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App-Fotografin Julia Wunsch

Foto: Julia Wunsch
Eben noch im neuseeländischen Dschungel, jetzt schon mitten im Berufsleben angekommen: Die Kölner Social-Media-Managerin Julia Wunsch erzählt 4-Seasons von Kindheitserinnerungen, wackelnden Wänden und der passenden Garderobe für jeden Anlass.

Julia, wie kamst du darauf, deine Fotos für die Globetrotter-App einzureichen?

Durch den Newsletter habe ich erfahren, dass Fotos für die iPad-App gesucht wurden. Und weil ich auf meiner Reise über 7000 Bilder gemacht habe, dachte ich mir: »Da bist du dabei!« Eine ziemlich spontane Aktion – sonst mache ich eher selten bei Ausschreibungen mit. Aber es fiel mir ganz schön schwer, mich für 20 Bilder zu entscheiden!

 
Bali – Blüteninsel und Land des Lächelns. | Foto: Julia Wunsch
Bali – Blüteninsel und Land des Lächelns. | Foto: Julia Wunsch

7000 Bilder – sind das die klassischen Urlaubsschnappschüsse oder bist du ambitionierter in Sachen Fotografie unterwegs?

Schon als Kind habe ich mit einer Analogkamera herumgeknipst und seit 2004 fotografiere ich digital. Ich hoffe doch, dass meine Fotos inzwischen über Amateurschnappschüsse hinaus gehen, aber auf professionellem Niveau bewege ich mich sicher nicht. Ich habe einfach Spaß hinter der Kamera – speziell die Makrofotografie hat es mir angetan. Oft liegen in den kleinen Dingen ganz neue Welten, wenn man nur nah genug herangeht. Am liebsten fotografiere ich mit meiner Bridge-Kamera, da sie ein schwenkbares Display hat und der Makromodus super ist. Zudem habe ich eine Kompaktkamera inklusive passendem Unterwassergehäuse und eine Spiegelreflex. Letztere bekommt aber hoffentlich bald einen aktuellen Nachfolger mit schwenkbarem Display und besseren ISO-Werten. Aktuell liebäugele ich mit der Canon EOS 60d - Vorschläge bitte zu mir ;-)

 

Viele veröffentlichen jedes Foto, jeden Schritt, den sie tun bei Facebook und Co. Du hast Medien- und Kommunikationswissenschaften studiert. Titel deiner Abschlussarbeit: »Is it all about social media?« Und?

Man muss unterscheiden zwischen der Verwendung von Social Media im Prozess der Markenkommunikation - damit habe ich mich in meiner Arbeit beschäftigt - und dem privaten Bereich. Wobei es natürlich gewisse Parallelen gibt: Für ein Unternehmen macht es genauso wenig Sinn, die Firmenhomepage einzustellen weil man ja »jetzt bei Facebook ist«, wie für Privatpersonen alle realen sozialen Kontakte einzustellen und nur noch in der virtuellen Welt zu kommunizieren und Facebook jedes noch so kleine Detail zu verraten. Für mich ist es ein gutes Medium, um mit vielen Freunden an unterschiedlichen Orten in Kontakt zu bleiben und sie an meinem Leben bis zu einem gewissen Maße teilhaben zu lassen. Aber für die Gratisnutzung zahlt man eben auch seinen Preis – Datenschutzaspekte werden ja immer wieder diskutiert. Man muss sich dessen bewusst sein und sollte bei jedem Post überlegen, wer das sehen kann und wie privat die jeweilige Information ist.

 
 

Du hast für deine Abschlussarbeit schon mit der Allianz, Svarovski und Nike zusammengearbeitet, aber eben auch ein halbes Jahr auf Reisen verbracht. Wo fühlst du dich wohler, im Business-Kostüm oder in der Trekking-Hose?

Gott sei Dank muss ich auf der Arbeit keine steife »Verkleidung« tragen, so dass sich die Frage so eigentlich gar nicht stellt. Ich habe es auf der Reise genossen, mit wenigen Klamotten unterwegs zu sein, dabei stand Funktionalität klar im Vordergrund. Aber ich war auch heilfroh, nach fünf Monaten meinen vollen Kleiderschrank wieder zu haben – es ist also ein bisschen von beidem. Aber die Reise hat mir auch gezeigt, mit wie wenig man eigentlich auskommen kann.

 
Labyrintisch und dank Kobras nicht ungefährlich - die Reisterassen in Jatiluwih auf Bali. | Foto: Julia Wunsch
Labyrintisch und dank Kobras nicht ungefährlich - die Reisterassen in Jatiluwih auf Bali. | Foto: Julia Wunsch

Was war der Grund für deine lange Reise?

Der Gedanke geistert mir schon seit meiner Kindheit durch den Kopf – seit ich mit sieben Jahren in Singapur und Malaysia war. Dorthin bin ich übrigens jetzt, 20 Jahre später, auf meiner Reise zurückgekehrt – gleiche Insel, gleiches Hotel. Mich hat das damals schon sehr geprägt, zu sehen, wie anders die Welt in fremden Ländern ist. Meine Mutter hat mir zudem als Teenie Dias von ihrer Reise gezeigt – etwa in meinem Alter war sie mit einer Freundin im Himalaya und auf Sri Lanka unterwegs. Das hat mich wohl sehr beeindruckt und meinen Wunsch verstärkt, auch so eine Reise zu machen. Am liebsten wäre ich schon nach dem Abi aufgebrochen, doch damals fehlte mir das Geld. Nach dem Bachelor ergab sich auch nicht recht die Möglichkeit, so dass ich mir nach dem Master dachte: »Jetzt oder nie!« Die Vorfreude auf die Reise hat mich dann auch durch die anstrengende Zeit der Abschlussprüfungen gebracht: Brauchte ich mal 'ne Pause, schaute ich mir einfach mögliche Ziele meiner Reise an und plante Routen. Richtig knapp und anstrengend wurde es noch mal kurz bevor es los ging: Impfungen inklusive aller Nebenwirkungen und das parallel zur Masterarbeit. Die habe ich am 30.12. abgegeben und saß zwei Tage später im Flieger.

 

Warst du allein unterwegs?

Ich habe in Australien begonnen, weil dort grade eine sehr enge Freundin von mir ein Auslandssemester gemacht hat. Mit ihr bin ich dann eineinhalb Monate durch Australien und Neuseeland gereist. Zehn Tage nach ihrer Abreise kam dann mein Freund, mit dem ich Neuseeland und Fiji erlebt habe. In Bali war ich dann für ca. drei Wochen alleine unterwegs und noch eine Woche in Singapur, ehe meine Mutter kam, die das Abenteuer nicht verpassen wollte. Mit ihr war ich dann noch zwei Wochen in Bali unterwegs und im Anschluss kam wieder mein Freund für Singapur und Malaysia. Also hatte ich fast die ganze Zeit Gesellschaft. Aber all die Erfahrungen mit jemandem zu teilen, machte das Erlebnis für mich umso schöner.

 

Bildergalerie: Julia Wunsch

 

Wieso gerade Neuseeland, Australien und Südostasien?

Tja, ich weiß auch nicht genau. Asien stand von Anfang an fest, vielleicht weil ich als Kind da war, vielleicht weil meine Tante zehn Jahre dort lebte und meine Cousine Halb-Indonesierin ist. Und wenn man dann schon mal in Gedanken dort ist, liegen Neuseeland und Australien nahe – ist ja quasi um die Ecke ... ;-)

 

Das schönste Erlebnis deiner Reise?

Das werde ich immer wieder gefragt – total schwer zu beantworten. Jedes Land hatte seine eigenen magischen Momente: Australien: Die Whitsunday Islands, drei Nächte auf einem Boot, wo wir mit der Schildkröte (auf den Fotos) geschwommen sind und nachts den schönsten Sternenhimmel hatten – und auch noch Delphine ans Boot kamen. Neuseeland: Das Tongariro-Crossing, aber auch die Gegend um Wanaka, einfach insgesamt die atemberaubende Natur in diesem Land. Fiji: Ganz klar die schönste Unterwasserwelt, die ich beim Tauchen je gesehen hab. Bali: Die Einstellung der Menschen, die Freundlichkeit, das einfache Leben. Singapur: Der Schmelztiegel der verschiedenen Kulturen, unglaublich vielfältig. Malaysia: Rückkehr zum Ort aus meinen Kindheitsträumen. Bangkok: nichts, die Stadt war grauenvoll.

 
Besonders die Makrofotografie hat es Julia angetan. | Foto: Julia Wunsch
Besonders die Makrofotografie hat es Julia angetan. | Foto: Julia Wunsch

Wie hast du das verheerende Erdbeben in Christchurch erlebt?

Ich war mitten im Stadtzentrum als die Erde zu beben anfing und versuchte aus dem Gebäude zu kommen, in dem ich war. Alle schrien nur »Get out, get out!!« Geradeaus laufen war aber gar nicht so einfach, weil ich von links nach rechts geschmissen wurde und Mühe hatte, überhaupt auf den Beinen zu bleiben. Als ich es dann endlich geschafft hatte, stürzte vor meinen Augen der Turm der Kathedrale ein – der war grade nach dem letzten Erdbeben wieder eröffnet worden und ich wollte eigentlich eine halbe Stunde später dort hoch steigen. Glück gehabt! Und noch mehr Glück hatte ich, dass mich eine Kiwi-Familie aufgenommen hat, denn mein Hostel war auf der anderen Seite des Stadtzentrums – und das war komplett gesperrt nach dem Beben. Überall waren ganze Häuser eingestürzt, die Straßen waren aufgerissen und Sedimentschlamm quoll aus dem Boden. Die Familie wusste dann auch was zu tun war – Wasser rationieren und Töpfe rausstellen, um den Regen aufzufangen, Generator anschmeißen und einen Minifernseher, um zu wissen was los war. Und ein Loch in den Garten zu buddeln, als Toilette. Man macht sich gar keine Vorstellungen von so einer Situation, bis man selbst drin war – plötzlich gibt es nichts mehr, kein Strom, kein Wasser, man weiß nicht ob das Gepäck noch existiert. Dann zählen nur noch Basics – Essen, Wasser und vielleicht der Reisepass. Ich bin der Familie wirklich sehr dankbar, dass sie mich aufgenommen und ihr Essen und Trinken mit mir geteilt haben. Nach zwei Tagen konnte ich dann nach Aukland fliegen und war froh, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben.

 

Das »no worries«, das Motto der Kiwis und Australier, kommt einem da nicht mehr so leicht über die Lippen, oder?

Na ja, abgesehen vom Jahrhundert-Hurrikan, dem wir gerade rechtzeitig in Cairns davongeflogen sind, dem Erdbeben und der Tsunami-Warnung auf Fiji lief alles glatt bei meiner Reise ... ;-)

 
Blumenwiesen vor Gletscherbergen am Rob Roy Track in Neuseeland. | Foto: Julia Wunsch
Blumenwiesen vor Gletscherbergen am Rob Roy Track in Neuseeland. | Foto: Julia Wunsch

Aber dann von »hang loose« direkt in den ersten richtigen Job. Wie schwer war die Umstellung?

Schon recht schwer, wenn ich auch andererseits froh war, nach fünf Monaten nicht mehr aus dem Koffer leben zu müssen und endlich mal an einem Ort bleiben zu können. Auch vor meiner Reise bin ich ja permanent zwischen Zürich und Köln, wo mein Freund wohnt, gependelt. Endlich mal irgendwo anzukommen und dann in Ruhe die nächste Reise planen, das hat auch was.

 

 

Wohin soll's denn gehen?

Konkret geplant ist noch nichts, erstmal muss ich mir meine Portion Wintersport abholen, die ich letzten Winter verpasst habe! Aber in den kommenden zwei Jahren will ich noch mindestens eine große Reise machen, nur das Ziel steht noch nicht fest. Weil ich noch so viel von der Welt sehen möchte, fällt mir die Wahl wirklich schwer. Ich hoffe, ich kann mich in den nächsten Monaten zumindest auf einen Kontinent festlegen.

 
4-Seasons Info
 

Julia Wunsch ...

 

... wurde am 10. August 1984 in Köln geboren und hat in Passau und Zürich Medien- und Kommunikationswissenschaft (B.A./M.A.) studiert. Ihre Begeisterung für fremde Länder und Kulturen begann 1991 auf einem einmonatigen Trip nach Singapur und Malaysia, als sie entdeckte, wie anders die Welt woanders aussieht, riecht und schmeckt. Seitdem ist ihre Leidenschaft fürs Reisen stetig gewachsen. Anfang 2011 erfüllte sie sich schließlich einen langersehnten Traum – eine fünfmonatige Reise durch Australien, Neuseeland und Südostasien. Dort konnte sie an unzähligen Motiven auch ihre Begeisterung für Fotografie ausleben. Nach ihrer Rückkehr im Mai ist sie ins Berufsleben eingestiegen und arbeitet aktuell in Köln im Bereich Markenmanagement und Social Media – und träumt bereits von ihrer nächsten Reise.

Mehr über Julia gibt es auf ihrem Fotoblog oder bei Xing (sichtbar nur für Mitglieder).

 

Wanted: Fotos für die iPad-App

Der News-Feed der neuen iPad-App von Globetrotter Ausrüstung zeigte bereits Aufnahmen von Natur-Fotograf Michael Poliza, Bilder von Thomas Block und Impressionen aus dem Visionswald von Janik Lipke.

Nach Julia freuen wir uns auf schöne Reiseandenken von Joachim Bardua, der Wetterglück auf den norwegischen Lofoten hatte.

Sie wollen ihre Bilder auch unters Volk bringen? Oben rechts in der Randspalte gibt's das Teilnahmeformular - wir freuen uns auf tolle Fotos!

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