Kleine Digitalkameras bieten heutzutage bereits so viele Möglichkeiten. Mit meiner »Knipskamera« gewann ich schon einen Fotowettbewerb bei GEO. Aber in manchen Situationen denkt man, wie das Bild wohl geworden wäre, wenn man die große Kamera doch dabei gehabt hätte. Also ist letztendlich dann doch der schwere Kamerarucksack als Handgepäck dabei. Die Befürchtung meiner Frau, dass ich mit meiner Kamera ins Bett gehen würde, hat sich bis heute nicht bewahrheitet. Viel mehr hatte die Kamera auf unserer letzten Fotosafari sogar ihr eigenes Bett.

 

4-Seasons

Martin Buschmann

In Sizilien geboren, lebt Martin Buschmann heute in Konstanz. Seit Martin Buschmann 1993 führt er dort sein eigenes Fotostudio FOTO ART »Mehr als scharfe Bilder«. Seine Themenschwerpunkte sind die Werbe- und Industriefotografie. Nach 2001 hat er sein Fotospektrum auf Reise-, Landschafts- und Naturfotografie erweitert. Bevor er ab September Fotoworkshops in Kenia leiten wird, geht es Ende Sommer erst noch einmal auf Fototournee: mit seiner Tansania-Fotoreihe »bushmann is back from the bush«. Tagesaktuelle Informationen gibt es außerdem bei Facebook.

 

Wanted: Fotos für die iPad-App

Der News-Feed der iPad-App von Globetrotter Ausrüstung zeigt im (meist) zweiwöchigen Wechsel Aufnahmen begeisterter Fotografen und Traveller.

Auch Sie wollen ihre Bilder unters Volk bringen? Oben rechts in der Randspalte gibt's das Teilnahmeformular - wir freuen uns auf tolle Fotos!

 
weiterführende Artikel: 
27.03.2012ArtikelMenschen

Nordisch by Nature – App-Fotografin Geertje Jacob

Die »Details of Scandinavia« von Geertje Jacob entstanden aus der Leidenschaft für den hohen Norden und einem Gespür für stimmungsvolle Fotografie. 4-Seasons.de stellt die Frau hinter der Kamera vor. zum Artikel
29.11.2011ArtikelMenschen

App-Fotografin Julia Wunsch

Eben noch im neuseeländischen Dschungel, jetzt schon mitten im Berufsleben angekommen: Die Kölner Social-Media-Managerin Julia Wunsch erzählt 4-Seasons von Kindheitserinnerungen, wackelnden Wänden und der passenden Garderobe für jeden Anlas zum Artikel

Kommentare

angemeldet seit:
30 März 2012
zuletzt aktiv:
2 Jahre 5 Monate

Ich freue mich meine Bilder hier ausstellen zu dürfen und wünsche Viel Spaß beim betrachten der Fotos. - Martin Buschmann -